UN-Generalversammlung lässt Ölpreise tanzen
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Gestern erreichten die Ölnotierungen den tiefsten Stand seit ihrem Hoch vor einer Woche. Im Verlauf der Serie verlustreicher Handelstage büßten sie rund zehn Prozent ihres Preises ein. Rohöl Brent tauchte wieder unter die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Man wähnte sich bereits in einem Trend und begann die Gründe dafür zu sammeln. Mit einem neutralen Blick auf die Marktumstände war diese Einstellung allerdings nicht haltbar. Auf Verbraucherseite ist Öl mehr denn je ein knappes Gut. Es hapert an allen Ecken und Enden an Raffinerie- und Transportkapazität. Aktuell kommen zudem wieder sanktionsbedingte Bezugseinschränkungen hinzu.
De facto ist es schwierig eine Lageeinschätzung zu geben, da die Berichte widersprüchlich sind. Folgt man den Worten Brad Coopers, seines Zeichens Chef des Regionalkommandos der US-Streitkräfte für den Nahen Osten, Zentralasien und Teile Südasiens, gibt es kein Problem mit der Straße von Hormus. Die USA hätten in den vergangenen Monaten den Transport von mehr als einer Milliarde Barrel Öl durch die Straße von Hormus unterstützt. Die wichtigsten Schifffahrtsrouten seien inzwischen minenfrei, mehr als 2.000 Schiffe seien sicher durch die Meerenge begleitet worden. Während die nicht-iranischen Ölexporte zuletzt ein Sechs-Monats-Hoch erreicht hätten, seien iranische Exporte aufgrund der US-Blockade zum Erliegen gekommen.
Trackingdaten des weltweit führenden Daten- und Analyseunternehmens Kpler zeigen indes deutlich sinkende Schiffspassagen an den Meerengen östlich und westlich der Arabischen Halbinsel. Kpler kann allerdings nur Schiffe mit aktiven Transpondern erfassen. Die Schifffahrt im Bereich der Halbinsel müsste so gut wie transponderfrei verlaufen, wenn die Angaben Coopers sachlich korrekt sein sollten. Daran zu zweifeln gebietet allein der Umstand, dass sich die USA im Krieg mit dem Iran befinden. Zur Einordnung der Mengen: In normalen Zeiten wären im Verlauf der sieben Monate, in denen die Passage durch die Straße von Hormus problematisch ist, über vier Milliarden Barrel durch die Meerenge geschifft worden. Fakt scheint auf alle Fälle zu sein, dass Ölexporte aus der Region am Persischen Golf weiterlaufen. Saudi-Arabien nutzt die Route nach Angriffen auf seine Ost-West-Pipeline wieder verstärkt und der Irak schafft es auch, sein Öl bei reduzierter Produktion über das Meer zu verschiffen.
Mangel wird nicht allein am Persischen Golf erzeugt. In Russland wurde die Ölindustrie am Wochenende durch eine massive ukrainische Drohnenangriffswelle weiter unter Druck gesetzt. Besonders die wichtige Gazprom-Raffinerie bei Moskau wurde beschädigt, wodurch sich die bereits angespannte Kraftstoffversorgung in Russland weiter verschärft. Da die russischen Raffineriekapazitäten durch wiederholte Angriffe reduziert sind, werden die internationalen Treibstoffmärkte und insbesondere die Dieselversorgung ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen.
Europa droht im vierten Quartal neben der Dieselknappheit auch ein erheblicher Kerosinengpass. Die Bestände in der europäischen Ölmetropole Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam sind auf ein Siebenjahrestief gefallen, während die geopolitischen Krisen wichtige Lieferungen beeinträchtigen. Zusätzliche Importe, vor allem aus Südkorea, können die Versorgungslücke teilweise abfedern, eine nachhaltige Entspannung ist jedoch vorerst nicht absehbar.
Indische Raffinerien geraten zunehmend unter Druck, da neue US-Sanktionen hohe Strafzölle gegen Käufer russischen Öls ermöglichen. Deshalb prüfen führende Unternehmen bereits alternative Bezugsquellen für November. Ein schneller Verzicht auf russisches Rohöl wäre jedoch schwierig, denn während Indiens Ölbedarf auf ein Rekordniveau steigt, ist das weltweite Angebot äußerst angespannt. Russland bleibt daher ein zentraler Lieferant mit einem Anteil von rund 40 Prozent der indischen Ölimporte im laufenden Jahr. Neu-Delhi stellt dabei die Versorgung seiner 1,4 Milliarden Einwohner mit bezahlbarer Energie in den Vordergrund. Branchenvertreter plädieren deshalb dafür, russisches Öl weiterhin zu kaufen, solange es preislich attraktiv ist. Die kommenden Einkaufsrunden werden zeigen, in welchem Umfang indische Raffinerien trotz des Drucks aus Washington an russischen Lieferungen festhalten.
Als sei das alles nicht genug, bricht nun auch noch die Förderung am libyschen Sharara-Ölfeld deutlich ein, nachdem Bewaffnete ein Ventil an einer wichtigen Exportpipeline geschlossen hatten. Laut Medienberichten sank die Produktion um mehr als 60 Prozent. Die Störung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der libysche Ölsektor bereits durch Proteste von Sicherheitskräften belastet wird. Die staatliche Ölgesellschaft NOC hatte deshalb schon zuvor gewarnt, möglicherweise „Force Majeure“ ausrufen zu müssen. Damit könnte sie sich bei ausbleibenden Öllieferungen auf höhere Gewalt berufen und wäre vor bestimmten vertraglichen Schadenersatzforderungen geschützt.
Am Ölmarkt findet die UN-Generalversammlung momentan das größte Interesse. Dort halten sich die Präsidenten der USA, des Irans und der Ukraine zeitgleich auf. Man hofft auf bilaterale Gespräche als Auftakt für eine Entspannung in den Kriegen im Iran und in der Ukraine. Mindestens das Treffen zwischen Trump und Selenskyj gilt als vereinbart.
Die Börsen nehmen das Sammelsurium von Problemen heute Morgen wieder wahr und reagieren mit steigenden Ölnotierungen. Das drückt sich im Rohöl etwas stärker aus als beim Gasöl. Für eine Fortsetzung der rückläufigen Preisbewegung gibt es aktuell eigentlich kaum einen sachlichen Grund. Der Auftritt der drei wichtigen Kriegsherren in New York ist allerdings für jedwede emotionale Regung gut, auch für einen unwahrscheinlichen Preisrückgang.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 97,42 Dollar
und das Barrel Brent zu 101,78 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.449,00 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8731 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1449 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Die Heizölpreise halten am Abwärtskurs fest, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das passt durchaus zu den internationalen Vorgaben, denn gestern fielen die Kurse bis zum späten Abend. Es gibt somit einen Nachholbedarf zu befriedigen. Angesichts des fast doppelt so hohen Preises wie im Vorjahr wäre die Fortsetzung der Preisbewegung mehr als wünschenswert. Die Realisierung ist aber leider nicht absehbar. Um allfälligen Unkenrufen von Betrug oder dergleichen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, dass international gehandeltes Gasöl als Vorprodukt für Heizöl sogar mehr als zweimal so teurer ist als im Vorjahr. Zudem wurde den nationalen Preisen in der Zwischenzeit erneut eine Steigerung der CO2-Abgabe zugemutet, die die internationalen Vorgaben nicht kennen. Darüber hinaus sind die Rheinfrachten aufgrund niedriger Pegelstände immer noch drei- bis fünfmal so teuer wie üblich.
Im Binnenmarkt zieht die Nachfrage etwas an. Die Hoffnung auf fallende Preise steigt sogar üppig. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem starken Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
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Heizölpreise-Chart vom 22. September 2026
