Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Europa ist besser als der Euro

Mit etwas Verzögerung geschieht das Erwartete. In Brüssel einigen sich die Verhandlungsparteien auf ein Maßnahmenpaket zum Umgang mit dem Finanzdesaster. Als Reaktion darauf ziehen Aktien- und Ölnotierungen an. Der Dollar verliert an Wert. Weil Öl nach Veröffentlichung der neuen US-Bestandsdaten billiger wurde, bleibt der Preis bisher im Rahmen des zuletzt erreichten Niveaus.

Die Rohölvorräte legten in der abgelaufenen Woche erheblich zu. Die Heizölvorräte sanken nennenswert. Bei Benzin ist keine klare Tendenz in der Lagerhaltung zu erkennen. Die Tendenz lässt sich hingegen für den Verbrauch angeben. Er sank auf den niedrigsten Wert seit 13 Jahren. Den Amerikanern vergeht offensichtlich die Lust am Autofahren. Dieser Umstand macht eine bemerkenswerte Veränderung in der Gesellschaft deutlich. Nichts deutet darauf hin, dass diese Veränderung in Kürze zum bisher zelebrierten Konsumismus zurückgedreht wird. In Zahlen ausgedrückt lauten die Erhebungen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) wie folgt:

Rohöl: +4,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,0 (DOE) bzw. ein Aufbau von 1,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf 85 Prozent. Insgesamt befinden sich die Vorräte auf einem ausgewogenen Niveau. Starke Überhöhungen sind abgebaut. Bis zum Jahresende dürfte ein weiterer Rückgang erfolgen. Er hat steuerliche Gründe. Im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt sind die USA ausgezeichnet mit Öl versorgt. Diese Tatsache und der Umstand, dass die Infrastruktur nur einen Zufluss von Rohöl nicht aber seinen Abfluss zulässt, drückt den Preis für WTI (Texas-Öl) deutlich unter das Niveau der vergleichbaren Sorte Brent (Nordsee-Öl). Hingegen können Heizöl, Diesel und Benzin sowohl in die USA hinein- als auch aus dem Land heraustransportiert werden. Die Produkte sind vollständig in die weltweite Ölversorgung integriert. Deshalb sind ihre Preise in den USA und in Europa annähernd gleich. Die außerordentlich gute Ölversorgung der USA ist der sinkenden Nachfrage und der in den letzten Jahren gestiegenen Ölförderung in Nordamerika zu verdanken.

Weltweit ist die gegenwärtige Ölversorgung gesichert. Es gibt ausreichende Reservekapazitäten, um Krisen überbrücken zu können. Gleichwohl führen technische und politische Probleme immer wieder zu Engpasssituationen. Die Kosten für die Ölförderung steigen kontinuierlich, weil die Beschaffung des Rohstoffs technisch anspruchsvoller wird. Vollkommen abwegig ist es, das gültige Wachstumsparadigma der Wirtschaft mit den vorhandenen Ölreserven aufrecht zu erhalten. Ohne die Abkehr von diesem Paradigma ist die fortwährende Teuerung des Rohstoffs gleichsam ein Naturgesetz.

Dieses „Gesetz“ untermauert den Widerspruch der Gegenwart. Er besteht darin, ein außer Kontrolle geratenes Finanzsystem mit der Vorgabe hoher Wachstumsraten der Wirtschaft stabilisieren zu wollen. Heute wird das Geld für eben diese Stabilisierung aufgewendet, das morgen noch verdient werden muss. Es kann nur verdient werden, wenn die Wirtschaft wächst. Die uns bekannte kapitalintensive Wirtschaft kann nur wachsen, wenn ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen, aus denen Werte generiert werden können, die weit über den lebensnotwendigen Bedarf der Menschen hinausgehen. Die Ressourcen sind aber begrenzt. Knappheit ist erkennbar. Deshalb sind die Schulden, die heute gemacht werden, morgen nicht rückzahlbar. Sie bauen sich zu einer unüberwindbaren Last auf. An dem Widerspruch ist das römische Imperium zugrunde gegangen. Die EU, die USA und nicht zuletzt China werden daran ebenfalls zugrunde gehen.

Es macht keinen Sinn, im Rahmen des Widerspruchs zu handeln. Sinn macht es hingegen, nach Lösungen zu suchen, die den Menschen heute und morgen dienen. Im alten Europa gibt es ausgezeichnete Voraussetzungen, solche Lösungen zu finden. Die Region kann ihre Menschen ernähren und ihnen ausreichend Energie für ein angenehmes Leben geben. Im Norden hat diese Region Öl, Gas, Kohle, Wasser und Wind. Im Süden hat sie Sonne satt. Sie leidet nicht an Übervölkerung. Bei richtiger Verteilung ist genug für alle da. Voraussetzung ist, dass das angenehme Leben mit Maß definiert wird. Die Zahlen, mit denen heute im Geld- und Finanzsystem gehandelt wird, sind maßlos. Maßlos sind auch die Wachstumsvorstellungen, mit denen diese Zahlen gerechtfertigt werden.

Europa ist viel besser als die Verträge, mit denen die Gemeinschaft definiert wurde und die permanent von ihren Mitgliedern gebrochen werden. Europa ist auch viel besser als seine dilettantisch eingeführte Währung. Nichts ist abwegiger als der Satz „Stirbt der Euro, stirbt Europa.“ Das Gegenteil wird der Fall sein. Wer Europa will, muss das Währungsexperiment beenden. Denn es kostet die Zukunft der Europäer.

Über diese Zukunft macht man sich heute Morgen im Finanzzirkus keine Gedanken. Dort handelt man die Ergebnisse des medialen Spektakels der letzten Nacht. Aktienkurse fliegen in die Höhe. Öl wird teurer. Die Tonne Gasöl kostet 1.007,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,14 Dollar und in London zu 110,84 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 71,39 Eurocent.

Unsere Heizölpreise halten das Niveau. Die Veränderung der Öl- und Dollarnotierungen verlaufen im Gegentakt als fast ausgeglichenes Nullsummenspiel. Das kann sich kurzfristig ändern. Die Wahrscheinlichkeit für steigende Heizölpreise ist durch die finanzpolitischen Maßnahmen der EU gewachsen. Das Risiko der Maßnahmen wird über kurz oder lang aber wieder auf die Agenda der Börsen kommen, so dass das Preisniveau mittelfristig vermutlich wenig Veränderung erfahren wird. Wer sich zur Spekulation auf niedrigere Heizölpreise hinreißen lässt, sollte sich kleine Einsparziele setzen, um nicht enttäuscht zu werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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