Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Hinterm Haushaltstreit geht’s weiter

Internationaler Markt

Das US-Haushaltstheater zieht die Aufmerksamkeit der Finanzszene auf sich. Die Komödie ist spannend inszeniert. Ausdruck findet das in emotionalen Entladungen an den Börsen. Medien und Öffentlichkeit sehen in dem Stück eine Tragödie. Damit werden allerdings Ursache und Erscheinung fehlerhaft wiedergegeben.

Die politische Inszenierung lässt ohne Zweifel die Würde der Institutionen und die Fähigkeit zur Diplomatie vermissen. Das geht bisweilen ins Komische. Tragisch ist es nicht. Die Tragödie hat tiefere Ursachen. Sie begann vor einigen Jahrzehnten mit der Akzeptanz, Finanzvermögen und Schulden (deren Summe immer annähernd Null ergibt) schneller wachsen zu lassen als die Werte realer Waren und Leistungen. In anderen Worten, das Wachstum der Finanztitel übertrifft das Wachstum der Realwirtschaft. Diese Politik wurde von allen Parteien und Staaten der alten Industrieländer betrieben. Insofern ist ein Streit über den oder die Verursacher allenfalls komisch, aber in keiner Weise zielführend zur Überwindung einer Situation, die offensichtlich in ein noch nicht genau beschriebenes Verderben führt. Sie lässt sich ungefähr so charakterisieren: Viele Menschen häufen große Schulden an, die sie nicht als die ihren identifizieren. Ihre Existenz manifestiert sich in latent sinkenden Gemeinschaftsleistungen (Bildung, Infrastruktur, langfristige Renten, Konjunktur, etc.). Wenige Menschen häufen große Vermögen an, deren Besitz sie aufgrund ihres Leistungsbegriffs als verdient ansehen. Dieses Grundmuster setzt sich wie bei einem Monopoly-Spiel bis zur Handlungsunfähigkeit der Mehrheit fort.

Im Jahr 2008 wurde das durchaus bekannte Problem offensichtlich. Da es keine „schöne“ Lösung für dieses Problem gibt, das versteht sich bei einer Tragödie von selbst, wurden Maßnahmen ergriffen, um den Schmerz zu lindern. So wurde die Geldbasis in den USA in wenigen Jahren verdreifacht, natürlich ohne ein auch nur annähernd adäquates Wirtschaftswachstum zu erzielen. Für die meisten Menschen bedeutet das eine Erhöhung ihrer, wie gesagt nicht als persönlich identifizierten, Schulden. Jeder, der einmal Monopoly gespielt hat, kennt sie Situation. Man hofft mit Hilfe des einen oder anderen Kredits über die Runden zu kommen, muss aber früher oder später einsehen, dass es kein Entrinnen vor der Zahlungsunfähigkeit gibt. Noch sieht man das in den USA und anderswo nicht ein. Noch hofft man, mit dem nächsten Kredit, zu deren Erteilung es der Anhebung der Schuldengrenze bedarf, das Spiel wenden zu können. Das ist zumindest die öffentliche Verlautbarung. Selbstverständlich ist vielen Protagonisten die Unauflösbarkeit der Tragödie längst bewusst.

Dass Finanzjongleure, die sich in der Gruppe der Vermögenden wähnen, die Fortsetzung des Spiels mit wilden Börsenbewegungen feiern, versteht sich von selbst. Es ist keine neue Qualität im Spiel. Die Zweifel an diesem Spiel werden aber auch und gerade in der Finanzszene wachsen. Dort stellt man längst die Frage, mit welchen Mitspielern man noch spielen kann. Deshalb wird die direkte Kreditvergabe mit all den bekannten Folgen heruntergefahren. Irgendwann wird selbst die x-te Anhebung der US-Schuldengrenze nicht ausreichen, um einen Sinn im Spiel zu erkennen. Dann wird das virtuell aufgeblasene Finanzvermögen verschwinden. Das klingt wie eine schöne Lösung. Es ist aber eine tragische Lösung. Denn große Teile der Renten- und Pensionsversprechen verschwinden dann auch.

Nach diesem für die kurzfristige Bewegung der Ölpreise relevanten Ausflug in die Welt des Theaters folgen nun ein paar Hinweise auf die physische Lage des Marktes. Die ist weit besser als ihr Ruf und anders als die Börse dies derzeit widerspiegelt. Die USA werden nach Hochrechnungen der IEA (Internationale Energie Agentur) im kommenden Jahr dank ihres Fracking-Booms ungefähr elf Mio. Barrel Öl pro Tag fördern. Damit werden sie Russland als Nummer Zwei der potentesten Förderstaaten überholen. Darüber hinaus ist bereits absehbar, dass sie bald ihre Höchstleistung von 11,2 Mio. Barrel pro Tag aus dem Jahr 1972 übertreffen werden. Dieses Jahr gilt als Beweis für die Peak Oil Theorie. Sie muss bereits heute neu geschrieben werden.

Im Iran schlummern große Mengen Rohöl in Lagern, die aufgrund des Embargos nicht auf den Markt gebracht werden konnten. Außerdem gibt es aus demselben Grund eine Reservekapazität von fast einer Mio. Barrel pro Tag. Im Fall einer Einigung im Atomstreit, die mit dem neuen Präsidenten gewisse Erfolgschancen hat, würden die Mengen auf den Markt gelangen. Eine spürbare Wirkung auf die Ölpreise gilt als sicher.

Russland will mit der Öl- und Gasförderung in der Arktis beginnen. Die Erschließung soll zu Kosten von unter zehn Dollar pro Barrel möglich sein. Die ersten Mengen werden allerdings noch gering ausfallen. Sie werden das russische Angebot um gut ein Prozent erhöhen. Weit größere Mengen erwartet man aus den nun ebenfalls beginnenden Fracking-Aktivitäten. Das Volumen entsprechender Vorkommen übersteigt das der USA um ein Vielfaches. Es ist gut möglich, dass auch Russland den 1987 erreichten Oil Peak übertreffen wird.

Diese und andere Meldungen über das reale Marktgeschehen sollten die Ölpreise in den nächsten Jahren mindestens stabil halten. Ich halte einen Rückgang sogar für möglich. Heute Morgen ist davon nichts zu erkennen. An den Börsen regiert weiterhin das US-Haushaltstheater mit tendenziell steigenden Kursen. Niemand geht derzeit davon aus, dass das Ende des oben skizzierten Spiels mit diesem Stück eingeläutet wird. Die Tonne Gasöl kostet 940,15 Dollar. Die Tonne Gasöl kostet 940,15 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,20 Dollar und in London zu 110,89 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,74 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Die Bewegung kommt nicht von den Börsen. Die Bewegung kommt aus dem Binnenmarkt. Die Nachfrage ist zwar belebt. Sie ist aber anscheinend geringer als die Vorlieferanten diese eingeplant hatten, sodass sie auf Marge verzichten müssen, um ihre Mengen in den Markt zu bekommen. Die weiteren Aussichten sind durchwachsen. Das Haushaltstheater wird ein wenig Preisanstieg bringen. Danach gibt es aber durchaus Chancen auf etwas tiefere Preise. Die sind im Vergleich zur Vergangenheit heute wirklich gut. Aktuell befinden sie sich auf dem Niveau, das sie vor zwei Jahren hatten. Diese Tatsache sollte Verbraucher, die die Spekulation ablehnen, zum Kauf ermuntern. Wer es hingegen risikoreich mag, wird vermutlich bald noch günstiger kaufen können. Verfolgen Sie die Entwicklung eng. Neben dieser Internetseite steht Ihnen dazu unsere Smartphone-App zur Verfügung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: China importierte im September unerwartet viel Öl
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Iran und USA werden über Atomprogramm reden
Libyen hat Teile der üblichen Lieferungen wieder aufgenommen
Irak hat neues Ölfeld in Betrieb genommen
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen