Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Ärgern oder handeln

Die Ölpreise gehören den Spekulanten. Sie haben es geschafft, die Entwicklung wie bereits 2008 vom realen Wirtschaftgeschehen abzukoppeln. Allen anders lautenden Ankündigungen aus der Politik zum Trotz lässt man sie gewähren. Noch besteht eine Korrelation mit den Aktienmärkten. Das unterscheidet die aktuelle Lage von der in der ersten Jahreshälfte 2008. Man darf hoffen, dass ein Richtungswechsel der Aktienindizes den Richtungswechsel der Ölpreisbildung einschließt. Wundern sollte man sich nicht, wenn es anders käme.

Als einflussreichster Impulsgeber für die Ölpreise agiert wieder einmal Goldman & Sachs. Die Zielansage von 85 Dollar pro Barrel für Ende 2008 zeigt Wirkung. Die Börse folgt. Seit ein paar Tagen funktioniert der bullische Trend sogar unabhängig vom Dollar. Die Währung stellt üblicherweise die Gegenposition zum Ölpreis dar. In den letzten Tagen stieg sie ebenfalls.

In der Wirtschaftspresse wird die Entwicklung mit wachsendem Unmut kommentiert. Hier konzentriert man sich in erster Linie auf die Aktienmärkte. Den Widerspruch zwischen realer Wirtschaftserwartung und Kursentwicklung empfindet mancher Kommentator als unerträglich. Er zeugt von der konsequenten Weigerung einflussreicher Gesellschaftskreise, die Krise als Notwendigkeit und Chance zur Veränderung anzuerkennen. Es gäbe viel zu diskutieren über das Postulat vom unbegrenzten Wachstum in einer offensichtlich begrenzten Umwelt oder über die Entwicklung der Gesellschaft ohne grenzenloses Wachstum. Aber statt sich der Herausforderung zu stellen, ist man emsig bemüht, den Scherbenhaufen der herrschenden Wirtschaftsphilosophie wegzukehren, um dieser die Bahn für den nächsten Kollaps frei zu machen. Hier enttäuscht die Politik, die angesichts der Krise einen enormen Auftrieb erhalten hatte, in besonderer Weise. Da Politik zumindest in der westlichen Welt ein Spiegel der Gesellschaft ist, muss man wohl konstatieren, dass die Gesellschaft selbst enttäuschend mit den Ereignissen und Erkenntnissen umgeht. Politik wird in einem demokratischen Staatswesen niemals Taktgeber einer Entwicklung sein. Sie kann dem gesellschaftlichen Mainstream nur folgen. Deshalb ähneln sich die meisten Parteien bis zur Ununterscheidbarkeit und deshalb ist die, zumindest in ihrer populären Sprechweise, mittlerweile zwölf Jahre alte Idee vom Ruck, der durch die Gesellschaft gehen muss, so richtig.

In der Ölwelt wird die Absurdität der Vorgänge besonders deutlich, weil hier der Widerspruch zwischen wegbrechender Nachfrage, überbordendem Angebot und dennoch steigenden Preisen so leicht beurteilbar ist. Die Preise entstehen spekulativ. Spekulation blickt in die Zukunft. Dort steht aber keineswegs, dass das Angebot in Kürze knapp wird. Diese Aussage folgt lediglich dem Modell vom ewigen Wirtschaftswachstum und vom unreflektiertem Konsumismus. Und sie setzt voraus, dass dieses Modell bald wieder flott gemacht ist. Genau daran darf man aber zweifeln. Die Wirtschaft kommt möglicherweise lange nicht in den alten Tritt. Und während man daran arbeitet, könnten sich die Gesellschaften doch noch nachhaltig verändern. Am Ende bräuchten sie möglicherweise gar nicht so viel fossile Energie, wie heute prognostiziert wird. Die Entwicklung ist allemal spannend und sie ist kaum vorhersehbar. Deshalb wäre die Positionierung der Spekulanten auf steigende Ölpreise nichts anderes als pures Lottospielen. Der Unterschied zum reinen Glückspiel besteht allerdings im Schneeballeffekt. Wer den Ball wirft, kann auf gewaltige Mitnahmegewinne hoffen. Das funktioniert dann, wenn der Ballwerfer die Mechanismen der Schneeballbildung beherrscht. Im normalen Leben sind Schneeballsysteme zu Recht verboten. In der Finanzwelt schaut man nicht so genau hin.

Und die Moral der Geschichte ist, dass die Ölpreisentwicklung nicht vorhersehbar ist, dass diese aber in überschaubarer Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit aufwärts tendieren wird. Heute Morgen folgt die Börse bereits wieder dem bullischen Trend. Die Tonne Gasöl kostet 551 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 69,15 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,69 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise steigen. Sie folgen der weltweiten Preisbildung. Der Dollar hält heute Morgen ein wenig dagegen. Es deutet vieles darauf hin, dass sich der im Mai begonnene Aufwärtstrend mittelfristig fortsetzen wird. Wenn es überhaupt zu einer Umkehr kommen sollte, dann wird diese mit niederschmetternden Meldungen des globalen Wirtschaftslebens in Zusammenhang stehen. Die Notwenigkeit, sich mit der Effizienz des eigenen Wärmehaushalts auseinander zu setzen, wird wieder unterstrichen. Als Einstieg in das Thema bieten wir unser kostenloses Tool www.esytrol.com an.

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