Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Technik die begeistert?

2011 wird das teuerste Öljahr der Geschichte werden. Spitzenpreise wie in 2008 von knapp 150 Dollar für das Barrel Rohöl und einem Euro für den Liter Heizöl bei einer Liefermenge von 2500 Liter wurden zwar nicht erreicht. Die Preisspanne blieb im Gegensatz zu 2008 aber durchgängig hoch. Für Rohöl der Sorte Brent hielt sie sich seit Februar über 100 Dollar pro Barrel. Heizöl war seit dem nicht mehr unter 75 Cent pro Liter zu bekommen. In 2008 brachte der Preiseinbruch nach dem exorbitanten Hoch immerhin Rohölpreise unter 40 Dollar pro Barrel und Heizölpreise unter 50 Cent pro Liter hervor. Auf einen ähnlichen Effekt wie damals hofften viele Verbraucher. Sie hofften vergebens. Zum Schluss drohte die Hoffnung sogar noch teurer zu werden. Wenn sich Eurokrise und Rezessionsprognosen nicht so hartnäckig hielten, wäre die Drohung höchstwahrscheinlich Realität geworden.

Aus heutiger Sicht gibt es eine realistische Chance für günstigeres Öl. Diese Chance wird allerdings auf andere Weise als durch Geld teuer bezahlt. Sie beruht nicht auf dem Effekt von 2008, der aus heiterem Himmel über die Welt hereinbrach. Damals bestand er im Zusammenbruch des Geld- und Finanzsystems. Die Finanzszene hatte ihn bereits akzeptiert, weil er die logische Konsequenz der vorausgegangenen Geldexzesse war. Die Politik half in letzter Minute. Sie hielt das System durch neue Geldexzesse zusammen und sie richtete die zerknirschte Finanzszene wieder auf. Heute steht die Politik am Pranger, weil sie sich mit der Hilfe in tiefer Not genauso übernommen hat wie mit einigen anderen Maßnahmen zuvor. Die Einführung des Euros hierzulande und das Haus für jeden, ungeachtet seiner finanziellen Mittel, in den USA sind nur zwei Beispiele politischen Größenwahns. Heute kommt ein Zusammenbruch des Finanzsystems mit Ansage. Allein deshalb wird die Preisbewegung beim Öl eine andere sein als vor drei Jahren. Im Prinzip durchlebt die Welt gerade den Zusammenbruch wichtiger Finanzsysteme. Dieser wird mit wechselhaftem Erfolg verwaltet. Wenn eines Tages ein Plan geschmiedet sein wird, kann er gestaltet werden. Dann wird die Welt eine andere sein als heute. Heute ist sie die Welt von gestern.

Die Chance auf günstigeres Öl ist eine Konsequenz gestrigen Handelns. Dieses Handeln war zu seiner Zeit außerordentlich erfolgreich. Es brachte nie gekannten Wohlstand über einen Teil der Menschheit, indem es die Ressourcen der Erde zu ihrer Lebensführung einsetzte. Dadurch wuchs die Arbeitskraft der Menschen exponentiell. Sie wuchs so stark, dass sie heute den Kräften der Natur ebenbürtig ist. Menschen können ihren Lebensraum genauso sehr verändern, wie die Natur dies kann. Menschen wenden die erlernten Techniken an, ohne angemessen auf die Konsequenzen ihres Handelns zu achten. Dabei haben sie das Maß für Wohlstand genauso verloren wie die Sorge für ihren globalen Lebensraum. Im Bezug auf Öl bestehen die Techniken darin, die Ressourcen weitaus perfekter ausbeuten zu können, als das vor Jahren der Fall war. Heute gibt es nicht nur das billige Öl, das mit einfacher Technik gefördert wird. Dieses Öl ist größtenteils ausgebeutet. Sein Peak Oil (Moment maximaler Förderung) liegt hinter uns. Peak Oil liegt gleichwohl noch vor uns, denn es gibt noch sehr viel Öl in der Erde. Es zu gewinnen, ist eine Frage der Technik und des Wollens. Im gestrigen, von ausgewogener Rücksichtnahme entblößten Handeln ist es konsequent, dieses Öl um jeden Preis zu bergen. Dabei kann sein Preis unter günstigen Bedingungen - ausreichende Finanzmittel und leicht rezessive Konjunktur - sogar sinken. Die Zeichen dafür stehen aktuell gut.

Die Konsequenzen sind weniger gut. Sie liegen in einer für den Menschen zunehmend mit CO2 vergifteten Atmosphäre und in der partiellen Zerstörung der unterirdischen Wasserläufe, aus denen sich Bewohner für ihre Versorgung bedienen. Nebenbei fallen kaum beherrschbare Giftmengen an, die die zeitgemäße Ölgewinnung benötigt. Moderne Verfahren der Ölgewinnung basieren auf Auswaschprozessen von Ölsänden und tiefen Gesteinsschichten, die zuvor zerbrochen werden. Letzte heißen Fracturing oder Fracking. Dabei kommt es vor, dass Wasseradern mit Erdgas durchsetzt werden, das am Wasserhahn abfackelbar ist, oder dass Chemikalien des Prozesses in das Trinkwasser gelangen und es vergiften. Dafür müssen die entsprechenden Ressourcen nicht mehr im Nahen Osten oder in Afrika gesucht werden. Es gibt sie im Hof der alten Industrienationen. Es gibt sie in so großem Maß in Nordamerika, das die Region energieautark werden kann. Es gibt sie in Deutschland, was dazu führt, dass die heimische Ölproduktion steigt.

Die Ölindustrie frohlockt. Sie sieht ihre Aktivitäten und ihren Gewinn auf Sicht von mindestens einhundert Jahren gesichert. Verbraucher werden auf lange Sicht zwar steigende Ölpreise akzeptieren müssen, weil moderne Gewinnungstechnik teuer ist und bezahlt werden muss. Da teure Technik allgemein wertgeschätzt wird, wie die Automobilität zeigt, dürfte das aber kaum ein gravierendes Problem sein. Immerhin sollten die Menschen in Anwendung dieser Technik von extremen Preisexzessen verschont bleiben. Ob die massiven Eingriffe in die nahe Umwelt akzeptiert werden, muss sich noch zeigen. Spätestens in der Auseinandersetzung mit dieser Tatsache liegt die Frage auf dem Tisch, wie wollen wir eigentlich leben, im Handeln von gestern oder in einer Neudefinition von Wohlstand?

Heute Morgen steigen die Ölpreise. Diese Tatsache hat weniger mit den skizzierten Zusammenhängen zu tun als mit einer Gegenreaktion auf den Preiseinbruch der letzten Tage und Wochen. Dieser könnte bei anhaltender Rezessionssorge nach kurzer Pause weitergehen. Er könnte aber auch durch harte Sanktionsmaßnahmen gegen den Iran beendet werden. Wahrscheinlich wird die Politik keine neue Baustelle eröffnen und die Iran-Angelegenheit auf irgendeine Weise weichspülen. Die Tonne Gasöl kostet 901,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,81 Dollar und in London zu 104,87 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,75 Eurocent.

Unsere Heizölpreise fallen noch. Sie werden im Laufe des Tages wahrscheinlich steigen. Heute dürfte die Bewegung keinen großen Effekt hinterlassen. Sie könnte allerdings zu einer ausgeprägten Preissteigerung in den kommen Tagen führen. Hinsichtlich des Heizölkaufs zeigt sich nun, wer ein wahrer Spekulant ist. Menschen mit guten Nerven riskieren, einen höheren Preis zu zahlen und glauben an die Chance auf billigeres Heizöl. Menschen mit schwächeren Nerven ordern umgehend. Menschen mit Maß und Weitsicht kümmern sich um die Senkung ihres Verbrauchs. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab. Der hilft auch den Spekulanten unter den Heizölkäufern. Denn es gilt das Motto: Was nützt Ihnen der Preis, wenn Sie Ihren Tankinhalt nicht kennen.

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