Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Und was ist mit Peak Oil?

Internationaler Markt

Die Ölpreisentwicklung verläuft seit Monaten erstaunlich unaufgeregt. Finanzjongleure orakeln fast nur noch über Sein oder Nichtsein von Geldspritzen der Notenbanken. Knappheit beim Öl ist kein Thema mehr. Versuche, mit dem Syrienkrieg oder dem iranischen Atomprogramm Engpassängste zu schüren, muten sehr konstruiert an. Da liegt die Frage nahe, war Peak Oil nur eine Medienente?

Der auffälligste Widerspruch der gesamten Peak Oil Debatte war und ist die Entwicklung der Ölreserven. Bei dieser Sonderklasse der Ölressourcen handelt es sich um die wirtschaftlich förderbaren Mengen, die derzeit zur Verfügung stehen. Ihre Verfügbarkeitsdauer ist mit deutlich über 55 Jahren so lang wie nie zuvor in der Geschichte der industriellen Ölnutzung. Die Ölressourcen sind die in der Erde gebundenen Mengen, über deren Förderbarkeit man noch nichts weiß. Es besteht kein Zweifel daran, dass in den nächsten Jahren weitere Ressourcen in Reserven überführt werden. Das lässt sich in technologiegetriebenen Zeiten gar nicht verhindern. Der Mensch ist nicht zuletzt ein Schatzsucher, der immer einen Weg findet, an den Stoff der Begierde heranzukommen.

Die Peak Oil These ignoriert die Schatzsuchermentalität. Sie geht davon aus, dass die Technik der Ölförderung hinreichend erarbeitet wurde. Die klassische Ölfördertechnik nennen wir heute konventionell. Mit ihr lässt sich ein Ölfeld bis zu einem Viertel seines Gehalts ausbeuten. Der Rest muss im Boden bleiben, weil er in Sand und Gestein gebunden ist. Würde sich der Mensch damit zufriedengeben, wäre Peak Oil heute tatsächlich überschritten. Weil der Mensch aber mehr will, entwickelt er immer neue Methoden, um weiterer Ölmengen habhaft zu werden. Eine der letzten Kreationen ist das in die Schlagzeilen geratene Fracking. Es gab schon vor dem Fracking unkonventionelle Fördermethoden und es wird weitere Techniken geben, die über das Fracking hinausgehen. Den berühmten letzten Tropfen Öl werden sie alle nicht aus dem Boden holen. Die Peak Oil Debatte findet also in einer künstlich reduzierten Industrielandschaft statt, die technische Entwicklungen ausblendet. Heute stellt sich kaum noch die Frage, wann geht das Öl aus? Heute müssen wir fragen, wie viel Ölverfeuerung verträgt unser Lebensraum?

Wer es weniger moralisch haben möchte, findet einen anderen Umstand, der unser auf Öl basiertes Lebensmodell ins Wanken bringt. Öl, wie andere fossile Ressourcen der Erde auch, ist hoch gebundene Energie. Menschen verstehen es, diese zu ihrem Vorteil zu nutzen. In einem Barrel Öl steckt ungefähr die Energie, die ein körperlich hart arbeitender Mensch in einem Jahr aufbringt. Hierzulande verbrauchen wir gut elf Barrel Öl pro Jahr und Person. Das heißt in anderen Worten, jeder Deutsche lässt elf fiktive Menschen allein für sich arbeiten. Das sind königliche Verhältnisse. Die muss man sich leisten können. Wir können uns die leisten weil Öl billig ist. In der Vergangenheit kostete die Förderung fast nichts und die Raffinierung wenig. Uns stand die Energie des Öls oder der elf äquivalenten Arbeiter quasi zum Nulltarif zur Verfügung. Dass zehn oder zwanzig Dollar für ein Barrel Öl quasi nichts sind, zeigt das Äquivalent mit den elf Arbeitern. Als Lohn läge der Betrag weit unter der Armutsgrenze des ärmsten Lands der Erde.

Im Laufe der Zeit muss immer mehr Aufwand für die Förderung des Öls betrieben werden. Die elf Arbeiter arbeiten nicht allein für uns. Sie arbeiten zu einem immer größeren Teil für das Öl selbst, das uns den aufwendigen Lebensstil ermöglicht. Dadurch sinkt unser gewohnter Lebensstandard. Das Wachstumsmodell der Wirtschaft wird zwangsläufig zu einem Schrumpfungsmodell. In den letzten Jahren hat man versucht, das Schrumpfen durch ein wachsendes Schuldenmodell wieder umzukehren, ohne sichtbaren Erfolg. Mit unfassbaren Krediten hat man allenfalls einen wirtschaftlichen Stillstand erreicht. Erfolge wurde hingegen bei der Ölförderung erzielt. Das ist nicht erstaunlich. Schließlich werden immer mehr fiktive Arbeiter in dem Sektor eingesetzt. Es ist absehbar, dass das gegenwärtige Wirtschaftmodell in einer fernen Zukunft darauf hinausläuft, nur noch für die Förderung von Öl und anderen Rohstoffen zu arbeiten. Am Ende ist es sinnvoller, den täglichen Lebensunterhalt ohne Öl zu erwirtschaften. Wissenschaftlich wird die Betrachtung unter dem Kürzel EROI geführt. Es steht für Energy Return of Invest. Derzeit ist der EROI von Öl übrigens noch erheblich größer als von regenerativer Erzeugung.

Stillstand ist nicht nur im Wachstumsmodell der Wirtschaft zu beobachten. Stillstand ist auch die Lage an den Ölbörsen. Nach dem flotten Abgang am Freitag gab es gestern einen Anstieg. Die Gründe dafür sind unerheblich. Die Tonne Gasöl kostet 853,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 92,90 Dollar und in London zu 101,72 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,53 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise fallen im Bundesdurchschnitt wieder unter die Marke von 80 Cent pro Liter bei 3.000 Liter Liefermenge. Dieser Umstand ist aktuell dem schwachen Dollar zu verdanken. Die Ölbörsen gaben etwas anderes vor. Der Binnenmarkt lässt den Rückgang zu. Er ist zwar belebt aber nicht belastet. Deshalb bleiben Margen und Preise zurückhaltend. Spannend ist die Frage, ob Heizöl unter den Preis des Vorvorjahres fallen wird. Kurzfristig sieht die Chance dazu gut aus. Insgesamt wird es aber wohl auf eine Entwicklung entlang der 24 Monate alten Preise hinauslaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Nigerias Öllieferungen auf Vier-Jahres-Tief
Einige kleine Infrastrukturstörungen
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea
Notenbankgeld fließt noch locker

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: OECD und IWF senken Wachstumsprognosen
EIA-, OPEC- und IEA-Monatsberichte
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Sehr viel Öl am Markt
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik ungewiss

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