Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Wiederholung unerwünscht

Mit den Ölpreisen geht es abwärts. Nicht ganz so hart im Ausdruck, in der Intention aber ähnlich lässt sich die Lage der US-Wirtschaft beschreiben. Nirgendwo auf der Erde sind Öl und Konjunktur so sehr verwoben wie in den USA. Wenn dort weniger Öl gebraucht wird, fällt der Preis. Die jüngere Geschichte liefert eine „Blaupause“ für diesen Zusammenhang. Zeitlich liegt sie am Beginn der 1980er Jahre. Ursächlich ist sie mit dem Ende der Nachkriegskonsumwelle und einer Identitätskrise der USA sowie politisch bedingten Verwerfungen der Ölversorgung verknüpft. Preislich brachte sie einen Einbruch von über 60 Prozent des Jahresmittelwerts für Rohöl im Laufe von sechs Jahren hervor. Sollte die aktuelle Entwicklung der „Blaupause“ folgen, hätten wir in einigen Jahren einen Rohölpreis von 35 Dollar zu erwarten. Aktuell würde der Preis tendenziell eher sinken als steigen.

Geschichte wiederholt sich. Dieser Satz intendiert langfristige Zusammenhänge. Es spricht einiges dagegen, dass er auf die Periode der letzten 30 Jahre anzuwenden ist. Dabei gibt es durchaus Gemeinsamkeiten mit der Phase, die allgemein als die zweite Ölkrise bezeichnet wird. Abermals plagen die USA Identitätszweifel. Wie damals scheint das Ende einer sehr erfolgreichen Wirtschaftsphase gekommen zu sein. Wieder ging der Krise die Sorge um eine auskömmliche Ölversorgung voraus. Sogar der Bewusstseinswandel bezüglich des Energieverbrauchs war schon einmal da.

Anders als damals gibt es nun mindestens eine Macht auf der Erde, die die USA in ihrem Rohstoffhunger übertreffen wird. Anders als damals erahnen wir heute nicht nur das nahe Ende der zugänglichen Rohstoffe. Wir wissen vor allen Dingen um die Folgen der exzessiven Rohstoffnutzung für unseren Planeten. Und wir haben Erfahrungen mit einer anderen Wirtschaftspolitik gesammelt. Während die Wirtschaft in der westlichen Welt bis zur zweiten Ölkrise das Ziel hatte, Wohlstand der gesamten Gesellschaft zukommen zu lassen, geht es heute um individuelle Wohlstandsmaximierung. Durch Umverteilung, zunächst auf Kosten der Reichen zugunsten der weniger Vermögenden, schafften die USA nach dem zweiten Weltkrieg einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg breiter Bevölkerungsschichten. Der führte in den 1970er Jahren zu einer Sättigung und beginnenden Identitätskrise. Die in den 1980er Jahren einsetzende individuelle Wohlstandsmehrung, als Reaktion auf die damalige Krise, erhöhte den Wohlstand weniger weit über die Sättigungsgrenze hinaus. In der breiten Bevölkerung schaffte sie indes wachsende Ungleichheit und führte zu Unbehagen und Ängsten. Schließlich gipfelte sie in einem Kollaps des Finanzsystems, der durch individuelle Gier nach immer mehr Wohlstand ausgelöst wurde. Die Schäden des Kollaps’ wurden der gesamten Gesellschaft als Zwangsmaßnahme in Rechnung gestellt.

Die Erfahrungen der jüngeren Geschichte sprechen nicht dafür, dass der nächste Aufbruch aus der Krise abermals die Maximierung des materiellen Wohlstands zum Ziel haben wird. Auch wenn sich die USA heute noch schwer damit tun, die Lehren aus der Geschichte anzuerkennen, werden sie das Land mindestens in die Richtung führen, die Europa bereits heute andeutet. Die gesamte westliche Welt wird die Reaktion auf die Erfahrungen der jüngeren Geschichte noch weit prägnanter entwickeln, als heute erkennbar ist. Der Verweis auf China als vermeintliche Bremse der notwendigen Entwicklung, ist wenig hilfreich, weil sich das Land in einer vollkommen anderen Phase der Geschichte befindet. Da alle westlichen Länder diese Phase durchlaufen haben, wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als China und andere Schwellenländer gewähren zu lassen. Schlimmer als die Vorbilder des Konsumismus werden die Nachkömmlinge es kaum treiben. Die Frage ist nicht, wie gut man diese Nachkömmlinge am Kopieren des westlichen Lebensstiels hindern kann. Die Frage ist, wie schnell der Westen ein funktionierendes Gegenmodell etabliert hat.

Die Antwort auf die Frage hat entscheidende Bedeutung für den zukünftigen Ölpreis. Anders als nach der zweiten Ölkrise kann die richtige Neuausrichtung dieses Mal zur Begrenzung des Ölpreises beitragen. Die alte Regel, billiges Öl ist gut für die Wirtschaft, ist durchaus noch anwendbar. Zukünftig wird über billiges Öl aber weniger auf der Angebotsseite als vielmehr auf der Nachfrageseite entschieden. Geringe Nachfrage kann durch schlechte Konjunktur oder durch eine neue Wirtschaftsausrichtung entstehen. Aktuell drückt die schlechte Konjunktur auf den Ölpreis. Längerfristig ist das definitiv die schlechtere Alternative.

Heute Morgen setzt sich der konjunkturelle Druck fort. Die Finanzspieler haben keine guten Ideen, die Lage zu wenden. Angesichts ihrer auf individuellen Gewinn ausgerichteten Haltung, ist das weder erstaunlich noch bedauerlich. Die Tonne Gasöl kostet 612 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 72,26 Dollar. Der US-Dollar wird zu 79,22 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise entwickeln sich in den Regionen Deutschlands unterschiedlich. Im Mittel bleiben sie auf Seitwärtskurs. Dem Abgang der Ölpreise am Weltmarkt steht der Anstieg des Dollars gegenüber, so dass hierzulande wenig Veränderung herauskommt. Als Folge der schlechten Konjunkturaussichten in den USA und ihrer Wirkung auf die globale Wirtschaft, wächst die Chance zu tieferen Heizölpreisen. Wir erwarten diese nicht als Fall, sondern allenfalls als kriechende Bewegung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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