Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Weg vom Öl … für einige Wochen

Die wichtigen europäischen Notenbanken machen das, was die Finanzszene von ihnen erwartet. Sie senken die Zinsen und kaufen Staatsanleihen. Unerwartet senkt auch die chinesische Notenbank die Zinsen. Das irritiert die Glücksritter im Finanzzirkus. Aktien- und Ölnotierungen taumeln ohne klare Richtung auf und ab. Das heißt, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen der Maßnahmen indifferent beurteilt werden. Man könnte auch sagen, die Phantasie der Glücksritter reicht nicht für einen ordentlichen Lauf der Wirtschaft. Der Dollar ist der klare Gewinner. Er legt um 1,3 Prozent gegenüber dem Euro zu. Das Plus landet als Zählbares im heimischen Ölpreis. Klar sehen die Glückritter also nur im finanztechnischen Aspekt der Zinsänderung.

Die Erwartungen sind grenzenlos. Beim Geld haben die Finanzakteure ein System kreiert, das die Grenzenlosigkeit abbildet. Für die Realwirtschaft gelingt das nicht. Sie spielt sich im begrenzten Raum der Erde und auf Basis ihrer begrenzten Ressourcen ab. Damit können sich die Finanzleute einfach nicht abfinden. Eine nicht wachsende Realwirtschaft ist für sie ein Sündenfall. Jeder einzelne Mensch, der ein befriedigendes Wohlstandsniveau erreicht hat, kann mit seiner nicht wachsenden persönlichen Ökonomie bestens auskommen. Der Wunsch nach mehr mag in ihm wühlen. Essentiell ist seine Befriedung indes nicht. Was für den einzelnen Menschen gilt, sollte auch für die gesamte moderne Gesellschaft gelten. Es gilt tatsächlich soweit die Finanzwirtschaft ausgeschlossen wird. Mit ihr als Teil der Gesellschaft funktioniert das nicht. Die Finanzwirtschaft lebt grenzenloses Wachstum. Sie hat die Lizenz, um aus Geld Geld und aus Schulden mehr Schulden zu machen. Sie hat den Schlüssel, die Schulden zu sozialisieren. Das heißt, sie kann der Gesellschaft permanent Wohlstand und Zufriedenheit entziehen. Sie muss das nicht machen. Sie macht das aber, weil sie dem Prinzip der Grenzenlosigkeit verhaftet ist. Sie folgt ihrem fundamentalen Glauben wo immer sie kann und sie wirbt für diesen Glauben. Ihr Erfolg ist weithin sichtbar. Er wird zum Misserfolg für all diejenigen, die sich dem grenzenlosen Wachstum nicht mit Haut und Haaren verschreiben. In anderen Zusammenhängen wird ein solches Phänomen Fundamentalismus genannt. Es ist unser guter gesellschaftlicher Konsens, ihn zu ächten.

Aus dem realen Ölmarkt gibt es über fehlende Mengen zu berichten. Sie laufen derzeit in Norwegen wegen eines Streiks auf, der zu eskalieren droht, und sie liefen in den USA wegen eines Tropensturms im Golf von Mexiko auf. Letzte werden in den jüngsten US-Bestandsdaten sichtbar. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) legen dazu folgende Zahlen vor:

Rohöl: -4,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,2 (DOE) bzw. 5,6 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung ist auf immer noch starke 92 Prozent gesunken. Vermutlich werden die kommenden Bestandsdaten wieder ausgewogen aussehen. Eine generelle Sorge, dass die genannten Fehlmengen zu Verwerfungen im sehr gut versorgten Ölmarkt führen, ist derzeit unangebracht. So war das bullische Moment, das gestern von den Bestandsdaten ausging, auch bald aufgebraucht.

Heute Morgen liegt die Erwartung in der Luft, dass der jüngste Preisauftrieb ausläuft und eine Rückkehr zum Abwärtstrend folgt. Die Tonne Gasöl kostet 911,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 86,04 Dollar und in London zu 99,56 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 80,84 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen immer noch zu. Einerseits werden sie von den Börsennotierungen für Öl und Dollar getragen. Anderseits treibt die überverkaufte Situation im Binnenmarkt die Heizölpreise. Die Lager sind weitgehend leer. Nachschub kommt zögerlich heran. Immerhin ist die Kaufwelle mittlerweile abgerissen, so dass eine Normalisierung einsetzen kann. Bis die durchschlägt, vergehen einige Wochen. Mit etwas Glück sehen wir den Börsenpreis für Öl bis dahin wieder im Bereich des letzten Tiefs. Spekulativ eingestellte Heizölkäufer sollten derzeit kein Heizöl ordern. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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