Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Das Öl geht aus

In den letzten Tagen wurde das Ende des Öls gehandelt. Die Preise erreichten sensationelle Rekorde. Nach Meinung eines Meinungsmachers, der Investmentbank Goldman Sachs, wird der Preis munter weiter steigen. Das kann sein. Das muss aber nicht sein. Die Aussage ist spekulativ, insbesondere weil sie die Zukunft betrifft (Anleihe bei John Maynard Keynes). Viele Ölmarktbeobachter sehen die bullische Einstellung durch Zahlen bestätigt. So wurden am Freitag von mehreren Ölfeldern der Nordsee rückläufige Lieferzahlen gemeldet. Russland verkündete vor Kurzem sein Peak Oil. Die EIA (Statistikbüro des US-Energieministeriums) weist für das letzte Jahr bereits eine weltweite Unterdeckung bei Angebot und Nachfrage von 0,8 Mio. Barrel pro Tag aus. Es scheint evident zu sein, das Öl geht aus. Nicht Spekulation sondern purer Mangel treibe den Preis.

Die Zahlen, die wie ein sicherer Beleg aussehen, sind weder neu noch besonders belastbar für eine aktuelle Darstellung des Ölmarkts. Im Fall der Nordsee und Russlands sind es alt bekannte Informationen. Eine temporäre Unterdeckung bei Angebot und Nachfrage ist ebenfalls keine neue Erscheinung. Diese muss kein Zeichen für ein natürliches Ende des Ölzeitalters sein. Das größte Problem des Marktes ist seine Erkenntnis verschleiernde Zahlenflut. Sie bietet der Spekulation eine hervorragende Grundlage. Weil keine Zahl sicher ist, wird die Preisbildung von Spekulation beherrscht. Ein simples Beispiel für den äußerst beschränkten Sinn von Zahlen wird Woche für Woche mit den Informationen zu den US-Lagerbeständen geliefert. Zwei Institutionen berichten über einen scheinbar simplen Vorgang des Erfassens von Zu- und Abgängen in ein paar tausend Tanks der zivilisierten Welt. Das kann eigentlich nicht schwierig sein. Dennoch fallen die Zahlen zu ein und dem selben Vorgang mit hoher Regelmäßigkeit unterschiedlich aus. Die nächste Demonstration wird morgen gegeben.

In ihrer langfristigen Prognose geht die EIA von einer deutlich steigenden Ölproduktion aus. Darin ist das Jahr 2007 als besonders schwaches Produktionsjahr zu erkennen. Die Zahlen sind allerdings nicht konsistent mit anderen Zahlen der EIA. In ihrem jährlich erscheinenden Energy Book weist die BP für Mineralöl seit 1981 eine Unterdeckung von Angebot und Nachfrage aus. In einer Erläuterung erfährt der Leser, dass die größere Nachfrage u.a. diejenige für Bioethanol und Biodiesel beinhaltet. Alle Zweifel zu den dargestellten Zusammenhängen sind damit keineswegs ausgeräumt. Die von BP zusammengetragenen Zahlen, sie enthalten auch die verfügbaren Reserven, werden von verschiedenen Ländern und Institutionen eingeholt. Sie werden vom Herausgeber ungeprüft veröffentlicht.

Nun hat die Spekulation binnen fünf Jahren eine Vervierfachung des Rohölpreises geschafft. Dabei zog das Anstiegstempo Anfang letzten Jahres kräftig an. Die bisher höchste Geschwindigkeit wurde in den letzten Wochen erreicht. Dass diese Spekulation zu einem nachhaltig höheren Ölpreis führt, ist sehr wahrscheinlich. Trotz aller Zweifel an der Zahlenbasis zum Ölmarkt gilt die Möglichkeit als hoch, dass das Angebot langfristig nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann. Das wird zumindest dann der Fall sein, wenn bei der Nachfrage nicht massiv gegengesteuert wird.

Gegensteuern ist möglich. Das zeigt ein Blick in die Geschichte. Eine ähnliche Preissituation wie heute gab es in den 1970er Jahren. Damals kletterte der Preis in zwei Schritten innerhalb von sieben Jahren um das Achtfache. Die Politik reagierte relativ schnell. Durch einige Gesetze sorgte sie für eine Reduktion des Verbrauchs. Größere Wirkung zeigte allerdings das unpolitische Wirtschaftsleben. Der hohe Preis selbst drückte die Nachfrage. Die Wirtschaft erlahmte zunächst. Die weltweite Nachfrage schrumpfte binnen drei Jahren um zehn Prozent. In den USA sank die Nachfrage schnell um fast 20 Prozent. Der damalige Spitzenverbrauch aus dem Jahr 1978 wurde erst 20 Jahre später wieder übertroffen. In Deutschland sank die Nachfrage binnen fünf Jahren um 24 Prozent. Der höchste Verbrauchswert von 1979 wurde nie wieder erreicht. Heute ist die Nachfrage immer noch 23 Prozent geringer als 1979 und das, obwohl das Land durch die Wiedervereinigung um 25 Prozent gewachsen ist. In der gleichen Zeit ist die Wirtschaftsleistung und der Wohlstand deutlich gestiegen. Probleme bereitet allerdings die Verteilung von Wohlstand. Das Ende der Sparsamkeit beim Energieverbrauch ist lange noch nicht erreicht. Mit neuen Techniken ist die nächste Revolution möglich. Hierfür gibt es vielfältige Beispiele.

Der Preis ist damals übrigens als Folge des geringeren Verbrauchs gegenüber der Spitze um weit mehr als die Hälfte eingebrochen. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Geschichte teilweise wiederholt. Das kann sogar trotz der Annahme, dass Öl das Fördermaximum überschritten hat, passieren. Und es scheint weniger schwierig zu sein, als es derzeit aussieht. China wird nicht ewig ein Nachfragewachstum im Stil der letzten Jahre haben. Aktuell wird ein Rückgang der Rohöleinfuhren von 3,8 Prozent gegenüber April 2007 genannt. Aber selbst wenn Chinas Bedarf weiter steigt, kann sich Großes tun, wenn die USA Großes tun. Sie haben mit ihrem Verbrauch, 24 Prozent der Weltnachfrage, die Hebel in der Hand. Sie können so weitermachen und am steigenden Preis ersticken. Oder sie können den Verbrauch um realistische 25 Prozent senken. Das entspräche einem weltweiten Rückgang von sechs Prozent. Damit wären die Möglichkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft. Dennoch wäre das ein Maßstab, der in viele anderen Ländern Folgen erwarten ließe.

Fazit: Die Preise sind spekulativ aufgetrieben. Die Spekulation wird durch die Realität eingeholt. Die Preise werden wahrscheinlich weiter steigen, bis ein die Wirtschaft lähmender Zenit gefunden ist. Durch eine Effizienzrevolution können Höhe und Zeitpunkt dieses Zenits verschoben werden.

Gestern und heute Morgen bestimmt der Rückgang der Rohölimporte nach China die Preise. Sie sind deutlich gesunken. Die Tonne Gasöl kostet 1.169,00 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 124,20 Dollar.

Unsere Heizölpreise geben nach. Gemessen am Anstieg der letzten Zeit ist der Effekt gering. Ob er größer wird, wagen wir derzeit noch nicht zu prognostizieren. Charttechnisch wäre ein größerer Rückgang immerhin fällig. Der langfristige Preisanstieg steht allerdings nicht in Frage. Damit bleibt die einzig sinnvolle Möglichkeit dagegen anzuwirken, eine deutliche Verbrauchssenkung. Hilfe und Verständnis zum eigenen Heizenergieverbrauch finden Sie hier: esytrol.

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