Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Optimismus ist Feigheit

Mit dem Ölpreis wird Aufschwung zelebriert. Weit deutlicher als die Aktienindizes gibt der Wertanstieg von Rohöl die Stimmung an den Finanzmärkten wieder. Seit Monatsbeginn riss es die Preise der beiden relevanten Rohölsorten WTI (West Texas Intermediate) und Brent (Nordseeöl) um über 20 Prozent in die Höhe. Europäisches Gasöl und amerikanisches Heizöl verteuerten sich ähnlich stark. Demgegenüber legte der Dow Jones um kaum sieben Prozent zu. Selbst der Index der großen Wirtschaftserwartung, der Shanghai Composite schaffte nur ein Plus von neuen Prozent. Er liegt aktuell deutlich unter seinem Sommerhoch. Begründet wird der bullische Lauf stereotyp mit positiven Erwartungen zur Konjunkturentwicklung. Aus allen Quellen kommt die Kunde, dass es deutliche Signale für eine Erholung gebe. Derartige Nachrichten werden seit Monaten gebetsmühlenhaft lanciert. Getreu der politischen Devise, dass Inhalte vom Volk dann verstanden sind, wenn ihre Botschaften so oft wiederholt werden, dass sie niemand mehr hören mag, verfahren Staatsbanken, Wirtschaftsministerien und mehr oder weniger wissenschaftliche Analysten derzeit im Punkto Konjunkturprognose. Wie bei der politischen gibt es auch bei der Wirtschaftsbotschaft keine Garantie auf sachliche Korrektheit des Inhalts.

Die Ölnachfrage spiegelt die positiven Konjunkturprognosen in keiner Weise wider. Nach wie vor steht Öl in den Lagern auf historischen Höchstständen. Das gilt besonders für die Heizölvorräte der USA. Es bedarf einiger kalter Winter, um die Bestände auf ein Durchschnittsmaß zurück zu führen. Gleichwohl rennt der Preis für Heizöl mit der Herde. Wir ließen uns über diesen Widerspruch bereits aus. Er ist für uns der deutlichste Beweis für die Entkopplung des Preises von seinem physischen Wert. Hier wird von verschiedenen Parteien auf ein für sie belangloses Papier gewettet, an das unglücklicherweise der Preis einer Ware gebunden ist, die zur Grundversorgung der Bevölkerung gehört. Gleiches geschieht andernorts auf der Welt mit Grundnahrungsmitteln. Dass das Treiben unmoralisch und für das Gros der Bevölkerungen schädlich ist, gilt als allgemeine Erkenntnis, der sich niemand verschließt, nicht mal die Protagonisten der Spekulation selbst. Das hindert sie nicht, ihr Tun fortzusetzen. Sie stehen unter Gruppenzwang. Stoppen lässt er sich nur durch politischen Zwang. Den gibt es nicht. Um die vor Monaten durchaus erfolgreich begonnenen Bemühungen von Gary Gensler und seiner Terminmarktaufsicht CFTC, den Papierhandel mit Öl zu limitieren, ist es sehr still geworden. Nicht zuletzt diese Stille darf als Ursache für die jüngste Ölpreisrallye angesehen werden. Entgegen aller Lippenbekenntnisse gibt es keinen ernst gemeinten politischen Willen, die Finanzmärkte an die Kette zu legen. So wie sie jetzt laufen, sind sie immerhin für den schönen Schein einer Volkswirtschaftsstatistik von Nutzen. Den wird kein Politiker einer Regierungsbank ramponieren wollen. Dass das wahre Sein dem schönen Schein nicht entspricht, wird als ein rhetorisches Problem gehandhabt, nicht als eine Frage der gerechten Gesellschaftsordnung.

Die Rhetorik vom Wirtschaftsaufschwung findet ihr leuchtendes Zentrum in China. Es gilt als das gelobte Land. Am chinesischen Wesen soll die Welt genesen. Das ist nicht mehr wie einst eine Wahnvorstellung einer einzigen Nation. Das ist common sense des Weltwirtschaftsdenkens. Die chinesische Wirtschaft läuft deshalb einigermaßen gut, weil sie durch staatliche Konjunkturprogramme gepäppelt wurde. Ohne diese Programme stünde es schlecht um sie. Und ohne den Staat kann sie noch nicht wieder auf eigenen Füßen stehen. Die Alternative zum Export, die Binnenkonjunktur, kommt nicht so in Gang, wie sich das die Vertreter der reinen Marktlehre vorstellen. Dass es noch keinen selbst tragenden Aufschwung gibt, äußern nicht nur Fundamentalkritiker der Wirtschaft sondern Volkswirte gewöhnlicher Bankhäuser.

Aufschwung wird von der IEA (Internationale Energie Agentur) und anderen Energiemarktbeobachtern diagnostiziert. Die Nachfrage nach Öl soll wieder steigen. So weisen sie es in ihren aktuellen Berichten aus. Erstaunlich ist diese Prognose nicht. Nach fünf Quartalen in Folge mit rückläufiger Nachfrage sollte sich ein Tief eingestellt haben. Trotz aller Schwierigkeiten wurde der Ölkonsum schließlich nicht eingestellt. Wenn ein Boden erreicht ist, ist ein Anstieg der Nachfrage ein gewöhnliches Ereignis. Diesen Anstieg bereits als Aufwärtstrend zu titulieren, passt aber doch eher zur Abteilung Wirtschaftspropaganda als zur sachlich korrekten Wirtschaftsbeobachtung. Die Propaganda ist im Falle der IEA natürlich gewollt. Sie verwendet diese, um auf die zu geringen Investitionen in Ölinfrastruktur aufmerksam zu machen, durch die sie die zukünftige Versorgung bedroht sieht. Der bereits vor der Finanzkrise eingetretene Widerspruch zwischen hohen Gewinnen und unzureichenden Investitionen in die Realwirtschaft setzt sich nach der Krise fort. Er ist sogar noch gewachsen. Da sich die Politik nicht an die Auflösung dieses Widerspruchs macht, kann er wohl nur durch einen erneuten Kollaps des Finanzsystems gelöst werden. Für gegenteilige Vorschläge sind wir offen. Hier ist Platz, diese zu präsentieren.

Heute Morgen geht der ganz normale Wahnsinn weiter. Die Ölpreise steigen. Da sie sich inzwischen in extrem dünne Luft vorgewagt haben, rechnen wir mindestens temporär mit einem Einbrechen. Eine Rückkehr zur Vernunft dürfte hingegen nur durch einen Schlag der Terminmarktaufsicht oder gegen den Konjunkturoptimismus möglich werden. Beides sehen wir derzeit nicht. Die Tonne Gasöl kostet 630,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 79,46 Dollar. Der US-Dollar wird zu 66,79 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Der Weltmarkt schiebt sie aufwärts. Der fallende Dollar hält den Anstieg immerhin einigermaßen im Rahmen. Die in Dollar gehandelten Preise zeigen hingegen Schwindel erregende Steigerungsraten. Im Binnenmarkt löst sich das Niedrigwasserproblem und die dadurch hervorgerufenen Preisunterschiede zwischen Nord und Süd nur langsam auf. Der Preissteigerungsdruck vom Weltmarkt hat mittlerweile einen größeren Einfluss auf die Preisentwicklung. Wir erwarten keinen glatten Durchmarsch zu höheren Preisen. Dass diese aber stärker steigen als wir das aus Angebots- und Nachfrageüberlegungen ableiteten, scheint unabwendbar zu werden. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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