Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Tolle Politik

Öl hat hierzulande kein gutes Image. Mit dem Satz „weg vom Öl“ bewerben sich Politiker aller Parteien um ein verantwortungsvolles Image beim Publikum, wobei offen bleibt, um welche Verantwortung es sich handelt. Mal wird die Abkehr vom Öl wegen exzessiver Preissteigerungen gefordert. Mal sind die menschenverachtenden Praktiken der Ölmultis in demokratisch unterentwickelten Ländern ursächlich. Mal soll das eigene Verhältnis zur Nachhaltigkeit unterstrichen werden. Die wenigsten Politiker wissen bei diesem propagandistischen Thema, worüber sie reden, Grüne eingeschlossen. „Weg vom Öl“ ist ein Schlachtruf für ein faires, umweltweltgerechtes Leben mit wachsendem Wohlstand für alle, genauer gesagt, für alle in diesem Land. Wohlstand versteht sich hier selbstverständlich materiell. Er wird mit dem BIP (Bruttoinlandsprodukt) quantifiziert.

Ölpreise stiegen in den letzten zehn Jahren in der Tat stärker als Gas- und Strompreise. Politiker haben bei diesem emotionalen Thema also den Jubel bei jeder kritischen Äußerung gewiss. In Zahlen sieht die Lage wie folgt aus: Heizöl plus 124 Prozent, Gas plus 75 Prozent, Strom plus 86 Prozent. Bezogen auf die jüngere Vergangenheit sieht die Sache anders aus. Heizöl war vor einem Jahr ungefähr so teuer wie heute. Gas und Strom legten um sechs bis zwölf Prozent zu. In naher Zukunft ist mit ähnlichen Verhältnissen zu rechnen. Es spricht einiges dafür, dass die beiden Energieträger mit dem besseren Image der zuvor aufgelaufenen Ölteuerung rasant hinterhereilen werden. Das pikante an diesem Umstand ist, dass die Teuerung, im Gegensatz zu der vergangenen beim Öl, in erheblicher Weise auf politische Fehler zurückzuführen ist.

Fehler wurden auch beim Öl gemacht. Man denke nur an die törichte Biospritstrategie, deren ökologischer Blödsinn bereits vor vielen Jahren vom Umweltbundesamt kritisiert wurde. Diese kostete mittelständische Unternehmer eine Menge Geld und einige Insolvenzen. Mit der Zwangsbeimischung wurde das Thema schließlich den Konzernen angedient. Die Zeche der verunglückten Politik zahlen Verbraucher mit erhöhten Spritpreisen und enteignete Kleinbauern in Ländern, in denen sogenanntes Bioöl produziert wird. Mit der Einmischung in funktionierende Marktmechanismen der Spritpreisbildung setzt sich das politische Ungeschick fort. Der Chef des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, stürzt seine Behörde in eine Sektoruntersuchung nach der anderen, um wiederholt festzustellen, dass man keine Verstöße gegen das Kartellrecht feststellen kann. Von der nun aufzubauenden Transparenzstelle erwartet er keine Verbesserung der Preise. Die notwendigerweise entstehenden Kosten werden wie üblich den Verbrauchern übergeholfen. Mit der nächsten Untersuchung, sie nimmt die Raffinerien stärker ins Visier, will Herr Mundt den Markt endlich verstehen. Bleibt zu hoffen, dass es ihm gelingt. Es handelt sich um Grundlagen der Marktwirtschaft. Heizöl ist heute übrigens der letzte große Energieträger ohne staatliche Kontrolle der Endverbraucherpreise.

In den meisten Fällen entwickeln sich Preise nicht wegen fehlender, sondern wegen fehlgeleiteter staatlicher Eingriffe in die ungewünschte Richtung. Beim Strom ist die Sache derzeit besonders deutlich. Die Politik versagt bei der Umsetzung der Energiewende auf ganzer Linie. Sie hat keinen Plan, wie sie die vollmundige Ankündigung umsetzen soll. Darüber hinaus lässt sie sich durch willfährige Zugeständnisse an Industrie und Netzbetreiber zu weiteren Maßnahmen hinreißen, die private Endverbraucher zu zahlen haben. Seit dem Beginn der Bankenrettung in 2008 haben die erpresserischen Intensionen diverser Industriezweige eine neue Dimension erreicht. Politik scheint diesem Unterfangen macht- und planlos gegenüber zu stehen, in Deutschland und in Europa.

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Bereich Raumwärme über Erfolg und Misserfolg der Energiewende entscheidet. Hier kann soviel gedreht und gewendet werden, dass steigende Gas-, Strom- und Ölpreise ihre Bedrohung verlieren. Hier kann die Politik wirklich Großes leisten, ohne dabei auf noch nicht erfundene Technik angewiesen zu sein. Anstatt der zukunftsorientierten Bauwirtschaft zügig den Weg zu ebnen, werden Stellungskriege unter den zuständigen Ministerien Umwelt (CDU), Wirtschaft (FDP) und Bau (CSU) bis zur Totalblockade geführt. Die Kapitulation vor der Macht des Faktischen wird mit der Bezeichnung „erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung“ schöngeredet. So geschieht es, dass die Chance, über eine Raumwärmerevolution den Kern von Nachhaltigkeit an den Tag zu bringen, ausbleibt. Dieser Kern besteht im Dualismus aus Effizienz und Suffizienz. Effizienz ist die Technik von der Sparsamkeit der Dinge. Suffizienz ist die Kultur zur Befreiung vom Überflüssigen. Ohne diese beiden Aspekte gibt es keine Energiewende. Mit ihnen stellt sich die Frage nach den zukünftigen Energieträgern vollkommen neu. Denn nicht ihre Wahl, sondern der Grad ihrer Nutzung ist der Schlüssel zur Nachhaltigkeit.

In der Liste politischer Verfehlungen darf die Klimapolitik nicht fehlen. Es sieht so aus, als handele es sich hierbei um ein anderes Spielfeld. Das ist nicht der Fall. Klimakonsequenzen entstehen in direkter Ableitung aus Ressourcenverwendung. Diese folgen der gültigen Wirtschaftsdoktrin vom unbegrenzten Wachstum. Wie einfach die Zusammenhänge sind, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre. Im Moment der Rezession in 2008/2009 sank das Wachstum des globalen CO2-Ausstoßes spürbar. Davor und vor allen Dingen danach steigt es trotz umfangreicher Anwendung grüner Technologien. Klimapolitik als Frage multilateraler Verträge muss scheitern. Sie ist auch nur begrenzt eine Frage neuer Technologien. Sie ist die Frage nach Wohlstand ohne Wachstum. Um das zu ergründen, sind politische Konferenzen irgendwo im klimatisierten Wüstenhotel unangebracht. Das ergründet man am Besten durch die Tat im eigenen Land.

Heute Morgen bemühen sich Finanzjongleure schon wieder, ihre Vorstellungen von Wachstum durchzusetzen. Sie treiben die Ölpreise in die Höhe. Die allgemeine Entwicklung beim Öl steht allerdings gegen sie. Es mag sein, dass sie kurzfristige Erfolge bis Weihnachten oder Neujahr verbuchen können. Mittelfristig ist es wahrscheinlicher, dass die Ölnotierungen weiter nachgeben werden. Die Tonne Gasöl kostet 903,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,75 Dollar und in London zu 107,80 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,24 Eurocent.

Unsere Heizölpreise sinken immer noch. Gestern entwickelten sich Öl- und Dollarnotierungen zu Gunsten der Verbraucher. Im Binnenmarkt ist die Belieferungssituation zunehmend angespannt. Die gute Nachfrage und das Wetter sind dafür verantwortlich. Die Preise entwickeln sich unter diesen Umständen erstaunlich freundlich. Das ist der relativ guten Angebotslage auf Großhandelsseite zu verdanken. Die weiteren Aussichten für die Heizölpreise sind aus Sicht der Verbraucher positiv. Gleichwohl sollte man nie aus den Augen verlieren, dass die Preisentwicklung nach unten begrenzt ist und dass sie sich jederzeit wenden kann. Aktuell schätze ich die untere Grenze bei ungefähr 80 Cent pro Liter bei 3.000 Liter Liefermenge ein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dieser Gewinn würde Sie dabei kräftig unterstützen.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen