Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Sieg der Currywurst

Der Einfluss von Wahlen währt an den Börsen nicht lang. Umso erstaunlicher ist es, dass die griechische Wahl in Marktanalysen immer noch erwähnt wird. Mit ihr wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone verbunden. Das ist eine Fehlinterpretation. Der Grund für den wahrscheinlichen Austritt Griechenlands ist nicht die letzte Wahl, sondern die Tatsache, dass das Land weder strukturell noch ökonomisch in die Eurozone passt. Dieser Umstand ist hinlänglich bekannt. Er wird mit salbungsvollen Sätzen über die Idee der EU und den Euro verschleiert. Das griechische Euro-Experiment hat einige Leute sehr reich gemacht und viele sehr arm. Ginge es nach dem Willen der Finanzwirtschaft, würde das so bleiben. Sie hat kein Problem damit, dass die Vermögen der einen die Schulden der anderen sind und dass die anderen an ihren Schulden zugrunde gehen, solange es eine übergeordnete Instanz gibt, die die Vermögen sichert. Deshalb arbeitet sie hart daran, Griechenland so lange wie möglich in der Eurozone zu halten. Das Gros der Politik weiß sie dabei an ihrer Seite. Mit bemerkenswerter Demagogie hat sich die Finanzwirtschaft seit 2008 aus der Asche ihrer Trümmer zum beinahe unkritisierten Stichwortgeber aktueller Politik emporgearbeitet.

Das Volk, insbesondere wenn es selbstkritisch feststellt, besser als angemessen gelebt zu haben, kann all den Spardiktaten im Prinzip nur zustimmen. Aber das Büßen hat Grenzen. Die sind erreicht, wenn das menschliche Maß unterschritten wird. So wie es eine Rückkehr zum menschlichen Maß nach dessen hemmungslosem Überschreiten gibt, so gibt es das gleiche aus umgekehrter Richtung. Es scheint, als wolle das griechische Volk dies zum Ausdruck bringen. Ähnlich, wenn auch lange nicht so bedrohlich, mag die Stimmungslage bei den Wahlen in Frankreich gewesen sein. Und sie war so in Nordrhein Westfalen, wo die Currywurst gewählt wurde. Dass die Currywurst gewählt wurde, liegt nicht an der vermeintlichen Verblödung der Wähler. Im Gegenteil, die entwickeln angesichts der ins aberwitzig Komplexe erhobenen Gegenwartsthemen eine bemerkenswerte Klarsicht in politischen Handlungsfragen. Die Wahl der Currywurst liegt an der nicht minder aberwitzigen Inhaltsleere von Politik. Statt sich der Vermittlung verständlicher, von überflüssiger Komplexität befreiter Themen zu bemühen, sagt sie, in diesem Fall die SPD schlicht, sie sei die Currywurst. Die CDU hatte nicht die Chuzpe, sich als Sparbüchse zu betiteln.

Aber haben die Wähler wirklich Currywurst oder Sparbüchse gewollt. Jein. Umfragen haben ergeben, dass die Lösung der Schuldenproblematik höchste Priorität bei den Wählern hat. Sparen wird aber nur von 25 Prozent des Wahlvolks als zielführend angesehen. 80 Prozent der Wähler wollen einen anderen Weg. Er wird von der Politik mit äußerster Zurückhaltung kommuniziert. Sie, die Wähler, fühlen, dass nicht die Schulden, sondern die unsoziale Verteilung von Vermögen und Schulden das Problem ist. Sie sehen die Lösung in einer ambitionierten Umverteilungspolitik. Mit diesem unter der geistigen Führerschaft der Finanzwirtschaft unorthodoxen Weg, treffen sie die stille Logik der emanzipierten Volkswirtschaft. Exponentiell auseinander driftenden Vermögen und Schulden kann man nicht besser begegnen als durch ihren Schnitt auf beiden Seiten. Denn als Gesellschaft verfügen weder wir noch die Griechen oder Franzosen über zu wenig Geld. Alle schlagen sich nur unterschiedlich schwer mit dem gleichen Phänomen herum, der ungerechten Vermögens- und Schuldenverteilung. Der Ruf der Wähler ist kein Ruf nach Umverteilung von Luxus. Er ist der Ruf nach einem Neustart der Ökonomie. Dass die Ökologie darin Platz hat, haben sie mehrfach in Wahlen zum Ausdruck gebracht. Möglicherweise hat die Currywurst gewonnen, weil Luxus explizit nicht die Wahl der Wähler war. Gegen Sparsamkeit scheint derzeit kaum jemand etwas einzuwenden, wenn die Sparsamkeit gerecht ist.

Der Franzose Hollande hat das mutige Stichwort für eine gerechte und damit hohe Besteuerung der Reichen geliefert. Die Deutsche Kraft sagt zurückhaltender aber glaubhaft, sie lasse sich auch angesichts der finanziellen Lage die Schulen nicht kaputtsparen. Das sind im Gegensatz zu Spardiktaten Aussagen, die Zukunft skizzieren können. Ein Plan bedarf indes mehr als solcher Aussagen. Ein Plan muss den Neustart der Ökonomie beschreiben. Den brauchen wir, wenn wir nicht so enden wollen wie die Griechen. So wie das japanische Desaster um die Atomkraft hierzulande den politischen Willen zu einer Energiewende freischlug, so könnte das griechische Desaster der Staatspleite den ökonomischen Neustart begünstigen. Dass der im Zeichen von Nachhaltigkeit im Allgemeinen und Effizienz (sparsame Technik), Konsistenz (geschlossene Stoffströme) sowie Suffizienz (menschliches Maßhalten) im Speziellen vonstatten gehen wird, versteht sich von selbst.

Was hat nun die Ölwelt mit der Currywurst zu tun? Als Symbol der Abkehr von Luxus steht die Ölnachfrage infrage. Das ist in den alten Industrieländern in der Tat der Fall. Nicht zuletzt deshalb sinkt der Preis. Als Alternative zur Sparbüchse ist sie ein Zeichen für Opposition zur herrschenden Volkswirtschaftslogik der Finanzwelt. Änderung mit Durchschlag auf die Ölpreise ist dann zu erwarten, wenn sie in der Lage ist, die Meinungshoheit der Hochfinanz global zu brechen. Dass die Currywurst dazu taugt, ist zweifelhaft.

Nach einem schönen Abgang gestern erholen sich die Ölpreise heute Morgen. Eine Tagesrichtung ist damit nicht vorgegeben. Tendenziell passt der Abgang der Notierungen derzeit gut zur Marktlage. Die Tonne Gasöl koste 947,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,91 Dollar und in London zu 111,80 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,72 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Sie folgen den Ölnotierungen am Weltmarkt. Der anziehende Dollar dämpft die Preisbewegung beim Heizöl. Die Entwicklung sollte auch in den nächsten Tagen und Wochen verbraucherfreundlich bleiben. Wenn die Iranaffäre als einzig ernste Gefahr nicht dazwischen kommt, dürfte der kurzfristige Abwärtstrend weiterhin für verhaltene Freude sorgen. Eine griechische Staatspleite könnte sogar einen unerwartet kräftigen Preissturz auslösen. Es bleibt interessant. Bleiben Sie dran. Aber vergessen Sie nicht, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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