Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Wachstum, das verkannte Phänomen

Politische Börsen haben kurze Beine, heißt es in Finanzkreisen. Der Satz wurde gestern bestätigt. Einem kurzen Schock als Reaktion auf die Wahlausgänge in Frankreich und Griechenland mit einem heftigen Einknicken der Aktien- und Ölnotierungen folgte eine starke Trotzreaktion, die die vorherigen Verluste mindestens kompensierte. DAX und Nordseeöl Brent konnten mit Gewinnen aus dem Tageshandel gehen.

François Hollande, der neue Präsident Frankreichs, wird schnell auf den Boden europäischer Politkultur fallen und Griechenland wird notfalls aus dem Euro gemobbt. Am Primat der Finanzwirtschaft wird sich so schnell nichts ändern. Das ist der Tenor, mit dem sich die Finanzszene aus dem Schockzustand redet. Eine Abkehr vom europäischen Spardiktat, die Hollande ausgerufen hat, wird als eine Allein-gegen-Alle-Veranstaltung gewertet, die nicht zu gewinnen ist. Seine Betonung auf Wachstum kommt der Finanzwirtschaft hingegen entgegen, da genau das als ungenügend eingestuft wird. Die letzten Börsenverluste drücken die Unzufriedenheit mit den Daten aus. Dann ist da noch die Wahlaussage über die Anhebung des Steuersatzes für Einkommensmillionäre auf 75 Prozent und die Erhöhung der Kapitalertragssteuer. Dies wird als eine innerfranzösische Angelegenheit betrachtet, die derzeit ohne Bedeutung für die internationale Finanzszene ist. Hinter vorgehaltener Hand werden die Strategen der Zunft das Angehen vermutlich sogar positiv bewerten, da es eine der wenigen Maßnahmen ist, die die Staatsverschuldung senken kann. Sparen funktioniert zu diesem Zweck nicht.

Deutschland mit seiner Staatsverschuldung von rund 2 Billionen Euro müsste beispielsweise 100 Jahre lang einen jährlichen Überschuss von 20 Mrd. Euro erwirtschaften, bei einem Zinssatz von null Prozent, um sich schuldenfrei zu stellen. Das ist reine Fiktion. Realität ist hingegen, dass die Planzahlen für nächstes Jahr, das als gutes Konjunkturjahr prognostiziert wird, bei einer Neuverschuldung von fast 20 Mrd. Euro liegen. Selbst wenn es gelänge, Staatsüberschüsse zu erwirtschaften, wäre es vermessen anzunehmen, dass diese über einen Zeitraum von 100 Jahren stabil blieben. Krisen würden von Zeit zu Zeit alle Bemühungen annullieren. In der beileibe guten bundesdeutschen Geschichte stiegen Wirtschaftsleistung, Verschuldung und Vermögen seit der Gründung bemerkenswert an. In den ersten Jahren wuchs die Wirtschaft stärker als die Verschuldung. Irgendwann im Verlauf der 1960er änderte sich das. Die Politik reagierte 1967 mit einem „Gesetz zur Förderung des Wachstums und der Stabilität der Wirtschaft“ und 2009 mit einem „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Sie änderten nichts an den Wachstumscharakteristiken von Wirtschaft, Verschulung und Vermögen. Die zeigen über den gesamten Zeitverlauf von 62 Jahren zwei bemerkenswert stabile Typen, ein lineares und ein exponentielles Wachstum. Die Wirtschaft wächst linear. Dabei steigt das Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt Jahr für Jahr um einen gleichen Betrag. Schulden und Vermögen wachsen exponentiell, das heißt, sie steigen Jahr für Jahr um den gleichen Prozentsatz. Der darin steckende Zinseszinseffekt bewirkt heute eine um ein Vielfaches steilere Wachstumskurve der Schulden und Vermögen als die der Wirtschaftsleitung. Das Phänomen ist zwangsläufig. Es wohnt dem gültigen volkswirtschaftlichen Modell inne. Ohne Paradigmenwechsel lässt sich der Zwang nicht auflösen. Schulden und Vermögen steigen übrigens spiegelbildlich. Die Reichen werden immer schneller reicher und die Armen werden immer schneller ärmer. Das, was wir zu spüren glauben, ist Realität.

Eine Politik, die sich nicht des Phänomens annimmt, ist Klientelpolitik für Vermögende bzw. für die Finanzindustrie. Diese Industrie lebt hervorragend mit dem Zinseszinseffekt. Ihre Protagonisten wissen, dass dieser Effekt zum Kollaps führt. Das gilt nicht nur für Finanz- und Staatssysteme. Es gilt für alle Systeme auf dieser Erde einschließlich der biologischen und technischen. Exponentielles Wachstum führt zur Selbstzerstörung oder mindestens zum Stillstand auf einem bestimmten Niveau. Auf dem gibt es kein Wachstum mehr.

Die Wachstumskurve beim Öl sieht anders aus. Sie steigt an und fällt ab, weil der Stoff endlich ist. Der Kurve des Ölpreises kann man in der aktuellen Phase keinen der Grundtypen zuweisen. Prinzipiell sollte sie eine Mischung aus dem linearen Verlauf der Wirtschaft und dem exponentiellen Verlauf der Finanzwirtschaft sein. Gleiches gilt für alle anderen Rohstoffpreise auch.

Heute Morgen zeigt sich an der Ölbörse erneut Unsicherheit. Der gestrige Anstieg wird teilweise zurückgenommen. Das Potenzial für weiter fallende Preise ist vorhanden. Beim Rohöl der Sorte Brent könnte es zurück bis 100 Dollar reichen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 962,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,88 Dollar und in London zu 112,48 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,83 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Ihr gegenüber dem Weltmarkt langsamerer Gang und die Verknüpfung mit dem Dollarkurs haben gestern das Gegenteil dessen hervorgebracht, was die Ölbörsen zeigten. Die Heizölpreise fielen im Tagesverlauf. Der unterlegte Aufwärtstrend ist angeschlagen. Die Wahrscheinlichkeit für weiter nachgebende Preise ist gegeben. Ein Selbstläufer ist der Abgang aber nicht. Und Preisziele im Bereich von 60 Cent pro Liter, wie sie von einigen Bloggern hier genannt werden, halten wir für abwegig. Derartige Preisziele verlangen einen Börsencrash. Den sehen wir nicht heraufziehen. Wir sehen eine normale Konsolidierung, die nach gegenwärtigem Stand der Dinge über kurz oder lang wieder in den Aufwärtstrend der Preis münden wird. Bis es soweit ist, können sich Verbraucher glücklich schätzen, wenn sie Heizöl für einen Preis um 80 Cent pro Liter bei 3000 Liter Abnahmemenge beziehen könnten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Verbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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