Die Ölpreise können noch Abwärts
von Klaus Bergmann

Internationaler Markt
Bis Mitte letzter Woche haben die Ölnotierungen fortwährend neue Höhen erklommen. Seitdem geht es bergab. Gemessen am letzten, rund dreiwöchigen Aufstieg ist der Abgang allerdings eine homöopathische Erscheinung. Hinzu kommt, dass diese Formulierung einer genauen Betrachtung kaum standhält. Das wird beim Gasöl, dem Vorprodukt für Heizöl und Diesel, besonders deutlich. Hier erkennt man besser als beim Rohöl einen relativ stetigen Anstieg seit Mitte Juni dieses Jahres.
Die preisliche Entwicklung ist ein Abbild des geopolitischen Desasters, das der frei von jedweder strategischen Vernunft eingegangene Krieg der USA gegen den Iran ausgelöst hat. Das als vier bis fünfwöchiges Exempel ausgerufene Abenteuer ist den USA längst entglitten. Sie haben weder die Kontrolle darüber noch eine Idee, wie sie die Angelegenheit beenden sollten. Erklärungen wie, Trump erwägt ein Treffen mit Irans Präsident Peseschkian am Rande der UN-Generalversammlung in New York und weckt damit Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung, fehlt jede diplomatische Glaubwürdigkeit. Trump drohte dem Iran mit schweren Konsequenzen ohne Abkommen, während die iranischen Revolutionsgarden vor Vergeltung bei neuen US-Angriffen warnten, beschreibt die Lage klarer.
Vor diesem Hintergrund grenzt es an ein Wunder, dass der Öltransport durch die Straße von Hormus zuletzt wieder zugenommen hat. Das ist im Wesentlichen der Initiative Saudi-Arabiens zu verdanken, das trotz der Spannungen weiterhin große Mengen Rohöl durch die Straße von Hormus exportiert. Damit können Ausfälle am Roten Meer teilweise ausgeglichen werden. Um das Risiko zu begrenzen, wird das Öl zunächst mit saudischen Tankern durch die Meerenge transportiert und anschließend vor Oman auf internationale Großtanker umgeladen. Von diesem Modell profitieren vor allem asiatische Abnehmer wie China, Südkorea, Indien und Japan, während internationale Reedereien die besonders riskante Passage und hohe Versicherungs- bzw. Frachtrisiken vermeiden können.
Bei JP Morgan stellt man fest, dass die Ölexporte aus der Golfregion trotz der aktuellen Schwierigkeiten überraschend robust bleiben. In den vergangenen zehn Tagen lagen die Lieferungen bei durchschnittlich 17,1 Mio. Barrel pro Tag und damit nur 6,1 Mio. unter dem Durchschnitt von 2025. Saudi-Arabien exportierte zuletzt allein durch die Straße von Hormus etwa 2,9 Mio. Barrel täglich. Es sind solche Meldungen und die berechtigte Hoffnung, dass Saudi-Arabien die infolge eines Drohnenangriffs vorübergehend abgeschaltete Ost-West Pipeline in Kürze wieder bei halber Kapazität flottbekommt, die den Preisen die Spitzen schleifen. Hilfreich war natürlich auch der letzte Wochenbericht des DOE (US-Energieministeriums), in dem eine weitere Erholung der Produktenvorräte in den USA ausgewiesen wurde.
Global sieht es bei der Produktenversorgung aber schlecht aus. In Indien sind es gesunkene Rohölimporte, die die Exporte von Diesel und Kerosin kräftig drosselten. Zusätzliche Beschränkungen für russische Öllieferungen dürften Indiens Raffinerien weiter belasten und damit auch die Versorgung internationaler Abnehmer in Asien, Afrika und Europa beeinträchtigen.
Russlands Exporte von Ölprodukten erholten sich im August zwar um gut 16 Prozent gegenüber Juli. Sie blieben aber rund 50 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hauptursache für die anhaltend niedrigen Ausfuhren sind ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und daraus resultierende Exportbeschränkungen für Diesel und Benzin. Während insbesondere die Lieferungen über die Ostseehäfen zunahmen, bleiben wichtige Raffinerien eingeschränkt oder außer Betrieb. Das verlängerte Diesel-Exportverbot Russlands dürfte die ohnehin angespannte Versorgung am Weltmarkt zusätzlich belasten.
Die Großwetterlage am Ölmarkt ist ziemlich grau. Für einen nennenswerten Rückgang der Ölpreise fehlen die Argumente. Dabei geht es nicht um einen Mangel an Ölaufkommen. Es geht um die Wiedererlangung der Freiheit des Markts. Dieser ist zum Spielball harter geopolitischer Veränderungen mit ungewissem Ausgang geworden. Ost und West sowie dem globalen Norden und Süden fehlen die diplomatischen Initiativen, die den Missstand aufzubrechen vermögen. Die Ölpreise werden wieder sinken, aber niemand weiß wann. Heute Morgen ist immerhin etwas Aufhellung an den Börsen zu erkennen. Die Ölnotierungen geben deutlich nach. Das gilt für Rohöl und Gasöl gleichermaßen. Man sollte von dieser Bewegung allerdings nichts Großes erwarten.
Das Barrel WTI (West Texas Intermediate) wird aktuell zu 98,21 Dollar
und das Barrel Brent zu 101,68 Dollar
gehandelt. Die Tonne Gasöl kostet 1.459,50 Dollar
. Der US-Dollar kostet aktuell 0,8710 Euro
. Damit kostet der Euro 1,1479 Dollar
. Die Pfeile hinter den Zahlen geben die Veränderung zum Handelsauftakt des Vortags an.
Nationaler Markt
Nach etwas Rückgang in der letzten Woche zeigen sich die Heizölpreise heute Morgen noch träge, wie der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Die internationalen Vorgaben verheißen weiteres Nachgeben. Das wäre angesichts eines fast doppelt so hohen Preises wie im Vorjahr im großen Stil wünschenswert. Aber diese Realisierung ist leider nicht absehbar. Um allfälligen Unkenrufen von Betrug oder dergleichen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, dass international gehandeltes Gasöl als Vorprodukt für Heizöl sogar mehr als zweimal so teurer ist als im Vorjahr. Zudem wurde den nationalen Preisen in der Zwischenzeit erneut eine Steigerung der CO2-Abgabe zugemutet, die die internationalen Vorgaben nicht kennen. Darüber hinaus sind die Rheinfrachten aufgrund niedriger Pegelstände immer noch drei- bis fünfmal so teuer als üblich.
Im Binnenmarkt ist die Nachfrage alles andere als wintervorbereitend. Dafür gibt es wieder etwas Hoffnung auf fallende Preise. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das die Käufe der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Befindlichkeit der Kunden entsprechend an. Das eine steht heute Morgen auf mittlerem Niveau für die Kaufintensität, das andere auf einem unspektakulären Mehrheitswert für die Erwartung auf fallende Heizölpreise.
Unser Satz an alle unentschlossenen Kunden lautet: Ein Ende des hohen Preisniveaus ist nicht in Sicht. Wer Heizöl kaufen muss oder möchte, sollte sich für den Kauf einer Teilmenge entscheiden, um im Verlauf des kommenden Jahres hoffentlich deutlich günstiger ordern zu können.
Im Übrigen sind wir mehr denn je der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein.
So funktioniert's:
- Auf den Button „Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen" klickentippen.
- Im Google-Fenster „Bevorzugte Quellen" bei esyoil den Haken setzen.
- Fertig – esyoil erscheint nun bei passenden Suchen weiter oben.
Sie benötigen ein Google-Konto und müssen angemeldet sein. Die Auswahl können Sie jederzeit in den Google-Sucheinstellungen ändern.
Heizölpreise-Chart vom 21. September 2026
