Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Bioöl - ein Sommermärchen

Ist es Zukunft oder ist es eine Sackgasse? Löst es Probleme oder schafft es welche? Bioöl polarisiert. Insofern ist es für Talkrunden und Sommerlöcher bestens geeignet. Politik sollte man damit nicht machen. Aber genau das versteht die politische Klasse nicht. Sie schafft es immer wieder, Gesetze und Verordnungen zu erlassen, die der Show aber nicht der Sache dienen. So ist es naheliegend, dass sich Leute aus der eigenen Reihe anschicken, eine bessere Show mit dem verkorksten Thema zu inszenieren.

Was soll die Zwangsbeimischung von Biokomponenten im Kraftstoff und die Pflicht, Bioheizöl nach einer Heizungsmodernisierung verwenden zu müssen (gilt derzeit nur in Baden Württemberg)? Vater des Gedanken war es, dem Klima weniger Schaden zuzufügen. So jedenfalls wird es heute dem Wahlvolk verkauft. Im Prinzip kommt das auch gut an. Im Konkreten wird es aber nicht goutiert. Ob die Ablehnung aus Gefahren für die Aggregattechnik (Motoren, Brenner) oder aus der „Tank gegen Teller Diskussion“ erwächst, wissen wir nicht. Wahrscheinlich ist es eine Gemengelage. Jedenfalls sind Verbraucher nicht überzeugt, dass die politische Vorgabe zur Umweltverbesserung taugt. So wie es läuft, taugt sie tatsächlich nicht dazu. Und der Grund für die Einführung stimmt auch nicht. Die Beimischung war als Agrarhilfe gedacht, um unzureichend ausgelasteten Bauern ein zusätzliches Einkommen zu ermöglichen. Das heißt aber nicht, dass Bioöl grundsätzlich Murks ist.

Die Nutzung von Biokraftstoff hat eine lange Geschichte. Carl Benz und Rudolf Diesel betrieben ihre Motoren ursprünglich damit. Kraftstoff aus Erdöl kam erst später zum Einsatz. Er verdrängte den Sprit vom Acker, weil er billiger war. Nun, da das billige Erdöl weitgehend verbraucht ist, wird Bioöl wieder attraktiv. Das ist nicht erst seit gestern so. Pflanzenöl spielt spätestens seit Ende der 1990er Jahre eine wichtige Rolle für die globale Ölversorgung. Das mineralische Angebot wird damit aufgefüllt, um die Nachfrage zu decken. Sein Anteil am Gesamtverbrauch wuchs innerhalb von 15 Jahren von rund zwei Prozent auf sechs Prozent. Dort, wo Bioöl industriell produziert wird, kommt niemand auf die Idee, die Sache als Dienst an der Umwelt zu sehen. Es ist das gleiche brutale Geschäft wie beim Mineralöl. Hier dreht sich alles um Big Money. Den Umweltgedanken brachten Kommunikationsprofis der Marketingabteilungen ins Spiel. Politiker nahmen ihn willig auf.

Das Problem mit dem Öl ist die menschliche Sucht danach. Es wird tendenziell mehr gebraucht als zur Verfügung steht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sucht aus der Erde oder vom Acker bedient wird. Sie wird immer Schaden anrichten. Das Erdöl hinterlässt seine Spuren in der Atmosphäre. Das Bioöl macht Böden und Artenvielfalt kaputt, es sei denn, seine Herstellung erfolgt nachhaltig. Das funktioniert allerdings nicht in den Mengen, die die Menschheit heute benötigt. Würde sie ihren Bedarf auf ein angemessenes Maß senken, könnte sie auch weiterhin Erdöl verwenden. In dem Fall wären weder das Aufkommen noch der Rückstand in der Atmosphäre problematisch.

Der Umgang mit Energie und anderen Ressourcen offenbart nach wie vor eine grundlegende Erkenntnisschwäche. Es wird nicht sauber zwischen Angebot und Nachfrage unterschieden. Die notwendige Steuerung des Komplexes ist fast ausschließlich auf das Angebot fokussiert. Eine Einflussnahme auf die Nachfrage findet aus wirtschaftsideologischen Gründen kaum statt. Der Ersatz von fossilen Energieträgern durch Sonne, Wind, Wasser und Bio ist eine Maßnahme auf der Angebotseite. Sie dient in keiner Weise der Einsparung von Energie. Die Nachfrageseite ist davon nicht betroffen, zumindest nicht mengenmäßig. Die nötige Verhaltensänderung aufgrund des wechselhaften Aufkommens versucht man höchst technisch zu überwinden.

Ohne grundlegende Veränderung auf der Nachfrageseite wird es weder die Energiewende noch eine nachhaltige Entwicklung geben. Die Menschheit wird immer wieder auf das gleiche Problem stoßen. Sie überfordert das langfristig machbare Angebot. Erst wenn wir unsere Verbräuche im Griff haben, werden wir eine nachhaltige Versorgung aufbauen können. Dann kann Bioöl eine sehr gute Sache sein. Der Umbau der Nachfrageseite ist ein hochkomplexes Zukunftsthema, das keinen Aufschub duldet. Er erfordert die ganz menschliche Intelligenz in technischer und in sozialer Hinsicht.

Für die Preisentwicklung am Ölmarkt spielt die deutsche Bioöldiskussion keine Rolle. Hier regiert die klassische Sichtweise. Die einen hoffen auf hohen Verbrauch und knappes Angebot. Das sind die Finanzleute. Die anderen hoffen auf hohen Verbrauch und hohes Angebot. Das sind die Ölleute. Gestern waren die Finanzleute unzufrieden. Sie mussten zur Kenntnis nehmen, dass der Sturm im Golf von Mexiko weniger Schadenspotenzial hat als gewünscht. Wenn es dumm für sie läuft, wird er nicht mal ein Hurrikan werden. Die Ölpreise purzelten nach anfänglichen Gewinnen ordentlich abwärts. Die Tonne Gasöl kostet 980.75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 95,39 Dollar und in London zu 112,34 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 80,10 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Die Ölbörsen sind mit ihnen. Charttechnisch besteht nun wieder die Chance auf weiteren Preisrückgang. Große Sprünge erwarten wir von ihm nicht. Generell ist die Lage eher bullisch. Insofern raten wir bei knappem Tankinhalt dazu, einen Preisrückgang zum Kauf zu nutzen. Die Hoffnung auf den großen Preissturz kann nur bedient werden, wenn die Finanzszene wieder ihren Untergang wähnt. Dagegen setzt die Politik alle verfügbaren Mittel ein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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