Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Börse zeigt Eigendynamik

Die Erscheinung ist nicht neu. Dennoch beeindruckt sie immer wieder, wenn sie so deutlich auftritt wie gestern. Die Rede ist von der Ölpreisbildung, die unter Ausschluss jedweder Realmarktzusammenhänge zu nennenswerten Kursänderungen führt. Die Finanzszene spekulierte die Ölpreise kräftig aufwärts. Sie orientierte sich dabei vollständig am Bewegungsmuster der Preisbildung selbst.

Der physische Markt bietet keine Grundlage für den Preisanstieg. Er ist gut versorgt. Angesichts des erfolgreichen Aufbaus neuer Kapazitäten auf der Angebotsseite und der globalen Schwäche auf der Nachfrageseite sollten die Notierungen tendenziell sinken. Die IEA (Internationale Energieagentur) erwartet eine Fortsetzung dieser Situation mindestens bis 2017. In Zahlen ausgedrückt wird die Lage dabei wie folgt beurteilt: Das Ölangebot wird mit einer Rate von 1,5 Prozent pro Jahr steigen. Die Ölnachfrage wird jährlich 1,2 Prozent zunehmen. Die größten Effekte wachsender Förderung werden in Nordamerika und im Irak erzielt. Die Nachfragesteigerung erfolgt hauptsächlich in den Schwellenländern, während die alten Industrieländer ihren Ölbedarf reduzieren.

Wirklich überraschend kommt der Zuwachs des Angebots nicht. Ihm liegen kaum neue Entdeckungen zugrunde. Die Existenz der Felder ist weitgehend bekannt. Häufig gelingt es, die Förderung mit neuen Techniken zu steigern. Ein typisches Beispiel hierfür ist das sogenannte Fracking, bei dem Rohöl unter Anwendung zerstörender mechanischer und unterstützender chemischer Behandlung aus Vorkommen geholt wird, die man früher nicht angefasst hätte. Ähnlich sieht es bei der Gewinnung von Rohöl aus Ölsand aus. In beiden Fällen sind die Aufwendungen hoch. Die Förderung lohnt sich erst, seit die Ölpreise ihren langjährigen Seitwärtstrend nach oben verlassen haben. Das war um 2003 der Fall. Im Irak kommt man billiger an das schwarze Gold. Dort gibt es noch unangetastete Vorkommen der ersten Art, bei der das Öl nach Anbohrung quasi von allein zutage tritt. Solche Vorkommen sind mittlerweile rar, weil sie weitgehend ausgebeutet sind. Nach einer solchen ersten Ausbeutung befinden sich immer noch 80 Prozent des entdeckten Öls im Feld. Die nächste Phase der Förderung, bei der die aufwendige Technik ins Spiel kommt, erlaubt Ausbeutungsraten von 30 bis 40 Prozent. In einigen alten Industrieländern arbeitet man an Methoden, die die Ausbeutungsrate auf über 60 Prozent erhöht. Die sind selbstverständlich noch teurer.

Die Anstrengungen haben den Erfolg, dass die Reichweite der verfügbaren Ölreserven heute so hoch ist wie nie zuvor. Dabei sinken die Ressourcen. Diese merkwürdig klingende Formulierung beruht auf der unterschiedlichen Bedeutung der Begriffe. Reserven sind technisch und wirtschaftlich erreichbare Ölmengen. Je ausgefeilter die Technik und je teurer das Öl ist, umso höher können die Reserven sein, solange genügend Ressourcen zur Verfügung stehen. Sie sind der Grundstock, den die Erde zu bieten hat. Seine ursprüngliche und aktuelle Menge ist weitgehend bekannt. Die Kenntnis darüber ändert sich seit Jahren unwesentlich. Sie ist eine Sache der geologischen Wissenschaft. Die Reserven sind eine Sache von Ingenieuren und Betriebswirten. Reserven können auch noch steigen, wenn bereits die zweite Hälfte des vorhandenen Öls verbraucht wird. Steigende Reserven führen bisweilen zum Trugschluss, dass alle Endlichkeitsaussagen zum Öl obsolet seien. Sie sind es nicht.

Wirkliche Überraschungen gibt es auch hinsichtlich des Verbrauchs nicht. Dass dieser in den Wachstumsländern, die entweder über eigene Ressourcen oder über hohe Außenhandelsüberschüsse verfügen, wächst, liegt auf der Hand. Dass er in den alten Industrienationen mit spärlichen Wachstumsraten und hohen Schulden sinkt, ist angesichts steigender Ölpreise ebenfalls naheliegend.

Überraschen kann in dem Spiel nur die Börse und das täglich neu. Hier spielt Öl als physische Ressource kaum eine Rolle. Hier regieren die wachsenden Geldmengen, die Geschäfts- und Notenbanken laufend schöpfen. Sie verteuern den Ölpreis weit über das realwirtschaftlich begründbare Maß hinaus. Heute Morgen werden die unerwarteten Gewinne von gestern reduziert. Aus einem kleinen Anfang kann durchaus mehr werden. Einen regelrechten Einbruch sollte man aber nicht erwarten. Dazu fehlt die notwendige Panik an den Börsen. Für die gibt es derzeit weder Grund noch Zeichen. Die Tonne Gasöl kostet 928 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,62 Dollar und in London zu 107,40 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 78,23 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zeigen sich fast unverändert. Das ist angesichts des Anstiegs an den Börsen keine Selbstverständlichkeit. Ursache ist eine Reduzierung der recht üppigen Margen, die Industrie und Handel derzeit im Binnenmarkt einfahren. Mit ein wenig Margenflexibilität werden Börsenschwankungen geglättet. Kurzfristig befinden sich die Heizölpreise in einem Abwärtstrend. Von ihm sollte man keine großen Einsparungen erhoffen. Mittelfristig ist nach wie vor ein schwacher Aufwärtstrend gültig. Demzufolge sind Preisbewegungen auf Basis des aktuellen Marktumfelds recht enge Grenzen ausgesetzt. Im Verlauf des Winters über den Jahreswechsel hinaus sehe ich etwas mehr Spielraum für nachgebende Preise. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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