Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Der Markt versagt

Geschichte verläuft in Wellen. Bis in die 1970er Jahre gab es einen weltweit verbreiteten Hang, einen Staat nicht nur mit politischer sondern auch mit wirtschaftlicher Macht auszustatten. Dieser Hang entsprang einer auf Gerechtigkeit fußenden Regulierungsidee gegenüber einem als ungerecht empfundenen Markt. Die Rede ist nicht von kommunistischen Staaten und Experimenten. Die Rede ist von den sogenannten kapitalistischen Ländern westlicher Prägung. Zu ihnen gehören fast alle EU-Staaten, die USA und viele Schwellenländer. Damals wurde immer offensichtlicher, dass staatliche Wirtschaften die Bedürfnisse der Menschen nicht mehr ausreichend befriedigen konnten. In der Folge entwickelte sich eine gewaltige, weltumspannende Welle von Deregulierung und Privatisierung. Sie entfesselte Märkte und sorgte für einen sprunghaften Anstieg von Wohlstand. Der basiert bis heute auf der intensiven Nutzung von Ressourcen aus der Erde, vor allen Dingen auf der Nutzung von Erdöl. Vor 40 Jahren verwendete nur ein kleiner Teil der Menschheit Öl. Heute ist die Bevölkerung fast doppelt so groß wie damals und fast alle wollen Öl. Allein aus dieser Tatsache wird deutlich, dass Öl nicht mehr den gleichen Preis wie vor 40 oder 20 Jahren haben kann und diesen Preis auch nicht mehr bekommen wird.

Die Marktentwicklung der letzten 40 Jahre war eine Erfolgsgeschichte. Nun bedroht der Erfolg allerdings breite Schichten der Menschheit. Die Gruppe der Verlierer wächst rasant. Die Gewinner kennen keinen natürlichen Weg, die Verlierer mit ins Boot zu holen. Ihre Gewinne werden nicht für regulierende Maßnahmen sondern vornehmlich für gewinnkumulierende Maßnahmen verwendet. Bestes Beispiel hierfür ist die aktuelle Situation bei der Ölpreisbildung. Die Preise werden nicht zuletzt dadurch in die Höhe getrieben, dass verdientes Geld weiteren Investitionen in die Energiewirtschaft entzogen wird, statt damit die Grundlage für breiteren Wohlstand zu schaffen. Das Geld wird für vollkommen unproduktive Spekulation genutzt, anstatt Energieflüsse in die Breite zu tragen. Und dort wo es in kurzfristig gewinnbringende Ideen angelegt wird, droht es Ungerechtigkeit zu steigern, anstatt diese zu senken. Energie vom Acker ist hierfür ein Beispiel. Diese ist auf dem schlechten Weg, einem weiteren Teil der Menschheit die Nahrung zu entziehen, damit ein anderer Teil ihrem „Weiter so“ frönen kann. Mittlerweile ist das Problem eines unregulierten Energiebedarfs so groß, dass es keine Regierung und Nichtregierungsorganisation mehr unbeachtet lässt. Selbst die größten Enthusiasten und Profiteure der Marktwirtschaft erkennen, dass das Problem nicht allein vom Markt gelöst wird. Der Ruf nach dem Staat wird immer lauter.

Aktuell kommt er von Shell. Das Unternehmen macht sich regelmäßig über die künftige Energieversorgung Gedanken. Das geschieht in Form von Szenarienstudien. Die letzte Studie stellte zwei Szenarien gegenüber. Ein Szenario nennt sich „rücksichtsloser Wettbewerb“. Dabei wird die Energienachfrage bis zum Jahr 2050 doppelt so hoch sein wie heute. Das Angebot an Öl und Gas wird ab 2015 nicht mehr ausreichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Die CO2-Emmissionen werden gegenüber dem Jahr 2000 nicht sinken. Die Sicherung der Energieressourcen wird zunehmend eine militärische Aufgabe. Kohle erfährt eine Renaissance und Bioenergie einen Aufschwung. Effizienz und Umweltschutz finden kaum statt. Die Menschheit gerät in eine Katastrophe, die drastische Maßnahmen erfordert. Ein anderes Szenario von Shell nennt sich „geplante Entwicklung“. Es verlässt die Marktidee als reine Lehre. Zusammenarbeit von Staaten und Privatsektor werden zur gestaltenden Grundlage. Regierungen setzen Effizienzstandards. Ihre Umsetzung wird über Steuern und Verordnungen betrieben. CO2-Emmissionen werden über Regeln und Handelsmechanismen, die ihren Preis in die Höhe treiben, gesenkt. Der höhere Preis für Energie treibt Innovation voran. Shell bevorzugt „geplante Entwicklung“. Aber das Unternehmen betont, dass sie nur real wird, wenn Politik gestaltende Macht annimmt und anwendet. Diese Macht muss in die Bereiche Gebäudesanierung und Wärme, Stromerzeugung und Industrie sowie Verkehr spürbar eingreifen. Eines fordert Shell allerdings nicht, den mächtigen Eingriff in ein außer Rand und Band geratenes Finanzsystem, das Geld zumindest aktuell von innovativen Prozessen fern hält und daraus dennoch Gewinne erzielt.

Zynisch betrachtet könnte man diesen Umstand dem Gerechtigkeitsverständnis einer saturierten Welt zuschreiben. Aber Zynismus ist kein guter Wegbereiter für einen überfälligen Veränderungsprozess. „Rücksichtsloser Wettbewerb“ bringt uns nicht weiter. Die Welle der Geschichte wird wohl wieder zu mehr Staat führen. Dabei ist gerade das so wichtige Thema Effizienz eins, das vom Individuum maßgeblich gestaltet werden kann. Dazu müssen allerdings Werte neu definiert werden. Nicht das größte Haus sondern das effizienteste Haus, nicht das dickste Auto sondern das sparsamste Auto, nicht die Dauerkommunikation sondern die sinnvolle Kommunikation müssen positive Emotionen wecken. Die Veränderung sollte so schwierig nicht sein, da sie den Wohlstand nicht in Frage stellt. Die Frage ist vielmehr, ob wir sie schnell genug vollziehen können, um eben diesen Wohlstand nicht von anderen in Frage gestellt zu bekommen.

Heute Morgen ist am Ölmarkt wieder rücksichtloser Wettbewerb angesagt. Nachdem er zuletzt die Gasölpreise traf, ist die Steigerung nun wieder auf Rohöl konzentriert. Die Tonne Gasöl kostet 1040,50 $. Sie war in der letzten Woche schon teurer. Das Barrel Rohöl kostet in New York 112,16 $.

Unsere Heizölpreise halten sich ganz oben. Der, wenn auch geringe aber immerhin mögliche, Abschwung blieb aus. Nun folgt das, was zu erwarten war. Heizöl wird teurer. Allenfalls die Geschwindigkeit des Aufwärtstrends könnte sinken. Kleine Preiseinbrüche sind möglich, aber kaum vorhersehbar und damit auch nicht kalkulierbar. Heizöl wird sich, wie das gesamte Energiethema, mehr zu einer Effizienz- als zu einer Preisdiskussion entwickeln. Die Frage, wie wenig es sein kann, wird den Spareffekt bringen. Wir erinnern in diesem Zusammenhang wieder an www.esytrol.com.

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