Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Preise weiter aufwärts

Es war zu befürchten. Die US-Vorratsdaten bewegten die Märkte heftig. Mit einem Plus von über 5% beendeten die meisten Ölkontrakte den gestrigen Handelstag. Auslöser der Rallye waren unerwartet schlechte Daten über die US-Vorräte und winterliche Temperaturen im Nordosten der USA. Der Dollar nahm seinen Abwärtstrend wieder auf.

Die Temperaturen in wichtigen Heizölregionen der USA sind winterlich. Wohlgemerkt, von einer Kältewelle kann keine Rede sein. Aber das Winternormal reicht bereits aus, um vor dem Hintergrund knapper Heizölvorräte Versorgungsängste aufkommen zu lassen. Dass sich diese in den letzten Wochen verflüchtigten und zu deutlich rückläufigen Preisen führten, lag an überdurchschnittlich hohen Temperaturen. Sie hatten vollkommen entgegen der Jahreszeit nichts winterliches an sich.

Befruchtet von Prognosen über einen milden Winter entwickelte sich eine bärische Stimmung, die der irrationalen Hochpreisphase Mitte Oktober folgte. Die meisten Kommentare sahen weiter fallende Preise vorher. Nun zeichnen Langzeitprognosen ein kälteres Bild des bevorstehenden Winters. Das lässt die Stimmung abermals drehen. Jörg Kachelmann wird nicht müde, uns aufzuklären, dass Wetterprognosen allenfalls über einen Zeitraum von drei Tagen verlässlich sind. Diese Erkenntnis zugrunde gelegt lässt nur den Schluss zu, dass wettergetriebene Preise keinem Trend folgen können. Solange das Wetter regiert bleibt die Preisbildung irrational.

Sachlich begründeter sind Preisbewegungen, die der Vorratslage folgen. Diese wird durch Bestände in öffentlichen Tanklagern repräsentiert. Und um die steht es seit einiger Zeit schlecht, zumindest beim Heizöl. Mangelhafte Raffineriekapazitäten führen dazu, dass eines der Hauptprodukte Heizöl oder Benzin zum knappen Gut wird. Weil die Raffineure weit in den Herbst hinein Benzin kochten, konnte kein ausreichender Heizölvorrat für den Winter angelegt werden. Im Frühjahr kehrt sich das Spiel dann um. Benzin wird zur Mangelware. Abhilfe ist, wenn die Nachfrage es überhaupt zulässt, erst in einigen Jahren zu erwarten, nachdem neue Raffinerien in Betrieb gegangen sind.

Von den Heizölbeständen in US-Tanklagern nahm man an, dass sie sich endlich aus ihrem Tal herausbewegen. Einen Ansatz dazu zeigen sie seit Mitte November. Gestern wurde mit den Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) allerdings deutlich, dass die erwünschten Mengen nicht kommen.

Rohöl: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: 0,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,3 Mio. Barrel (API)

Die Summe über die Zahlen ist widersprüchlich. DOE nennt einen Bestandsaufbau von 1,4 Mio. Barrel, API nennt einen Bestandsabbau von 1 Mio. Barrel. Wie dem auch sei, der für die Jahreszeit so wichtige Heizölaufbau erfolgt nicht. Die Importe wurden gegenüber der Vorwoche gedrosselt. Heizöl wird allerdings in großen Mengen zugekauft. Die Raffinerieverfügbarkeit ist zurück gegangen.

Die enttäuschenden Zahlen führten zu heftigen Preisanstiegen. Unterstützt wurden sie durch Meldungen über die russische Yukos. Die Gesellschaft ist zum Ausverkauf freigegeben. Noch existiert sie, aber niemand weiß wie lange.

Der Preisanstieg wird als übertrieben angesehen. Mit Gegenreaktionen wird gerechnet. Vermutlich wird niemand ernsthaft bezweifeln, dass die Heizölversorgung für den Winter ausreicht. Im Dezember des Jahres 2000 sah es auch nicht besser aus, aber schließlich reichte es. Allerdings wurden für damalige Verhältnisse sehr hohe Preise erreicht.

Im Westen und Südwesten Deutschlands ist Heizöl knapp geworden. Tendenziell droht allen Landesteilen bis zum Jahreswechsel Knappheit. Ursache hierfür sind die große Nachfrage und bilanztechnisch motivierte Handlungen von Mineralölgesellschaften. In gewisser Weise haben Verbraucher den Versorgungsengpass, der die Preise jetzt auftreibt, durch das Warten auf tiefere Preise selbst verursacht. Wenn die Mehrheit der Tanks leer ist, muss eine Nachfragewelle mit Termindruck kommen. Das ist ein Garant für steigende Preise. Nur eine Nachfragewelle mit Terminflexibilität kann preisneutral befriedigt werden.

Der Gasölpreis steigt auch heute Morgen. Er liegt wieder über 400$ pro Tonne. Die Tonne kostet aktuell 414$. Mitte Oktober lag der Preis für die Tonne noch über 500$.

Unsere Heizölpreise zogen gestern weiter an und das deutlich. Zunächst wurde der Preisanstieg von schrumpfender Verfügbarkeit der Ware im Inland getrieben. Zum Abend kam dann der Auftrieb auf Grund der schlechten Daten über die US-Vorräte hinzu. Mit spürbarer Entspannung sollte man bis zum Jahreswechsel nicht rechnen. Der Heizölpreis wird in nächster Zeit ein Spielball des Wetters insbesondere in den USA sein.

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