Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Dem Volk zum Gefallen

Nun soll sie also abgeschaltet werden, die Atomkraft, in Deutschland, nach heutiger Beschlusslage, binnen elf Jahren, mit einer Notreserve von einem Meiler. Der Mehrheit der Deutschen wird die Entscheidung gefallen. Darum ist sie gefallen. Dass die handelnden Politiker auch gefallen, darf indes bezweifelt werden. Das Volk erwartet Vorteile. Niedere Instinkte zu bedienen, ist jahrhunderte alte politische Praxis. Das Volk erwartet aber auch Führung und das besonders in Zeiten, die Veränderung brauchen. Politik, die auf Gefallen zielt, ist führungslose Politik. Sie ist so beliebig wie die Mode. Ein Gesellschaftskonzept zu haben und damit politisch zu scheitern, trägt mehr zur Fortentwicklung einer demokratischen Gesellschaft bei als die permanente Wendebereitschaft. Letztere will Joberhalt aber nicht Gesellschaftsgestaltung. Kulturprägend sind beide Haltungen.

Weil die Beliebigkeit das aktuelle politische Programm ist, wird das letzte Wort in Sachen Atomkraft noch nicht gesprochen sein. Man stelle sich nur vor, wie der Berliner Apparat reagieren wird, wenn im kommenden Winter ein elektrischer Blackout eintreten würde, der Millionen Haushalten einige Stunden heizungs- und fernseherloses Dasein aufzwingen würde. Dass die vier großen Atomkonzerne einen solchen Vorfall billigend in Kauf nehmen würden, liegt auf der Hand. Die Atomdebatte würde wiedereröffnet werden.

Unsere Gesellschaft braucht keine Atomdebatte. Neues wird zum Thema ohnehin nicht offenbart. In den letzten Wochen intensiver Kommissionsarbeit wurden keine Argumente und keine Sachverhalte zu Tage befördert, die nicht mindestens fünfundzwanzig Jahre bekannt sind. Vielleicht brauchte die Berliner Politik die Erinnerungsarbeit. Unsere, wie auch viele andere Gesellschaften brauchen Konzepte zum Umgang mit endlichen Ressourcen, einer begrenzt CO2-aufnahmefähigen Atmosphäre, aus dem Ruder gelaufenen Finanzsystemen und ein Gegenprogramm zur Ungleichverteilung von zweifellos vorhandenem Reichtum auf dieser Erde. Wie unfähig die Menschheit geworden ist, um all ihren Mitgliedern die Chance auf ein einigermaßen auskömmliches Dasein zu ermöglichen, wird in den Regionen mit dem stärksten Wirtschaftswachstum besonders deutlich. In China und Indien, am Persischen Golf und in Nordafrika wachsen nicht nur die Wirtschaft und die Zahl der Milliardäre. Dort wächst auch die Armut. Und es wächst der Wille zur umstürzenden Veränderung.

Grundlage eines auskömmlichen Lebens moderner Prägung ist der Zugang zu Energie. Öl war und ist der wichtigste Rohstoff. Danach kommen Kohle, Gas und Wasserkraft. Erst dann folgt die global unbedeutende Atomkraft. Das Nutzen-Gefahren-Verhältnis ist bei ihr besonders hoch. Nicht viel besser sieht es bei der Kohle aus. Beide Energieträger sind Grundlage der Elektrizitätswirtschaft in vielen Industrieländern. Beide Energieträger müssen dringend ersetzt werden. Die Alternativen hierzu sind Wasserkraft, die in einigen Ländern lange schon einen hohen Anteil hat, und Windenergie, deren Bedeutung weltweit wächst. Sonnenenergie wird in Ländern unserer Breitengrade, anders als von der Bevölkerung gewünscht, keine große Rollen spielen. Ihr mangelt es hierzulande an Energiedichte. Anderswo auf der Erde wird ihre Bedeutung deutlich größer sein.

Kein Land der Erde hat ein langfristig tragfähiges Konzept, das Menschen die für ihre Entwicklung benötigte Energie liefert, ohne ihren Lebensraum zu zerstören. Ein solches Konzept ist nicht ausschließlich eine Frage des Angebots. Es betrifft mindestens so stark die Nachfrage und damit das Verbrauchsverhalten der Menschen. Es wird kein tragfähiges Konzept geben, das ohne Kulturwandel auskommt. Um ein zukunftsweisendes Energiekonzept zu schreiben, müssen wir die Frage beantworten, die der Berliner Politikbetrieb nicht stellen will, die Frage wie wir zukünftig leben wollen.

Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, ein solches Konzept zu schreiben und zu realisieren. Die Zeit, die uns zur Verfügung steht, ist die Restlaufzeit von Öl und Gas. Beide Rohstoffe haben den Zenit der Verfügbarkeit annähernd erreicht. In ein paar Jahren werden sie Knappheitstendenzen zeigen. Der dann einsetzende Streit über den Fortgang unserer Gesellschaft dürfte für die Menschen erheblich einschneidender sein, als die Atomdebatte. Bereits heute sind Klagen über die Ölpreise zu hören. Die werden lauter werden. Damit sie nicht in Aufruhr münden, muss das Konzept zum zukünftigen Umgang mit Energie auf den Tisch. Die Forderungen nach elektrischen Limousinen und Hochspannungsleitungen haben damit herzlich wenig zu tun. Beide stellen nur eine Fortschreibung des Status Quo dar. Das reicht nicht aus. Im Übrigen gibt es Elektromobilität längst in Form der Eisenbahn. Und das elektrische Netz der postindustriellen Gesellschaft braucht mehr Intelligenz statt mehr Leitungen. Anderswo in Europa, z.B. in Finnland und Großbritannien ist man in dieser Angelegenheit innovativer als hierzulande.

Beim Ölpreis probt man heute Morgen wieder einmal die skizzierte Tendenz zur Knappheit. Diese ist noch keine Realität. Real ist nur das überschüssige Geld, das in Ölpapiere fließt, und den Preis in die Höhe treibt. Die Tonne Gasöl kostet 967 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,93 und in London zu 116,14 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,39 Eurocent.

Unsere Heizölpreise hielten seit dem letzten Mittwoch das Niveau. Nun droht ihnen ein erneuter Anstieg. Ungeachtet der realen Marktverhältnisse heizen Finanzjongleure dem Preis kräftig ein. Da die globale Konjunktur diese Attacke nicht ertragen wird, dürfte sie früher oder später in einem erneuten Preiseinbruch münden. Dass dabei tiefere Heizölpreise herauskommen als heute, ist allerdings unwahrscheinlich. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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