Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Die Finanzkrise kehrt zurück

Gestern drehten die Ölnotierungen bemerkenswert stark abwärts. Am Ölmarkt tat sich, wie so oft, nichts Nennenswertes. Konjunkturzahlen gaben ebenfalls nur die Schwäche wieder, die schon hinlänglich bekannt ist. Ursächlich für die Verluste war die Stimmungslage in der Finanzszene. Die nahm sich der Europroblematik in einer Weise an, als sei sie das erste Mal mit ihr in Kontakt gekommen. Da es auch hierzu nichts fundamental Neues zu berichten gibt, wird heute der Versuch unternommen, den Kern der Geld- und Finanzproblematik allgemein verständlich zu skizzieren. Die speziellen Probleme der letzten Jahre lassen sich alle auf ihn zurückführen.

Grundlage jeder Wirtschaft ist die Schuldverschreibung. Mit ihrer Erfindung vor mehreren tausend Jahren befreite sie den Handel zwischen zwei Personen vom bilateralen Warentausch. Das war hilfreich, da nicht davon auszugehen ist, dass beide Handelspartner über eine Ware verfügen, die der jeweils andere haben will. Wahrscheinlicher ist, dass in einem bestimmten Moment nur einer der beiden Handelsleute über ein gefragtes Produkt verfügt. Indem der Schuldschein handelbar ist, beflügelt sein Kreislauf den multilateralen Warenfluss.

Wer einen Schuldschein ausstellen kann, hat Kredit, das heißt, ihm wird geglaubt. Glauben an seine Werthaltigkeit ist die Basis für Kredit und Kredit ist die Basis allen Wirtschaftens jenseits des archaischen Tauschprinzips. Wenn der Schuldschein seinen Emittenten wiedererreicht, wird er gestrichen. Die Grundlage für den Warenfluss entfällt. Damit wird deutlich, dass es ohne Schulden keine Wirtschaft geben kann. Diese einfache Beschreibung widerlegt übrigens die politische Aussage vom Schuldenabbau über Wirtschaftswachstum. Er kann nicht funktionieren.

Geld ist ein standardisierter Schuldschein. Es wird per Kredit geschöpft. Dafür sind in erster Linie Geschäftsbanken zuständig. Dieser Satz mag überraschen. Die Geldschöpfung wird im Allgemeinen den Zentralbanken zugeschrieben. De facto stellen die aber nur das Bargeld und die Mindestreserve. Bis in die 1980er Jahre bildete das Zentralbankgeld in Deutschland immerhin rund die Hälfte der Zahlungsmittelmenge (Geldmenge M1). Seit über 20 Jahren steigt die von den Geschäftsbanken geschöpfte Geldmenge. Ihr Anteil an der Zahlungsmittelmenge ist mittlerweile größer als 80 Prozent.

Die Zahlungsmittelmenge gilt als „Schuldverschreibungsbasis“ der Wirtschaft, genauer gesagt der Realwirtschaft. Hiermit ist die Warenwirtschaft einschließlich der dafür benötigten Dienstleistungswirtschaft gemeint. Aus ihr entsteht materieller Wohlstand. Die über die Geldschöpfung der Geschäftsbanken gestiegene Zahlungsmittelmenge dient einerseits der in den Jahren gewachsenen Realwirtschaft als „Flussmittel“, andererseits bewirkt sie Inflation. Zum größten Teil dient sie aber der Finanzwirtschaft selbst. Mit ihr wird spekulatives Investmentbanking betrieben. In anderen Worten, die Geldschöpfung der Geschäftsbanken dient dem Zweck aus Geld Geldvermögen zu generieren.

So befeuert ist das gesamte Geldvermögen in Deutschland mittlerweile über siebenmal so groß wie die Zahlungsmittelmenge und mehr als dreimal so groß wie das BIP. Klassische Spareinlagen mit einer Laufzeit unter zwei Jahren haben nur einen Anteil von zehn Prozent am Geldvermögen. Da die Geldschöpfung per Kredit geschieht, wuchsen und wachsen die Schulden mit dem Geldvermögen gleichermaßen und zwar exponentiell.

Die Realwirtschaft wächst hingegen seit vielen Jahrzehnten linear. Sie benötigt zur ordnungsgemäßen Funktion eine Zahlungsmittelmenge von ungefähr fünf bis sieben Prozent des heutigen Geldvermögens. Fügt man eine ähnliche Menge als Eigenkapital und die klassische Spareinlage als Alterssicherung hinzu, ist ein stabiles Geldvermögen beschrieben, das im Einklang mit der Realwirtschaftsleistung steht. Es beträgt ungefähr ein Viertel des heutigen Geldvermögens.

Die dem exponentiellen Vermögensaufbau zugrunde liegenden Modelle können nicht dauerhaft wirken, wenn sie einen Bezug zur viel schwächer wachsenden Realwirtschaft haben. Die Begründung folgt im nächsten Absatz. Ein nicht in der Realwirtschaft abbildbarer Vermögensaufbau erfüllt aber nicht den ihm zugedachten Zweck, das Vermögen nach Belieben nutzen zu können. Das Gros des nominellen Geldvermögens muss daher als nicht werthaltig angenommen werden. Es ist aus Schneeballsystemen der Finanzwirtschaft entstanden, die früher oder später kollabieren müssen. Der Kollaps kann nicht überraschen. Er ist in den finanzwirtschaftlichen Modellen angelegt. Wenn er nicht offensichtlich war, dann weil die Modelle nicht zu Ende gerechnet wurden. Die Finanzwirtschaft hat es geschafft, den ungezügelten Aufbau nicht werthaltigen Vermögens zu einem Problem ganzer Volkswirtschaften zu machen. Sie drohen nun unter der Last zu versagen.

Das Missverhältnis zwischen Realwirtschaftsleistung und finanzwirtschaftlich gebildeten Geldvermögen konnte nur durch Entkopplung der beiden Systeme entstehen. Wenn die Vermögen nicht annulliert werden, dringen sie in die Realwirtschaft ein. Dort rufen sie Inflation hervor. Öl ist ein typisches Einfallstor der Geldvermögen. Es zeigt durch seine Preissteigerung, wie der Mechanismus wirkt. Es zeigt im Fall von Preiseinbrüchen auch, wie wenig der Preis mit dem physischen Wert der Ware zu tun hat. Nun wäre eine Inflation zur Vernichtung der überschüssigen Geldvermögen prinzipiell ein probates Mittel, um für Ruhe zu sorgen. Problematisch ist aber die Verteilung der Vermögen. Über 90 Prozent der Bevölkerung wäre bei Anwendung der Inflationsstrategie arm und von der Marktteilnahme ausgeschlossen. Die Realwirtschaft bräche zusammen. Dadurch würden die Geldvermögen endgültig annulliert. Zuvor würde aber sämtlicher Besitz durch die kleine vermögende Bevölkerungsschicht übernommen. Die Geschichte wäre um 400 Jahre zurückgedreht. Damit sei der Exkurs ins Prinzipielle beendet.

Heute Morgen ist noch nicht ersichtlich, ob die Finanzszene weiterhin panisch ist. Die Ölnotierungen fahren leichte Gewinne ein. Das muss keine Tagestendenz sein. Die Tonne Gasöl kostet 920,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 88,58 Dollar und in London zu 103,84 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 82,62 Eurocent.

Unsere Heizölpreise erlebten gestern einen ordentlichen Rutsch abwärts. Sie wurden von den Ölnotierungen getrieben. Der steigende Dollar nahm einiges an Dynamik heraus. Gleichwohl blieb eine im Prinzip vielversprechende Bewegung übrig. Ob das nun aber schon die Preisumkehr war, die der exzessive Anstieg der Notierungen zwangsläufig herbeiführen wird, wagen wir zu bezweifeln. Es empfiehlt sich, den Markt eng zu verfolgen, um eventuelle Kaufchancen nutzen zu können. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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