Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Das duale System

Die Welt braucht weniger Öl, weil das Japan-Desaster die globale Wirtschaft schwächt. Da die japanische Energieversorgung den Ausfall der Fukushima-Kraftwerke kompensieren muss, wird der Ölbedarf in absehbarer Zukunft steigen. Libyen fällt infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen als Öllieferant für längere Zeit aus. Aus dem Land kommt nur noch ein Drittel der bisherigen Lieferungen. Der Markt ist gut mit Öl versorgt, deshalb erhöht die OPEC die Lieferungen derzeit nicht. Eine Einschränkung der Produktion in einem weiteren Ölland wird zur Unterversorgung des Marktes führen.

Atomstrom ist für die Energieversorgung der Erde unverzichtbar. Derzeit beträgt sein Anteil rund fünf Prozent. In Deutschland brauchen wir diese Energieform länger als ursprünglich geplant, um sicher in das Zeitalter der nichtfossilen Versorgung zu gelangen. Sieben Atomkraftwerke können umgehend geschlossen werden, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Die Bereitstellung eines ausreichenden Energieangebots stellt für die moderne Industriegesellschaft eine großtechnische Herausforderung dar, die von ihren Bürgern eine gewisse Risikoakzeptanz verlangt. Technisch beherrscht man heutzutage Großtechnologien so gut, dass sie praktisch risikofrei angewendet werden können. Die rechnerischen Eintrittswahrscheinlichkeiten von schwersten Störungen liegen in Zeitspannen von mehreren tausend Jahren.

Die Ölvorkommen in Nordafrika und in der arabischen Welt ermöglichten vielen Staaten den Aufstieg zu beneidenswert reichen Volkswirtschaften. Wir sind besorgt darüber, dass die Flüchtlingsbewegungen aus diesen Regionen die Aufnahmefähigkeiten Europas übersteigen. Es ist unser Interesse, dass alle Menschen in einem ähnlichen Wohlstand leben können wie wir, das heißt, wie knapp 20 Prozent der Menschheit in den OECD-Staaten. Diese Menschen verbrauchen rund 54 Prozent des weltweit geförderten Öls. Um alle Menschen teilhaben zu lassen, müssen wir die Ölförderung verdreifachen. Knapp die Hälfte des ursprünglichen Rohölbestands der Erde ist heute verbraucht. Das leicht erreichbare Öl ist zu zwei Drittel ausgebeutet. Die großen Ölmengen wurden in den letzten 70 Jahren entnommen. Die Verfügbarkeitsdauer von Natururan zur Nutzung in Atomkraftwerken ist bei dem heutigen Verbrauch vergleichbar mit der von Öl. Sie beträgt rund 50 Jahre. Das Gefährdungspotenzial für höher entwickelte Lebewesen nach der energetischen Nutzung von Uran überdauert mehr als 100.000 Jahre.

Der Finanzbedarf für eine konsequent regenerative Energieversorgung würde unsere Volkswirtschaften aus dem ohnehin labilen Gleichgewicht werfen. Deutliche Rückschritte in den Wachstumsraten wären die Folge. Nach den staatlichen Hilfsmaßnahmen zur Rettung der Finanzindustrie ist Wirtschaftswachstum dringend geboten, um die Staatsverschuldungen zurückzufahren. Durch den enormen Erfolg der Finanzindustrie in den letzten Jahrzehnten ist das globale Finanzvermögen so stark gestiegen, dass es den Wert aller Güter und Dienstleistungen auf der Erde deutlich übersteigt. Damit das Finanzsystem funktioniert, müssen Guthaben und Schulden im Gleichgewicht stehen. Hinter den enormen Finanzguthaben müssen systembedingt Finanzschulden in gleicher Höhe existieren. Das Zurückfahren von Schulden auf der einen Seite bedeutet das Senken der Guthaben auf der anderen Seite.

Ein ausreichendes Energieangebot ist die Grundvoraussetzung zum Aufbau einer prosperierenden Volkswirtschaft. Das Angebot muss die Nachfrage decken. Zwei Drittel der Energie zur Stromerzeugung gehen als Abwärme in die Umwelt. Drei Viertel des deutschen Energiebedarfs wird für Verkehr, Haushalt und Gewerbe aufgewendet. Zwei Drittel der hier verbrauchten Energie wird nach heutigem Wissen verschwendet. Durch technischen und kulturellen Wandel können wir die Nachfrageseite halbieren.

Die Kette von Widersprüchen in dem, was wir für gutes Wissen halten, ließe sich beliebig verlängern. Diese Kette macht deutlich, dass es immer einen Grund für irgendeine Preisbewegung im Öl- und Energiemarkt gibt und dass jedwede Maßnahme in den Energie- und Finanzmärkten auf politischen Entscheidungen beruht, dass diese aber in gar keinem Fall alternativlos sind. Die Kette zeigt, dass nicht nur fundiertes Fachwissen zur Entwicklung moderner Gesellschaften gefragt ist, sondern Philosophie, Kontemplation und Empathie mindestens gleichgewichtig dazugehören. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn die jüngsten Ereignisse die Bedeutung letztgenannter Kompetenzen aufwerteten. Das würde nicht zuletzt der bürgerlichen Partizipation am Gestaltungsprozess unserer Gesellschaft zugute kommen.

Bei der Preisbildung am Ölmarkt gibt es keine Partizipation, es sei denn, man verfügt über ein Finanzvermögen, das dem Wert des täglich gehandelten Öls ungefähr entspricht. Heute Morgen halten sich sämtliche Notierungen auf dem gestrigen Schlussniveau. Der Dollar gibt weiter nach. Die Tonne Gasöl kostet 986,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,27 und in London zu 114,45 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,23 Eurocent.

Unsere Heizölpreise geben nach. Insgesamt halten sie sich, dem schwachen Dollar sei Dank, seit Anfang März auf einem einigermaßen konstanten Niveau. Aktuell tendieren sie sogar etwas schwächer. Vom Ölmarkt kommt nach unserer Meinung keine Entspannung. Die könnte allenfalls vom Devisenmarkt kommen. Damit gäbe es ein wenig Abwärtspotenzial. Die Unruhe in der arabischen Welt kann den Ölmarkt allerdings jeden Moment wieder in die Höhe schnellen lassen. Aus diesem Grund geben wir nicht den Rat, mit dem Kauf zu warten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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