Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Heute wenigstens nicht teurer

Internationaler Markt

Die Börsen in New York und London bleiben heute geschlossen. Der für die Ölpreisbildung relevante Ost-West-Konflikt hat am Tag nach der Präsidentenwahl in der Ukraine Pause. Die Europawahl spielt in diesem Zusammenhang ohnehin keine Rolle. Hierin kommen Weigerung und Unfähigkeit europäischer Politik zum Ausdruck, in großen Fragen Position zu beziehen. Solche Fragen sind die Emanzipation von den USA sowohl geo- als auch geldpolitisch und die Definition zukünftiger europäischer Ziele am Ende der Nachkriegsphase, in der die Entwicklung von Frieden und Wohlstand im Zentrum allen Handels stand. Heute wird es also keine Preistreiber im Öl geben. Der Tag ist geeignet, einen Kommentar über die Einbettung der politischen Akteure des Ost-West-Konflikts in ihre jeweiligen Gesellschaften zu schreiben.

Das Thema kann man auf unterschiedliche Weise angehen. Ich habe es mit Hilfe einiger Daten aus dem Fundus von Weltbank und IWF getan. Sie reichen von 2000 bis 2012. Neuere Daten gibt es noch nicht für alle Länder gleichermaßen. Neben den Hauptmächten Russland, USA und EU (hier nur die Euro-Zone) habe ich Daten für Deutschland und China hinzugezogen, um den Kontext zu erhellen.

Ganz oben auf der Liste klassischer Indikatoren einer Volkswirtschaft steht das Wirtschaftswachstum. Von den drei Hauptmächten des Ost-West-Konflikts fällt dieses im Mittel im betrachteten Zeitraum am besten für Russland aus. Ein deutlich höheres Wachstum hat lediglich China zu bieten. USA, EU und Deutschland stehen schlechter da. Für die meisten Menschen ist die Entwicklung des persönlichen Einkommens bedeutender als die des ganzen Staates. Russen stehen dabei ganz oben gefolgt von Chinesen, den EU-Bürgern und Deutschen. Ganz miserabel sieht die Lage für US-Bürger aus. Dabei spielt es keine Rolle ob mit oder ohne Inflation gemessen wird. Diese ist in Russland am höchsten. Allerdings nimmt sie dort, im Gegensatz zu den anderen Ländern, kontinuierlich seit 2000 ab.

Unter den genannten Ländern führt die Weltbank nur für Russland einen Armutsindex. Auch dieser verbessert sich kontinuierlich seit dem Jahr 2002. Für die USA und die EU kann man allenfalls ahnen, dass hier eine gegenläufige Entwicklung stattfindet. Aus anderen Messungen ist bekannt, dass sich die soziale Schere in fast allen Ländern der Erde immer weiter öffnet. Es ist keineswegs so, dass Russland in dieser Frage am besten dasteht. Die Ungleichverteilung von Wohlstand ist dort definitiv hoch. Die wenigen Daten, die es dazu gibt, deuten an, dass die USA die geringste Wohlstandsgerechtigkeit aufweisen, eng gefolgt von China und Russland. Deutschland liegt in dieser Kategorie deutlich vorn, allerdings mit negativer Tendenz wie alle anderen Länder auch. In Russland gibt es darüber hinaus weniger Arbeitslose als in der EU und in den USA. Der Grad an Arbeitslosigkeit ist mit dem Deutschlands vergleichbar. Lediglich China steht hier besser da.

Aus den Daten wird deutlich, dass der materielle Lebensalltag für Russen klar hinter unserem Standard liegt, dass er sich aber seit 2000 besser als in allen anderen genannten Ländern entwickelte. Da dieser Umstand für die meisten Menschen wichtiger ist als intellektuelle Freiheiten und Freiheiten der Lebensform, liegt der Schluss nahe, dass Putin unter den in Betracht kommenden Mächtigen im eigenen Volk die höchste Anerkennung genießt. Diese wird durch die russische Propagandamaschinerie gefestigt. Die Blaupause für die schillernde Kommunikation findet der Herrscher im Westen. Westliche Politiker lassen sich mit dem aktuellen Ost-West-Konflikt also auf eine Auseinandersetzung ein, die sie aus demokratischer Perspektive nicht gewinnen können, weil sie ihr Volk nicht ansatzweise so hinter sich wissen wie der Russe. Kluge Menschen führen keine Schlacht, die sie nicht gewinnen können.

Die Legitimation einer politischen Linie durch das Volk ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für ihren Erfolg. Staaten müssen über die Fähigkeit verfügen, ihre Politik durchzusetzen. Davon handelt die Fortsetzung der Denkanstöße morgen.

Heute Morgen geben die Ölnotierungen im volumenschwachen elektronischen Handel nach. Das ist eine erste Reaktion auf die als geglückt bezeichneten Präsidentenwahlen in der Ukraine. Der Auftakt kann durchaus eine Tendenz des Tages sein. Trendtauglich ist er wahrscheinlich nicht. Eine Schwalbe macht schließlich noch keinen Sommer. Die Tonne Gasöl kostet zur Stunde 908,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,97 Dollar und in London zu 109,83 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3621 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich momentan kaum. Damit folgen sie den Vorgaben der Öl- und Dollarnotierungen. Diese verhalten sich gegenläufig. Im Laufe des Tages sind freundlichere Börseneinflüsse denkbar. Die Nachfrage im Binnenmarkt ist weiterhin außerordentlich schwach. Die üblichen Rabatte in den Heizölpreisen stellen keinen Kaufanreiz dar. Unser mathematisches Tiefpreis-System liefert eine gleichlautende Aussage. Dennoch stellen wir fest, dass die Preise nicht wirklich schlecht sind. Sie befinden sich nach wie vor auf einem tiefen Niveau im Vergleich mit identischen Momenten der letzten drei Jahre. Unsere Leser haben ihre Hoffnung auf günstigeres Heizöl deutlich gedämpft. Uns geht es genauso. Der vorsichtige Wahloptimismus heute Morgen verkennt die explosive Situation in der Ostukraine. Sie lässt die Grundlage für die Bestätigung der kurz- und mittelfristigen Abwärtstrends schwinden. Von uns gibt es derzeit keinen Aufruf zur Spekulation auf tiefere Preise, weil wir die Wahrscheinlichkeit für einen anhaltenden Rückgang als zu gering einschätzen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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