Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Da sind Menschen hinter dem Preis

Der Ölstrom aus Libyen ist zum Rinnsal verkommen. Dem Markt fehlen fast 1,5 Mio. Barrel pro Tag. Diese werden zu einem Drittel durch Öl aus Saudi Arabien ersetzt. Auch Kuwait will helfen und seine Förderung steigern. Trotz des aktuellen Nettoverlustes sind bisher keine Engpässe aufgelaufen. Die Versorgung ist auskömmlich. Daran konnte nie ein Zweifel bestehen, solange der Ausfall auf Libyen beschränkt bleibt. Schließlich haben die Industrieländer zum Auffangen derartiger Störungen vor fast 40 Jahren Reservesysteme eingeführt. Dass die Preisentwicklung dennoch Versorgungsängste simulierte, gehört zum freien Markt wie das Amen zur Kirche. Exzesse wie in der letzten Woche entstehen als Folge überschüssigen Geldvermögens und dem ideologischen Zwang, aus diesem weiteres Vermögen zu schöpfen. Die Preisausschläge sind mittlerweile auf ein normales Niveau zurückgekehrt. Am Fortgang des Aufwärtstrends ändert das nichts.

Die Ölanlagen Libyens sind unversehrt. Sie können jederzeit wieder in Betrieb gehen. Ein Teil der Produktion läuft sogar noch. Ausfälle sind auf den Abzug und die Flucht vornehmlich ausländischer Arbeiter zurückzuführen und auf die Schließung von Häfen durch Regimegegner. Zudem behindert das Wetter derzeit die Seeschifffahrt. Das klingt beruhigend. Es wird den Ölmarkt aber kaum beruhigen. Denn aktuell ist nicht einschätzbar, ob Libyen bald den Weg zu Freiheit und wirtschaftlichem Wohlergehen finden wird oder ob dem Land Chaos und Armut drohen.

Eine ähnliche Frage ergibt sich für Tunesien. Dort, wo der Funke der Hoffnung in die arabische Welt gelangte, ist die Not groß, weil das politische Personal für den Neuanfang fehlt. Chaos würde die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung weiter verschlechtern, den Flüchtlingsstrom nach Europa beschleunigen und weiteres Öl aus dem Markt nehmen. Die Mengen sind allerdings marginal.

Anders sieht das im Fall des Omans aus. Es ist das vorerst letzte Land, in dem der Freiheitswille auf die Straße drängt. Die Ölproduktion ist dort halb so groß wie in Libyen. Sie beträgt ein Prozent des Weltaufkommens. Im Jemen, wo sich das ohnehin unsichere öffentliche Leben seit Tagen im Ausnahmezustand befindet, werden 0,4 Prozent der Weltölproduktion zu Tage gefördert. Schließlich ist da noch Ägypten, wo die Bevölkerung aus hiesiger Sicht eine Bilderbuchrevolution schaffte. Dort scheint der Ausfall im maximalen Umfang der Menge des Omans wenig wahrscheinlich zu sein. Der mögliche Produktionsverlust der erwähnten Länder würde den Ölpreis stärker aufwärts tragen als die reine Nachfragesteigerung durch die emporstrebenden Industriestaaten. Dennoch sind die Preisgefahren begrenzt.

Die eigentliche Gefahr für den Ölpreis und damit für die Weltwirtschaft besteht, wenn die großen Ölländer Saudi Arabien, der Iran aber auch Algerien als mittelgroßer Produzent auf der Agenda der Freiheit stehen. Es macht keinen Sinn, hier einen Preis des Risikos zu nennen. Das bleibt den vom Spektakel lebenden Massenmedien vorbehalten. Dass diese Gefahr besteht, ist nicht neu. Sie wurde bisher nur kaum wahrgenommen. Die inneren Spannungen in Saudi Arabien waren immer wieder kleine Randnotizen in Ölartikeln. Da wir uns hierzulande aber mehr für den Ölpreis als für die sozialen Verhältnisse in den Produktionsländern interessieren, gelangten sie nicht über den Status einer vagen Kenntnis des Bildungsbürgers hinaus. Als eben dieser Bildungsbürger, der hier schreibt, ist die den Ereignissen geschuldete Offenlegung der eigenen Ignoranz aufgrund der Fokussierung auf den Rohstoff Öl beschämend. Schön ist es hingegen festzustellen, dass die Menschen hinter dem Öl nicht nur ihre bisherigen Machthaber in die Knie zwingen, sondern uns abverlangen, ein neues Weltverständnis zu entwickeln. Die für uns und unser Land so wichtige Frage „Wie wollen wir leben?“ hat weit mehr als nur regionale Bedeutung.

Heute Morgen herrscht Ruhe in der Preisarena. Es sieht so aus, als sollten die Ölnotierungen etwas weiter zurückkommen. Wenn es so ist, wird auch das nur eine Randnotiz auf dem langen Marsch zu höheren Preisen sein. Die Tonne Gasöl kostet 946 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,07 Dollar und in London zu 111,95 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,38 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen. Die extremen Ausschläge der Börsen machten sie nicht mit. Deshalb geben sie auch nicht nach. Sie beschreiben den harten Kern des ungezügelten Preisgezappels. Und der weist stetig aufwärts. Da wir die Gefahr eines steilen Anstiegs für größer halten als die Chance auf einen nennenswerten Preisrückgang, lautet unser Rat, lieber früher als später Heizöl zu kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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