Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Frühling der Veränderung

Der IWF sprach und die Preise purzeln. Die gewichtigen Worte besagen sinngemäß, dass die Teuerung der Ölpreise die Wirtschaft abwürgen wird. Davon zeigt sich der Finanzzirkus offensichtlich betroffen. Der ultimative Preisanstieg wurde flugs kassiert. Es ist schön, dass das Naheliegende doch noch in die von Gier blockierten Denkbahnen der Finanzwelt eindringen kann. Gleichwohl sind Zweifel angebracht, dass es dort für dauerhafte Wirkung sorgen wird. So wie die Abkehr von der Atomwirtschaft der unnötigen Katastrophe von Fukushima bedurfte, wird das Ende der menschenverachtenden Finanzexzesse nicht ohne den Zusammenbruch des Finanzsystems zu haben sein. Der ist durch die IWF-Botschaft keinesfalls verhindert. In Kürze wird das Geld mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder zu höheren Ölpreisen drängen.

Das eigentlich Bemerkenswerte am vorgelegten Entwicklungsbericht des IWF ist die Abkehr vom Primat des Wirtschaftswachstums. Im Klartext heißt es, Wachstum sei zur Bekämpfung von Armut und Gewalt ungeeignet. Niemand soll sagen, dass in dieser Erkenntnis etwas Neues stecke. Sie ist mindestens so alt wie der Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums. Der kam 1972 heraus. Seit damals haben viele bekannte und unbekannte Menschen Respekt vor den Erkenntnissen der Wissenschaft gefordert. Vergebens. Die letzte bekannte Botschaft kam von Horst Köhler. Der war einmal Bundespräsident. Angela Merkel, die Nochbundeskanzlerin, widersprach ihm prompt. Für sie ist Wachstum der zentrale Gedanke ihrer Politik. Da die Frau Wende gelernt und zuletzt in der Atomfrage eindrucksvoll demonstriert hat, stehen die Chancen für einen weiteren fundamentalen Wechsel politischer Überzeugungen aber gut. Denn, und damit zurück zum IWF, offensichtlich dringt das bisher Undenkbare in die wesentlichen politischen Organe zur Steuerung des globalen Finanzsystems vor. Von dort wird die Botschaft auch ins Kanzleramt gelangen.

Drei Jahre nach dem Finanzdesaster und zwei Jahre nach der endgültigen Verweigerung, dieses als Zeichen für einen überfälligen Paradigmenwechsel in unserem Wirtschaftsverständnis zu begreifen, entwickelt sich unerwartet so etwas wie Aufbruchstimmung. In Ländern der arabischen Welt mit einem Wirtschaftswachstum von fünf Prozent und mehr begehren Völker auf, weil ihnen dieses Wachstum keinen Wohlstand bringt. Im wirtschaftsstärksten Bundesland unserer Republik werden die institutionalisierten Regierungsparteien abgewählt. Deutschland vollzieht von einem Tag zum anderen die seit Jahrzehnten geforderte Wende in der Atompolitik. Im technologiegläubigen Japan entsteht eine Antiatomkraftbewegung. Und globalisierungskritische Ökonomen gewinnen zunehmend an Einfluss. Die Politik menschlicher Überheblichkeit, die das Beherrschen von Natur, Technik und Wirtschaft postuliert, steckt in einer schweren Krise. Sie könnte sogar fallen. Meinungen, die eine Abkehr vom Gedanken des alles Beherrschbaren fordern, sind auf dem Vormarsch. Damit einher geht eine Neubewertung der Menschheitsgefährdung durch die globale Finanzwirtschaft, durch die Atomwirtschaft und durch das Wirtschaften, das Klima und Umwelt vergiftet. Der homo consumens erinnert sich an den homo sapiens.

Angesichts der Veränderung darf man davon träumen, dass Rohstoffe eines Tages vom Joch exzessiver Finanzspekulation befreit werden und dass die Rettung des Klimas nicht an den Börsenhandel mit CO2-Kontrakten gebunden wird. Denn damit würde unser Klima genauso verschachert werden wie die Ernährung des ärmeren Teils der Weltbevölkerung zugunsten weniger Finanzjongleure. Aber vielleicht brauchen wir ja diese geldgierige Truppe, um uns von einem ökonomischen Irrweg durch exponentielle Teuerung der Rohstoffe abzubringen, ehe diese Rohstoffe zu Ende gehen. Das ungleich verteilte Geld sollten wir uns nach erfolgreicher Veränderungstat selbstverständlich zurückholen, falls es dann überhaupt noch etwas wert ist.

Wer in Kürze Heizöl kaufen muss, sollte die Ergebnisse der erörterten Thematik keinesfalls zur Grundlage seiner Entscheidung machen. Die Zeithorizonte der Veränderung dürften nicht mit denen des notwendigen Heizölkaufs übereinstimmen. Momentan befinden sich die Preise in einem kurzfristigen Niedergang. Der brachte gestern relativ viel Veränderung. Angesichts des vorausgegangenen Anstiegs bleiben die Preise dennoch absolut gesehen hoch. Heute Morgen ist eine Gegenbewegung zum Abwärtslauf entstanden. Dass die bereits das Ende des Preisrückgangs darstellt, ist noch nicht erkennbar. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 1.039,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 109,48 und in London zu 123,75 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 69,32 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben deutlich nach. Der jüngste Anstieg wird dadurch annulliert. Am hohen Gesamtniveau ändert der aktuelle Preissturz indes nichts. Es sieht auch nicht so aus, als stünde eine entscheidende Änderung vor der Tür. Zwar rechtfertigt die Versorgungslage deutlich tiefere Preise. Die Möglichkeiten und die Interessen der Finanzindustrie sprechen allerdings dagegen. Trotz einer akuten Verunsicherung steht diese Industrie derzeit kraftvoll da. Das ist die wesentliche Ursache für die überhöhten Heizölpreise. Sie wird aus heutiger Sicht noch länger andauern. Deshalb empfiehlt es sich, jede kleine Schwäche der Preise für einen Kauf zu nutzen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab.

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