Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Geldüberfluss schlägt Ölüberfluss

Internationaler Markt

Sie machen es schon wieder, die Finanzjongleure. Sie treiben die Ölpreise trotz der überversorgten Marktlage in die Höhe. Die Angst, einen Preisanstieg als Reaktion auf den gewaltigen Rückgang während der letzten Monate zu verpassen, ist obsessiv. Da wird nicht mehr Öl, sondern Angst gehandelt, Angst als Loser der Finanzszene dazustehen.

Begleitet wird der Anstieg von ein paar freundlichen Konjunkturzahlen aus den USA und Deutschland, von einer Lockerung der chinesischen Geldpolitik und von Meldungen über Angriffe auf libysche und nigerianische Öleinrichtungen. Das klingt nach einem bullischen Strauß von Argumenten. Dem stehen eine neue Rabattrunde für Rohöl gegenüber, die Saudi Arabien für Märzlieferungen nach Asien auslobt, Rekordwerte der Ölbevorratung rund um den Globus und eine Überversorgung des Markts um circa zwei Prozent. Die Zahl gilt allgemein als Inbegriff des Überflusses. Dazu kann man eine andere Meinung haben, wenn man Störungen als Normalität in komplexen Systemen begreift. In diesem Punkt könnte man Finanzjongleuren, die den Markt plötzlich nicht mehr bärisch sehen, die Hand reichen, wenn man ihnen überhaupt etwas reichen wollte. Mit den zum bersten vollen Lagern als Störungspuffer im Hintergrund hat sich das Verständnis für ihre Logik dann aber doch erledigt.

Die Finanzszene beschäftigt sich also im Wesentlichen mit sich selbst und nicht mit dem realen Ölmarkt. Das ist das Ergebnis einer unfassbaren Geldproduktion der Notenbanken, die nach 2008 über uns hereinbrach. Heute Morgen setzt sich der bullische Lauf beim Öl fort, den kaum jemand verstehen kann, der nicht einmal in den Wahnsinn des Börsenhandels hineingerochen hat. Der Dollar bleibt, passend zu dieser Logik, auf Gegenkurs. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 546,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 51,83 Dollar und in London zu 57,49 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8731 Euro . Damit kostet der Euro 1,1453 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise drehen schon wieder aufwärts. Sie folgen dem neuen Trend, wie im 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu erkennen ist. Es sieht derzeit nicht so aus, als sollte der Preisanstieg ein launisches Intermezzo von wenigen Tagen bleiben.

Im Binnenmarkt geht die Bestellfreude nun spürbar zurück. Der Handel ist darüber im Augenblick nicht traurig, da er sehr hart gefordert wird. Die hohen Orderzahlen der letzten Wochen und vermehrt auftretende Eilbestellungen führen vielerorts zu längeren Lieferzeiten.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht nur noch auf einem mittleren Wert. Wesentlich verantwortlich für die Absenkung ist die erneut steigende Hoffnung auf tiefere Preise. Sie wurde vom gestrigen Preisrückgang beflügelt.

Gemäß der Lesereinschätzung erwarten fast dreiviertel aller Teilnehmer den Preisrückgang. Die Meinung dürfte sich heute als Folge der tatsächlichen Preisentwicklung wieder ändern. Die Handelsidee „tiefere Preise im Verlauf des Winters“ ist nicht vollkommen abwegig. Sie ist aber, wenn sie klappen sollte, mit dem zwischenzeitlichen Ertragen von schlechten Kaufmomenten verbunden. Das verursacht unangenehme Stimmungen.

Eine Bestätigung für die Handelsidee steckt möglicherweise in unserem mathematischen Tiefpreis-System. Es gibt derzeit keine Kaufsignale. Man kann das mutig sehen und vertrauensvoll auf das nächste Signal warten. Es kommt bestimmt. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Preise nicht unbedingt nahe. Nach Lage der Dinge am realen Markt könnte Heizöl im weiteren Verlauf des Winters zwar noch einmal billiger werden. Der tiefe Fall der Ölpreise zieht aber immer mehr Bullen an, die einen Preisanstieg unbedingt mitmachen wollen. Sie wirken mit ihrer Geldmacht gegen den Realmarkteinfluss.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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