Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Ölpreise steigen und steigen

Die Finanzindustrie hat die Herrschaft über die Ölpreise übernommen. Für Verbraucher bedeutet das nichts Gutes. Preise werden nicht mit Blick auf Angebot und Nachfrage sondern als Konjunkturwetten gebildet. Das Argument tiefer Temperaturen für den gegenwärtigen Preisanstieg ist angesichts hoher Vorräte ein Feigenblatt, das die Sicht auf die wahre Motivlage bei der Preisbildung verdeckt. Es geht einzig um das Mehren spekulativ eingesetzten Geldes. Die Konjunkturentwicklung ist dabei als Leitmotiv hervorragend geeignet. Im Gegensatz zum Ölangebot und Verbrauch ist sie so unkalkulierbar wie das Wetter. Damit eignet sie sich zum Glücksspiel.

Bei diesem Glücksspiel geht es darum, in kurzfristigen Zeithorizonten möglichst extreme Preisbewegungen zu erzeugen. Das konnte man vor Weihnachten beim Dollar beobachten. Nun läuft die Rallye wieder mal beim Öl. Mit ernsthaften Prognosen auf die Zukunft hat das wenig zu tun. Ebenso wenig wie die Konjunktur sind Aktien- und Wechselkurse sowie Ölpreise prognostizierbar. Norbert Walter, dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank, wird folgender Satz in den Mund gelegt: „Seit 40 Jahren versuche ich, Wechselkurse zu prognostizieren, und bin dabei nicht sonderlich erfolgreich.“ Der US-Ökonom James Hamilton untersuchte die Ölpreise zwischen 1970 und 2008 auf Vorhersehbarkeit. Er kommt zu dem Schluss, dass sie unprognostizierbar sind. Aber es tauchen doch immer wieder Börsengurus auf, die es schaffen, die Zukunft richtig vorauszusagen. Wissenschaftler der Hong Kong University beschäftigten sich mit Unternehmensanalysten. Dabei stellen sie fest, dass diejenigen, die in der Vergangenheit hervorragende Prognosen ablieferten, später besonders schlecht abschnitten.

Trotz dieser Erkenntnisse über Prognosen sei hier die langfristige Erwartung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zur Versorgungslage mit Öl wiedergegeben. Da es sich dabei um ein handfesteres Thema handelt als das Börsengeschehen, könnte man ihr größeres Vertrauen schenken. In ihrer „Kurzstudie 2009: Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen“ konstatieren die Wissenschaftler, dass Erdöl der erste Energierohstoff sein könnte, bei dem Versorgungsengpässe als Folge knapper Vorräte eintreten. Das Maximum der Ölförderung (Peak Oil) legen sie auf das Jahr 2023. Durch nicht konventionelles Öl, das technisch sehr schwierig zu gewinnen ist, könnte Peak Oil bis 2035 in die Zukunft verschoben werden. Allerdings erwarten die Autoren, dass der Förderhöhepunkt wegen der Bemühungen um CO2-Minderung und Effizienzsteigerung gar nicht mangelbedingt sein wird, sondern vorher bereits nachfragebedingt auftreten wird. Als Wermutstropfen zu dieser Prognose muss angemerkt werden, dass auch hier eine Vielzahl von volkswirtschaftlichen Annahmen verarbeitet sind, für die die oben beschriebene Unprognostizierbarkeit gilt.

Fakt ist derzeit zumindest, dass der Primärenergieverbrauch in den alten Industrieländern sinkt. In Deutschland betrug der Rückgang im vergangenen Jahr 6,5 Prozent. Der Verbrauch liegt mittlerweile auf einem Niveau wie in den 1970er Jahren. Der Mineralölverbrauch ging um 5,8 Prozent zurück. Er entspricht dem Verbrauch Ende der 1960er Jahre. Gleichwohl bleibt Öl mit einem Anteil von 34,6 Prozent noch lange der wichtigste Energieträger hierzulande. Das gilt auch weltweit. Fakt ist darüber hinaus auch, dass die Wirtschaft der Politik in ihrem Bestreben, den Klimawandel zu stoppen, voraus läuft. Viele Unternehmen und Unternehmer in Deutschland verlangen nach dem Kopenhagen-Desaster die Aktivitäten für den Klimaschutz zu intensivieren. Sie haben die wirtschaftliche Chance, die in entsprechenden Maßnahmen steckt, längst erkannt. Nachholbedarf gibt es beim privaten Verbrauch. Hier fehlen noch politikunabhängige Marktanreize in Form neuer Wertvorstellungen der Verbraucher.

Und dann ist da noch die berühmte Systemfrage. Ist der Kapitalismus wirklich das bessere System, für das er lange gehalten wurde? Die Zweifel wachsen. Für die Ölwelt ist die öffentliche Meinung zum Thema irrelevant. Hier wurden längst Fakten geschaffen. Über 80 Prozent der Ölproduktion befindet sich in der Hand von Staatsgesellschaften. Den privaten Unternehmen droht nach dem Verlust ihrer Dominanz an den Bohrlöchern vor gut 30 Jahren nun auch der Verlust bei Verarbeitung und Vertrieb. Die wirtschaftlichen Hoffnungen liegen auf Staaten wie China, Indien, Brasilen und Russland. Drei von diesen vier Ländern haben ein kommunistisches oder sozialistisches Gesellschaftssystem. Die Zukunft scheint rot zu sein.

Auf den Preis hat die Farbe Rot keinen Einfluss, zumindest nicht soweit er börsenorientiert ermittelt wird. Heute Morgen gibt es noch keinen Anlass am Fortgang der Rallye zu zweifeln. Die gestern erreichten Höhen bleiben stehen. Die Tonne Gasöl kostet 659,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,76 Dollar. Der US-Dollar wird zu 69,37 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen abermals an. Sie werden in ihrem Aufwärtsdrang vom fallenden Dollar gedämpft aber nicht gehalten. Die Preise haben wieder das Oktoberniveau 2009 erreicht, das Höchstniveau des letzten Jahres. Die aktuellen Aussichten zur Preisentwicklung sind entgegen unserer Einschätzungen aus Verbrauchersicht schlecht. Man ist geneigt, die Flinte ins Korn zu werfen und in den Anstieg hinein zu kaufen. Das mag richtig sein. Sowohl aus Versorgungssicht als auch mit Blick auf die Börsenpsychologie ist ein preislicher Durchmarsch nach oben aber keinesfalls sicher. Den besten Rat der letzten Wochen gab unser Tiefpreissystem. Es generierte Mitte Dezember ein Kaufsignal. Davon kann sich heute natürlich niemand mehr etwas kaufen. Es fällt schwer, einem Ratschlag zu geben außer diesen: Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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