Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Und täglich klettert der Preis

Der Heizölpreis befindet sich wieder in der Spur des langfristigen Aufwärtstrends. Verbraucher richten sich in der Tradition des langfristigen Unmuts ein. Sie fühlen sich von der Entwicklung überrumpelt und überfordert. Schuldige sind in den Banken identifiziert. Die Politik wird als weißer Ritter gefordert. Diese Charakterisierung gilt nicht für alle aber für viele Verbraucher.

Niemand soll sich einbilden, dass Öl der einzige Rohstoff ist, dessen Preis exorbitant steigen kann. Alle Stoffe werden bei drohender Verknappung teurer, wenn man nicht auf sie verzichten kann. Mit vielen dieser Stoffe wird spekuliert. Die Tatsache als solche ist kein Problem. Im Gegenteil, Spekulation dient Lieferanten und Verbrauchern seit Jahrhunderten zur Absicherung von Preisrisiken. Das von Spekulanten eingesetzte Geld ist gleichsam die Versicherungssumme gegen eine aus Sicht der Realmarktteilnehmer möglicherweise ruinöse Preisentwicklung. Dafür zahlen sie eine „Versicherungsprämie“. Der Spekulant zahlt mit seiner Einlage, wenn die Preisentwicklung gegen seine Einschätzung läuft. Er gewinnt Geld, wenn seine Vorhersage zutrifft. Zum Problem wird Spekulation, wenn mehr Geld zur Verfügung steht, als die Summe aller Stoffe, auf die spekuliert wird, wert ist. Dann gleicht sich ihr Preis dem vielen Geld an. Man spricht von Inflation. Wir erleben seit Jahren eine partielle Inflation. Sie betrifft in erster Linie Rohstoffe wie Öl, Lebens- und Futtermittel sowie Erze. Die vergleichbare Teuerung beim Erdgas hat andere Ursachen.

Die beschriebene Inflation setzt voraus, dass die betroffenen Stoffe strukturell knapp sind. Da die Weltbevölkerung der Erde rasant wächst und da der Teil dieser Bevölkerung, der sich aufgemacht hat, unsere rohstoffintensive Lebensweise zu kopieren, weit größer ist als der Teil, der bereits so lebt wie wir, ist Knappheit unausweichlich. Die während der Neuzeit und der Aufklärung entwickelte Idee, dass die Erde nur wertvoll ist, wenn sich die Menschen ihrer Schätze habhaft machen, setzt voraus, dass diese Schätze unbegrenzt zur Verfügung stehen. Das traf während der ersten und zweiten industriellen Revolution zu. Damals war die Menschheit vergleichsweise klein. Die reiche, rohstoffbegehrende Gruppe war noch kleiner. All das gilt heute nicht mehr. Die Menschen stoßen täglich an Grenzen, die ihnen aus ihrer Geschichte unbekannt sind. Die Erde ist zwar politisch grenzenloser geworden. Für den industriellen Menschen wird sie aber täglich begrenzter, weil der Fundus, aus dem er schöpft, der Erschöpfung näher kommt.

Die Teuerung des Öls ist kein monokausales Ereignis. Unbegrenztes Geldmengenwachstum und unbegrenztes Nachfragewachstum bei begrenzten Ressourcen wirken gemeinsam und verstärken den Effekt. Geldmengenwachstum allein führt nicht zwangsweise zur Teuerung eines Stoffs, wenn dieser reichlich vorhanden ist. Finanzinvestoren würden eine bessere, nämlich knappe Anlage suchen. Nachfragewachstum einer begrenzten Ressource ohne Geldmengenwachstum wird hingegen auch ohne den modernen Finanzzirkus Teuerung auslösen. Insofern ist die Klage über die Machenschaften der Finanzindustrie nur bedingt angebracht. Zu klagen haben wir mindestens in gleichem Maß über die Höhe des Verbrauchs. Auf diesem Gebiet kann man der Politik nicht einmal unterstellen, untätig zu sein. Sie hat die Energiewende wohl oder übel auf den Weg gebracht und sich damit durchaus weitsichtig gezeigt. Das Folgeproblem der mit ihr verbundenen Energiepreiserhöhung wäre auch ohne die Energiewende auf die Menschheit zugekommen. Beim Erdöl ist übrigens fast die Hälfte dessen, was die Erde zu bieten hat, verbraucht. Dummerweise war es die preiswert zu fördernde Hälfte. Das Gros des Verbrauchs erfolgte in den letzten 75 Jahren. Das, was noch da ist, wird bei anhaltendem Nachfragewachstum nicht für weitere 75 Jahre reichen. Bei respektvollem Verbrauch kann es uns hingegen noch sehr viel länger gute Dienste tun.

Respekt ist in jeder Hinsicht angebracht, wenn es um den Verbrauch von Ressourcen geht. Ihn zu erlernen ist die notwendige Voraussetzung, um die Energiewende zum Erfolg zu führen. Das respektlose Umsteigen auf den Verbrauch einer anderen Ressource kommt lediglich dem Gewinn von Zeit gleich. Wozu Zeitgewinn führt, erleben wir derzeit mit dem Geld- und Finanzsystem. Die Probleme werden dadurch nur größer. Wer heute zuviel Öl verbraucht und das damit verbundene Kostenproblem mit dem Umstieg auf Holz, Gas oder Strom zu lösen gedenkt, wird morgen vor dem gleichen Problem stehen. Keiner der Stoffe ist so reichlich vorhanden, dass durch ihn der aktuelle Ölverbrauch substituiert werden könnte. Häufig ergibt sich schon aus der Vollkostenrechnung, dass ein Umstieg unrentabel ist. Vollkosten addieren die Investition als vergleichbare laufende Kosten zu den Energiekosten hinzu. Einen Kostenvorteil zeigt eine solche Rechnung für Pellet- oder Wärmepumpenheizungen oft nur bei weitgehender Aufrechterhaltung des Verbrauchs. Damit ist aber die Grundlage gelegt, dass beim neuen Energieträger bald das gleiche Problem zutage tritt wie heute beim Öl, nämlich starke Teuerung aufgrund struktureller Knappheit. Eine sinnvolle Maßnahme gegen hohe Energiepreise kann nur in der Reduzierung des Verbrauchs bestehen. Wer die mit dem Verweis ablehnt, die Frucht der Investition zu Lebzeiten nicht mehr einzufahren, könnte aus individueller Sicht richtig liegen. Er könnte allerdings über kurz oder lang auch mit dem Satz „Wer zu spät kommt, den straft das Leben.“ konfrontiert werden. Aus generationsübergreifender Sicht ist jede Weigerung, den Energieverbrauch zu senken, inakzeptabel. Geld für entsprechende Maßnahmen ist im Übrigen ausreichend vorhanden. Leider ist es heute falsch verteilt. Womit der Bogen zum Problem des Geld- und Finanzsystems geschlagen wäre. Aber das hat in diesem Kommentar Pause.

Pause hatte der Ölpreisauftrieb gestern. Heute Morgen setzt er den Lauf fort. Insbesondere Gasöl ist vor dem Winter von Teuerung betroffen. Dieser Stoff ist weltweit besonders gefragt. Die Tonne kostet 1.019,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,74 Dollar und in London zu 112,34 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,81 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Mal kommt der Auftrieb vom Dollar, mal vom Öl, mal kommt er von beiden Seiten. Nichts deutet darauf hin, dass sich diese Situation in den kommenden Wochen ändern könnte. In dieser Lage kommt die praktizierte Hoffung auf bessere Preise einem Kopf in den Sand stecken gleich. Aus unserer Sicht ist es besser, sich der stetigen Teuerung der Energiepreise bewusst zu werden und das Heil in der Senkung des eigenen Verbrauchs zu suchen. Dabei kann die hier vorgeschlagene Einsparinvestition nur ein Teil der Lösungsfindung sein. Der andere Teil muss in der Aufwertung der thermischen Haushülle gesucht werden. Einfacher ausgedrückt, die Dämmung ist der Schlüssel zum Erfolg.

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