Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Nicht billig aber freundlich

Öl wird nicht teurer. Das verhindert die Wirtschaftkrise. Viel billiger wird es aber auch nicht. Das verhindert die Finanzkrise. Klingt unlogisch, weil die Finanzkrise als Ursache für die Wirtschaftskrise gilt. Wenn die Finanzkrise die Wirtschaft abwürgt und diese Nachfrage und Preise sinken lässt, wie kann denn die Finanzkrise den Fall dieser Preise blockieren? Sie kann es, weil das Angebot sinkt. Das sinkt unter anderem durch steuernde Eingriffe der OPEC. Die sind allerdings irrelevant, weil sie jederzeit umkehrbar sind. Das nicht verkaufte Öl liegt schließlich nach wie vor zum Verkauf bereit in den Lagern. Als Lager kann man auch ein intaktes Ölfeld ansehen. Preisrelevant wird die Angebotsverknappung hingegen, wenn sie auf versiegende Lager zurückzuführen ist. Und dieser Umstand ist gegeben. Man kann ihn exemplarisch an Großbritannien, Norwegen und ganz prominent an Russland beobachten. Aber auch die OPEC-Länder sind nicht frei davon. Für diese Länder ist der Erkenntnisgrad lediglich geringer. Das heißt aber nicht, dass die Probleme der Ölförderung geringer sind. In jedem Fall gilt, dass die Ölfelder Hege und Pflege erfordern. Und das umso mehr, je älter sie sind. Man muss das Leben der wenigen alten Riesen und vielen kleinen Zwerge, die die Gesamtmenge des von uns benötigten Öls zu Tage bringen, mit immer teurerer Technik verlängern. Aber selbst die lebensverlängernden Maßnahmen reichen nicht aus, um unseren Bedarf in wenigen Jahren zu decken. Neue Felder müssen erschlossen werden. Das alles kostet Geld. Geld das als Folge der Finanzkrise nicht zur Verfügung steht. Also steht ein ausreichendes Angebot in Frage. Und diese Infragestellung hält den Ölpreis hoch.

Wieso hoch? Der Ölpreis ist doch gerade tief gefallen. Rohöl verlor innerhalb einiger Monate fast Dreiviertel seinen Wertes. Heute kostet es ungefähr soviel wie im Jahr 2004. Gas Oil und Heating Oil kosten etwas mehr. Gleiches gilt für unser Heizöl. Stimmt, aber bereits 2004 galt Öl als teuer. Es kostete damals doppelt soviel wie fünf Jahre zuvor. Heute ahnen wir, dass das als teuer empfundene Öl damals nicht teuer war, wenn man seine dauerhafte Verfügbarkeit als Beurteilungsmaßstand einbezieht. Man darf allerdings fragen, wie es um diese dauerhafte Verfügbarkeit stünde, wenn das in den letzten Jahren gut verdiente Geld nicht in windige Finanzgeschäfte mit gewaltigen virtuellen Gewinnen sondern in reale Sachanlagen auf Ölfeldern mit weniger gewaltigen realen Gewinnaussichten gesteckt worden wäre. Die Antwort ist einfach. Sie lautet, viel besser. Und unserer Wirtschaft ginge es auch viel besser.

Wo ist all das Geld geblieben, das beispielsweise Russland mit Öl und Gas verdiente? Es ist nicht mal ein Jahr her, dass die Denker und Lenker dort vor Stärke strotzten. Die Kassen des Staates und der mehr oder weniger staatlichen Energieunternehmen waren voll. Gazprom-Boss Miller orakelte über einen Ölpreis von 250 Dollar pro Barrel und einen Wert seiner Firma von einer Billion Dollar. Heute kostet Gazprom 80 Milliarden Dollar, das sind 92 Prozent weniger als in Millers Phantasie. Beim Ölpreis schlägt die Realität nur mit minus 84 Prozent zu. Das sind große Differenzen. Sie betreffen den Preis. Der hat immer noch etwas Virtuelles. Die Förderung kennt kleinere Differenzen. Die sind ganz real. In diesem Jahr wird das Minus zwischen drei und sieben Prozent liegen. Ursächlich ist nicht, dass Russland nicht mehr Öl fördern will, sondern dass Russland nicht mehr Öl fördern kann. Die Löcher geben nicht mehr her. Das Geld für neue Löcher fehlt nun an allen Ecken und Enden. Vor ein paar Monaten verfügte man noch über Devisenreserven von 600 Milliarden Dollar. Als Wirtschaft und Rubel zu trudeln begannen, versuchte man, sie mit viel Geld zu stabilisieren. Es gelang nicht. Nun sind nur noch Devisen von 380 Milliarden Dollar und ein gewaltiger Schuldenberg vorhanden. Geld, das für Öl- und Gasprojekte gebraucht wird, wurde verbrannt. Die Lage ist so ernst, dass Russland mit dem ungeliebten Nachbarn China kooperieren muss. Die Chinesen verfügen über liquide Mittel, die Russen über Energie. Die Interessen passen notgedrungen zusammen. Die Bedingungen des Geschäfts werden allerdings nicht mehr von russischer sondern von chinesischer Stärke geschrieben. Kenner errechneten, dass China bei einem auf 20 Jahre angelegten Geschäft mit Russland Öl für 20 Dollar pro Barrel bekommt. Das sind dann wieder 92 Prozent weniger als Miller träumte. Dass 20 Dollar ein für den freien Markt realistischer Preis sind, darf allerdings bezweifelt werden.

Nicht im Sinne der guten Hausfrau wirtschaftete nicht nur Russland. Auch hierzulande muss man an besagter Tugend zweifeln. Energie wird bald alles andere als üppig zur Verfügung stehen. Gleichwohl gibt der deutsche Staat 70 Prozent weniger Geld für Energieforschung aus als in der ersten Hälfte der 1980er Jahre. Damals befand man sich übrigens in der Abschwungphase nach einer vorausgegangenen Ölpreisexplosion. Wenn dem Staat die Weitsicht fehlt, muss der Bürger ran. Da er in kaum nennenswertem Stil Energie erzeugen kann, muss er den Energieverbrauch verringern. Das ist die intelligente und hierzulande praktikable Alternative zur Angebotsentwicklung. Die mittelfristigen Preisaussichten, die kaum höhere vielleicht sogar tiefere Ölpreise erwarten lassen, verschaffen einen finanziellen Spielraum für entsprechende Maßnahmen, vorausgesetzt der Spielraum ist nicht bereits der Finanzkrise zum Opfer gefallen.

Gestern wurde wieder hart an dem Spielraum gearbeitet. Die Preise gaben teilweise um zehn Prozent nach. Heute Morgen ist die Bewegung gebremst. Sie könnte in den nächsten Tagen aber weitergehen. Die Tonne Gasöl kostet 352 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 40,66 Dollar gehandelt. Der Dollar ist immer noch auf dem Sprung in einen Aufwärtstrend. Noch springt er nicht. Er kostet 79,01 Eurocent.

Unsere Heizölpreise sind als Folge des gestrigen Abgangs am Weltmarkt gefallen. Sie sind schon wieder nahe an einem neuen Tief. Das lockt Kunden. Ihre Tanks können das Heizöl nach dem, oder vielleicht sogar immer noch in dem, kalten Winter vertragen. Der Verbrauch war in den letzten Monaten deutlich höher als in den zurückliegenden Wintern. Das ist die Zeit, in der man mit besser gedämmten Gebäuden, als sie derzeit im Durchschnitt üblich sind, viel Öl und Geld sparen kann. Damit Sie einschätzen können, was für Ihr Gebäude möglich ist, empfehlen wir Ihnen unser Tool www.esytrol.com.

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