Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Friedman und die Spekulanten

Die Wirtschaftsdaten sind besser als vor einem Jahr. Das wäre Grund genug, an den Börsen ein Feuerwerk zu veranstalten und die Ölpreise in die Höhe zu jubeln. Nach den Exzessen der letzten 15 Monate erwartet man kaum etwas anderes. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Finanzjongleure lausige Konjunkturzahlen zu Gewinnerdaten umdeuten. Fassungsloses Staunen über die Wertentwicklung von Finanzmarkttiteln gehört zu unserem Alltag. Immerhin rechtfertigt es das beliebte Spekulanten-Bashing. Aber irgendwie gibt sich die Finanzszene heute zahmer, teilweise nachdenklich, als sei sie auf ein Problem gestoßen. Mit Imagepolitur hat das nichts zu tun. Den Kursen tut die neue Zurückhaltung aus Konsumentensicht auf alle Fälle gut.

Ohne Zweifel geht uns die Preistreiberei der Finanzindustrie auf die Nerven und ans Portemonnaie. Dafür müssen sie unseren Zorn ertragen. Dass sie der Kern der Krise sind, in der sich mindestens die alten Industriegesellschaften befinden, sollten sie sich allerdings nicht nachsagen lassen. Die Ursachen liegen tiefer als bei ein paar durchgeknallten Spekulanten. Auf der Suche nach den Ursachen stößt man zunächst auf Milton Friedman, den Gottvater der freien Märkte und der Finanzszene. Er, der Vorkämpfer des Neoliberalismus und Nobelpreisträger, genießt allgemeine Anerkennung für eine Erkenntnis, die er nach dem Studium von Zahlen über Keynesianische Wirtschaftspolitik gewonnen hatte. Diese besagt, dass staatliche Eingriffe in konjunkturelle Entwicklungen mit dem Ziel, diesen die Schwankungsspitzen zu nehmen, also Abschwünge zu Ungunsten von Überhitzungen zu verhindern, nicht funktionieren, ja sogar kontraproduktiv sind. Die als Medizin gedachten staatlichen Hilfsmaßnahmen haben zudem die unvermeidbare Nebenwirkung von Inflation. Aus dieser Erkenntnis entwickelte Friedman eine Wirtschaftsphilosophie, die mit Ronald Reagan und Maggie Thatcher einen kraftvollen Eingang in Politik und Gesellschaft erhielt. Der Kern seiner Philosophie ist die Drosselung staatlicher Ausgaben zur Stimulation von Nachfrage. Notwendige Anpassungen an wirtschaftliche Veränderungen werden durch Kostendruck erreicht. Die Wirtschaft wird durch billigere Produkte und Dienstleistungen beflügelt. Zur Verhinderung von Liquiditätsstaus durch Zurückhaltung finanzieller Mittel erhält der Finanzmarkt totale Freiheit für die kreative Nutzung des Finanzkapitals. Die Konsequenz dieser Philosophie liegt auf der Hand. An den Finanzmärkten geschieht das, was wir in den letzten Jahren gesehen haben, nämlich der Versuch des grenzenlosen Wachstums. Staaten können Bildung und soziale Leistungen aufgrund weg brechender Steuern als Folge des Kostendrucks nicht mehr ausreichend bedienen. Um soziale Härten dennoch aufzufangen, werden sie in die Überschuldung getrieben.

So grausam sich die Konsequenz anhört, so richtig ist die eingangs zitierte Erkenntnis von Milton Friedman, dass staatliche Regulierung der Wirtschaft kontraproduktiv ist oder zumindest sein kann. Diese Erkenntnis ist für einen Ingenieur oder Physiker geradezu eine Binsenweisheit. Sie gehört zum Basiswissen der Regelungstechnik. Regelungstechnik ist die Lehre von den geregelten Prozessen. Unter Regelung versteht man im Gegensatz zur Steuerung ein Vorgehen, bei dem Veränderungen der Zielgröße zur Eingangsgröße zurückgeführt werden, um einen bestimmten Effekt auf die Zielgröße zu erreichen. Die Steuerung kennt keine Rückführung oder Rückkopplung. Dass Rückführungen problematisch sein können, ist bekannt. Wenn sie für das System ungeeignet gestaltet sind, können sie zum Kollaps führen. Die Art der Rückführung ist häufig nicht naheliegend. Mit Hilfe wissenschaftlicher Durchdringung der Probleme entwickelte man bereits im letzten Jahrhundert ein breites Instrumentarium, das sichere Regelungen erlaubt. Diese Wissenschaft ist natürlich nicht auf die Wirtschaft übertragbar, da letzte sozialer Natur ist. Dabei ist der Beobachter, anders als in der Naturwissenschaft, Teil des Systems und somit nicht objektiv. Trotz dieser Schwierigkeit sind Erkenntnisse der Regelungstechnik auf die Wirtschaft übertragbar, nämlich mindestens diese: Keine Regelung in Form staatlicher Eingriffe ist gegebenenfalls besser als die unter Keynesianischer Wirtschaftspolitik vorgenommenen. Das heißt aber nicht, dass es keine bessere Regelung gibt. Man muss sie suchen. Aus der Nichtregelung eine weltumspannende Philosophie zu machen, ist gerade zu absurd.

Neben der Friedmanschen Wirtschaftsphilosophie der total entfesselten Märkte gibt es einen weiteren Grund für exzessive Entwicklungen an den Finanzmärkten. Dieser liegt im Zinssystem, dass per se exponentielles Wachstum des Finanzkapitals erzeugt. Dieses Wachstum kann die Wirtschaft der Güter und Dienstleistungen nicht mitgehen. Deshalb muss es von Zeit zu Zeit zum Crash kommen. Das geschah im letzten Jahrhundert in Deutschland gleich dreimal. Unter den bekannten Wirtschaftswissenschaftlern der letzten Jahrhunderte haben sich nur sehr wenige mit der Frage des Zinssystems beschäftigt. Ein fast in Vergessenheit geratener Vordenker ist Silvio Gesell. Seine Arbeiten wurden von John Maynard Keynes außerordentlich geschätzt. Gleichwohl nahm sich Keynes genauso wenig der Zinsproblematik an, wie viele hervorragende Geister vor ihm. Für die heute brennenden Probleme des Klima- und Umweltwandels, der zur Neige gehenden Ressourcen und der tendenziell kollabierenden Finanzsysteme gibt es keine umfassende Entsprechung in der wirtschaftsphilosophischen Geschichte. Wir müssen die Probleme in ihrer Gesamtheit neu durchdringen, um Lösungen zu finden. Allenfalls können alte Meister Ansätze zur Lösungsfindung beitragen.

Und nun kommt noch der Beitrag zum Ölpreis. Dieser dümpelt heute Morgen wie gehabt vor sich hin. Die Aufwärtstendenz ist außerordentlich schwach. Sie scheint sich wieder dem Abwärts zuzuwenden. Das wird allerdings auch kaum kraftvoll geschehen. Die Tonne Gasöl kostet 638,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,84 Dollar. Der US-Dollar kostet 82,13 Eurocent. Die Stärkte des Aufwärtstrends beim Dollar ist übrigens auch dahin.

Unsere Heizölpreise geben etwas nach. Es ist durchaus möglich, dass sie wieder moderat abwärts tendieren. Eine solche Tendenz stünde bemerkenswerterweise den aktuellen Wirtschaftszahlen entgegen, die seit einiger Zeit tatsächlich positiv sind. An diese Zahlen ist typischerweise die Erwartung eines wachsenden Ölverbrauchs geknüpft. Womit erneut deutlich wird, dass Ölpreisentwicklung und plausible Erwartungen nicht zwangsläufig zusammenfallen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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