Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Der gerechte Preis

Der Ölpreis fällt. Das gilt kurzfristig. Mittelfristig wird er wahrscheinlich einer Seitwärtsbewegung folgen. Langfristig steigt der Preis. Die Aussagen beinhalten nichts wirklich Neues. Woher sollten Neuigkeiten auch kommen? Dem Markt stehen relativ gleich klingende Informationen zur Verfügung. Diese werden tageweise unterschiedlich bewertet. Aktuell haben die kritischen Interpretationen Konjunktur. Diese lassen sich in der Erwartung zusammenfassen, dass die wirtschaftliche Erholung nicht so schnell erfolgen wird, wie die Kursentwicklung an den Spekulationsmärkten dies ausdrückte. Jetzt müssen die Kurse angepasst werden. Verbraucher wird es interessieren, zu welchem Ölpreis die Anpassung führen wird. Klare Aussage hierzu, das weiß niemand. Darüber darf spekuliert werden.

Zur Spekulation gibt es ein paar Orientierungsgrößen. Da ist zum einen der Tiefpreis am Jahresanfang. Rohöl kostete rund 35 Dollar pro Barrel. Diese Information allein ist mangelhaft. Man muss wissen, dass sie sich auf die Sorte WTI (West Texas Intermediate) bezieht. Zur gleichen Zeit kostete die Sorte Brent 45 Dollar. Während eines kurzes Moments Ende Dezember 2008 wurden beide Sorten zu Preisen unter 40 Dollar gehandelt. Zum anderen sind die Höchstpreise des Jahres interessant. Auch hierfür sind zwei Zeitpunkte zu nennen. Das plausible Hoch der beiden Sorten trat im Juni bei rund 72 Dollar ein. Das absolute Hoch betrifft die Sorte Brent. Sie wurde in der ersten Augustwoche mit über 75 Dollar gehandelt, während WTI 72 Dollar erreichte. Aktuell ist Rohöl knapp sieben Prozent günstiger. Ein weiterer Anhaltspunkt ist das Preishoch aus dem Vorjahr. Es trat Anfang Juli mit Preisen von über 145 Dollar auf. Heute gilt als sicher, dass diese Preise die Folge heftiger Finanzspekulation waren. Es wird sogar von Manipulationen gesprochen. Am Einfluss der spekulativ eingestellten Finanzbranche auf die Ölpreise hat sich nur wenig geändert. Insbesondere die im Verhältnis zum Marktvolumen hohen Mittel existieren weiter. Dafür haben die Bankenrettungspakete der Staaten gesorgt. Die Gefahr der als irregulär empfundenen Preissteigerungen besteht unverändert fort. Auf regulatorische Maßnahmen durch die Aufsichtsbehörde in den USA reagieren die Spekulanten, indem sie auf andere Ölpapiere ausweichen, die nicht im Fokus der Aufsicht stehen.

Eine andere Frage lautet, was kostet Öl? Man kann auch fragen, welchen Preis benötigen die Lieferanten, um auskömmlich Öl zu fördern? Dieser Preis ist unterschiedlich. Saudi Arabien benötigt mit Sicherheit den geringsten Preis. Aber selbst dieser wird mit 50 Dollar pro Barrel angegeben. Das ist mehr als der Jahrestiefstpreis. Venezuela braucht rund 100 Dollar pro Barrel. Alle anderen Lieferanten liegen zwischen diesen Eckwerten. Es sei dahingestellt, ob die angegebenen Preise durch betriebswirtschaftliche Maßnahmen senkbar sind. Allem Anschein nach befanden sich die Preise im Moment der Jahreshöchstwerte (75 Dollar pro Barrel) in einem Bereich, der zumindest im Mittel aller Anbieter als annähernd fair verstanden werden konnte. Da die Nachfrage derzeit bekanntermaßen gering und das Angebot hoch ist, entspricht dieser Preis aber nicht der Ausgewogenheitsvorstellung der Verbraucher. Sie erwarten tiefere Preise.

Hier stellt sich nun die Frage nach dem gerechten Preis. Als gerecht wird ein Preis bezeichnet, der die Interessen beider Handelspartner ausgewogen erfüllt, ohne Auswüchse von Eigensucht und Gewinnstreben zuzulassen. Diese ideale Vorstellung der Preisbildung ist so alt wie die Warenpreisbildung selbst. Sie ist eine moralische, die das Wohl der Gesellschaft beachtet. Der gerechte Preis ist variabel. Die Anpassung an sich ändernde Bedingungen zum Erlangen der Ware ist ebenfalls gerecht. Alternativ zur Selbstjustierung des gerechten Preises durch den Markt wurde mit Taxierung und Regulierung gearbeitet. Keine Spielart überlebte. Im 16. Jahrhundert brach die Lehre vom gerechten Preis zusammen. Seit der Zeit gilt die ungezügelte Gewinnsucht als in der Natur des Menschen liegend. Ihren gedanklichen Ursprung hatte die Ablehnung aller Beschränkungen in England. Daraus wurde in der westlichen Welt die bis heute favorisierte und mehrfach renovierte Wirtschaftslehre entwickelt. Sie legitimiert den unsozialen Charakter von Preisen. Selbst wenn die heutige Politik nach dem teilweisen Zusammenbruch des Finanzsystems willens gewesen wäre, die Auswüchse von gewinnsüchtiger Preisbildung zu beseitigen, wäre ihr Handeln erfolglos geblieben, weil es keine politisch durchsetzbare Lehre für ein anderes Wirtschaften gibt. Nach wie vor gilt die ungezügelte Gewinnsucht als menschliche Natur. Angesichts einer immer enger werdenden Welt ist es überfällig, mit den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Ideen menschlichen Zusammenseins aufzuräumen. Diese Ideen sollten die Ausbeutung einer als unendlich erscheinenden Welt befördern. Das taten sie. Sie haben funktioniert. Nun haben sie ausgedient. Etwas Neues muss her.

Etwas Neues ist nicht in Sicht. Es bleibt beim Alten. Es bleibt bei der versuchten Manipulation der Ölpreise. Bisweilen wird diese gelingen. Dann steigen die Preise übermäßig stark an. Aktuell ist das kaum der Fall. Gleichwohl spürt man heute Morgen bereits wieder den Auftrieb. Der kurzfristige Trend steht dem entgegen. Er sollte noch halten. Die Tonne Gasöl kostet 568 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 67,34 und in London 70,90 Dollar. Der US-Dollar wird zu 70,81 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise geben nach. Sie machen die Gegenbewegung zum jüngsten Aufwärtstrend mit. Einen weiteren Rückgang halten wir für möglich. Insgesamt erwarten wir über Monate hinweg eine Bewegung um das aktuelle Niveau. Am Ende wird sich das Gewinnstreben der betuchten Spekulanten aber durchsetzen und die Preise weiter in die Höhe treiben. Deswegen ist es sinnvoll, den eigenen Verbrauch zu reduzieren. Das reduziert die Empfindlichkeit gegen Preisexzesse. Eine erste Hilfestellung in Sachen Verbrauch erhalten Sie mit dem kostenlosen Logbuch für den Heizölverbrauch.

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