Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Deepwater wirkt auf Ölpreis

Die US-Regierung untersagt einstweilen alle Ölbohrungen vor der Küste ihres Landes. Das Verbot überraschte die Finanzszene. Sie setzte es in steigende Ölnotierungen um. Bisher mussten nur Tiefwasserbohrungen ausgesetzt werden. Nun werden auch Seichtwasserexplorationen bis zu einer Tiefe von 500 Meter gestoppt. Die Ausweitung des Verbots sollte von kurzer Dauer sein. Sobald eine Einigung über neue Sicherheitsstandards erzielt wird, werden die flachen Wassergebiete wieder freigegeben. Für tiefe Gewässer ist der Stopp auf mindestens sechs Monate anberaumt.

Die Katastrophe im Golf von Mexiko wurde an der Börse bisher kaum gehandelt. Langsam gewinnt sie Einfluss. Dieser wird nicht sehr stark, dafür aber langfristig wirken. Denn die Ereignisse offenbaren ein fundamentales Problem börsennotierter Ölgesellschaften. Und sie rücken einmal mehr die Grenzwertigkeit energie- und rohstoffhungriger Wirtschaftmodelle in den Fokus.

Die bekannten Ölfirmen, ExxonMobile, Shell, BP, Total, ConocoPhillips und andere, haben einige Gemeinsamkeiten. Sie sind private Gesellschaften. Sie sind in ihrer Bedeutung für das weltweite Ölaufkommen eher gering. Sie fördern Öl unter deutlich höheren Schwierigkeiten als ihre staatliche Konkurrenz in Saudi Arabien, Russland, Iran, Irak, Venezuela etc. Die hat noch breiten Zugang zu konventionellen Quellen. Sie befinden sich üblicherweise an Land oder im flachen Wasser. Allerdings sind diese Quellen Auslaufmodelle. Ihr Auslaufen wird sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Öl aus unkonventionellen Quellen in tiefen Gewässern oder Ölsänden zu fördern, ist eine technische Herausforderung, die das Attribut unbeherrschbar vertragen muss. Diese Botschaft kann man den Statements des frustrierten BP-Chefs Tony Hayward entnehmen. Der Mann, seine Gesellschaft und mit ihr die gesamte private Ölbranche stehen unter enormen Druck. Dieser Druck schweißt zusammen. Die Konkurrenten kämpfen mittlerweile gemeinsam gegen das Monsterproblem, das „Deepwater Horizon“ verursacht hat. Eine Lösung haben sie noch nicht gefunden. Die Katastrophe fördert immerhin die Einsicht, dass die Zukunft der privaten Ölgesellschaften außerordentlich risikobehaftet ist.

Gleiches gilt für die staatlichen Unternehmen. Die mussten sich nur noch nicht so intensiv mit der Frage beschäftigen. Indem das Risiko für Mensch und Umwelt mit dem Zwang zur Förderung aus unkonventionellen Quellen steigt, offenbart sich für die Öl- und Rohstoffwelt ein ähnlicher Zustand wie der der Finanzindustrie. Dass diese Industrie einen fortwährend riskanten Tanz auf dem Seil veranstaltet, wurde durch die Finanzkrise selbst desinteressierten Bürgern klar. Mit der Ölbranche ist nun der nächste Wirtschaftssektor in den öffentlich erkennbaren Kreis von Risikokandidaten getreten. Es wird nicht die letzte Branche sein, die in diesem Kreis auftaucht. Man kann und muss daran arbeiten, die Risiken dieser Branchen zu reduzieren. Mehr als das, ist es allerdings angezeigt, das Wirtschaftsmodell des grenzenlosen Konsumwachstums, das die Risiken erst erzwingt, zu hinterfragen. Statt im überkommenen Modell zu reparieren, ist das phantasievolle Kreieren neuer Wirtschafts- und Lebensmodelle von Nöten. Noch steht das neoklassische Wirtschaftsmodell insbesondere in der Politik hoch im Kurs. Die Scheuklappen, die das Sinken seines Kurswerts verbergen, müssen immer größer werden. Der Fall Köhler zeigt, dass das Volk eher bereit ist, diese Scheuklappen abzulegen als die arrivierte politische Gesellschaft.

Der Kurs der Ölnotierungen bekam gestern durch ein weiteres bullisches Element Unterstützung, die US-Bestandsdaten. Sie signalisieren eine Verbrauchssteigerung. Die wurde von Finanzjongleuren sehnsüchtig erwartet. Ihnen ist die für eine nachhaltig stabile Wirtschaftsentwicklung so wichtige gegenteilige Notwendigkeit, der kontinuierlich sinkende Verbrauch, im Arbeitsalltag gleichgültig. Im nichtamtlichen Auftreten der Finanzindustrie ist Selbstkritik und Kritik am herrschen neoklassischen Modell allerdings schon zu hören. Zum Bestandsthema gaben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) Folgendes zu Protokoll:

Rohöl: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 4,0 (DOE) bzw. 1,5 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die US-Raffinerieauslastung steht weiterhin bei 88 Prozent.

Heute Morgen werden die gestrigen Gewinne gehalten. Weitere Aufwärtsschritte der Notierungen sind wahrscheinlich. Es werden ganz klassische Hoffnungen gehandelt. Die Konjunktur möge die Nachfrage nach Öl steigern. Diese Hoffnungen sind allerdings mit starken Zweifeln durchsetzt. Die Tonne Gasöl kostet 642,50 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 74,61 Dollar. Der US-Dollar wird zu 82,11 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise ziehen weiter an. Ölnotierungen und Dollar treiben sie vor sich her. Die Tatsache, dass der Dollar trotz steigender Ölkurse zulegt, kann man als Zeichen von Unsicherheit an den Börsen verstehen. Da wird so etwas wie ein sicherer Hafen gesucht. Der Dollar repräsentiert diesen für Spekulanten. Mit der realen Wirtschaftskraft oder -schwäche hinter der Währung hat das nichts zu tun. Aus der kurzfristigen Stimmungslage an den Börsen muss man für die kommenden Tage auf weitere Steigerung der Heizölpreise schließen. Eine Umkehrung der Preisrichtung ist sicher nicht aufgehoben, aber zunächst verschoben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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