Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Die Entdeckung der Stabilität

Ein Blick auf diesen Heizölchart bringt Erstaunliches zu Tage. Wir erleben eine Zeit außergewöhnlicher Stabilität. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus der Preisentwicklung der letzten sechs Monate. Sie stimmt wahrscheinlich nicht mit unserem Gefühl für gesellschaftliche Prozesse überein. Das Attribut stabil würde bei einer Befragung eher selten fallen. Aus Sicht eines US-Amerikaners leben wir in bewegten Zeiten. Das zeigen Öl- und Dollarnotierungen. Beide schwingen kräftig. Gleichwohl muss auch unser amerikanischer Freund ein gewisses Maß an Stabilität anerkennen. Im Jahresverlauf konnte der Rohölpreis seinen Seitwärtstrend nicht überwinden. Und selbst der bisweilen zu crashen geglaubte Dollar befindet sich derzeit in der Mitte seiner Jahresspanne.

Die Grundlage für die Preisstabilität findet man in der entspannten Versorgungslage am Ölmarkt. Diese ist in der Tat stabil. Ein Ende lässt sich für den Fall erahnen, dass die Wirtschaft rasant wächst. Hingegen wird die Versorgung bei einem moderaten Wachstum auf absehbare Zeit problemlos bleiben. Namhafte OPEC-Mitglieder bezifferten den wünschenswerten Ölpreis vor Kurzem noch mit 70-80 Dollar pro Barrel. Auf Grund des Dollerrückgangs der letzten Monate hoben sie die Spanne auf 70-90 Dollar an. Es handelt sich um eine Kompensation, nicht um eine Anhebung der Preisnennung. Nichts deutet derzeit darauf hin, dass diese Handelsspanne in Frage steht.

Die Finanzszene hat wenig Freude an der stabilen Lage. Darunter leiden ihre Gewinne. Immer wieder gibt es Versuche die Ölpreise aus dem Seitwärtstrend herauszubugsieren. Mal geschieht es mit Finanzkraft an den Börsen, mal mit vermeintlicher Sachkenntnis über die Medien. Geglückt ist es bisher nicht, wenn man von der leichten Überhöhung um rund zehn Prozent absieht, die als Investmentpreis im Öl angenommen werden darf. Angesicht der Tatsache, dass das Finanzsystem durch staatliche Rettungsmaßnahmen mit sehr viel überschüssiger Liquidität ausgestattet wurde, ist das ein erträglicher Effekt. Es hätte sehr viel schlimmer kommen können.

Im Kreis der Heizölverbraucher ist es üblich, den Preis als zu hoch zu beschimpfen. Dabei bezieht man sich auf frühere Zeiten, in denen Heizöl tatsächlich weniger kostete. So viel billiger wie angenommen war es nicht. Im Mittel lag der inflationsbereinigte Preis in den letzten 35 Jahren bei 45 Eurocent pro Liter. Heute zahlt man rund 65 Eurocent. Dieser Preis ist unter anderem durch die deutlich erhöhten Kosten der Förderung in den letzten Jahren begründet. Diese Kosten werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Öl muss aus immer schwierigeren Umgebungen zu Tage gefördert werden. Eine Preisexplosion lässt sich daraus aber nicht ableiten. Die kann nur aus einer ungezügelten Nachfrage gepaart mit unregulierten Finanzmarktaktivitäten entstehen. Als Kosten für den Privathaushalt machte sich die Teuerung von 45 auf 65 Eurocent übrigens nur reduziert bemerkbar. In den letzten zehn Jahren senkten Verbraucher ihren Bedarf um rund 20 Prozent mit Hilfe von Dämmmaßnahmen und neuen Heizungen. Der Unmut über die Ölpreise sollte den Blick vor der Realität nicht verstellen. Im Vergleich zu Strom verläuft die Steigerung beim Öl moderat.

Mehr als die Preissteigerung für Energie zu geißeln, sollte man die Einkommensentwicklung beklagen. Hier ist etwas faul im Staate Deutschland. Das Land bzw. seine Bewohner sind reich und sie werden immer reicher. Gleichwohl nimmt der Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten relativ zum Bundesdurchschnitt ab. Der Grund für diesen unbefriedigenden Umstand liegt in der Tatsache, dass ein Großteil der Einkommen als Kapitaleinkommen generiert wird. Das betrifft eine kleine aber einflussreiche Gruppe Vermögender in unserem Land, die mit Kreditvergabe mehr Geld verdienen, als mit Erwerbsarbeit jemals verdient werden kann. Zwischen 1991 und 2009 nahm das Privatvermögen um 1,8 Billionen Euro zu. Den Löwenanteil strichen wenige Bundesbürger ein. Im gleichen Zeitraum schafften die Banken den vergleichsweise schwachen Zuwachs von 258 Milliarden Euro. Wer hätte gedacht, dass die Banken nicht Spitze sind? Auf der anderen Seite der Vermögenden stehen die Schuldner. Das sind Unternehmen, die nicht der Finanzszene angehören. Das ist der Staat. Und das ist das Ausland. Der Staat nahm zwischen 1991 und 2009 bei seinen deutschen Gläubigern 888 Milliarden Euro Kredite auf. Das Ausland brachte es auf ein Kreditvolumen von 749 Milliarden Euro aus Deutschland.

Die Zahlen machen Folgendes deutlich: Zu Wenige verfügen hierzulande über zu viel Vermögen und umgekehrt. Der hoch verschuldete Staat ist von den Wenigen abhängig. Das nimmt ihm Gestaltungsspielraum. Vor allen Dingen verhindert es ein sozial gerechtes Bildungswesen, das die Grundlage einer ausgewogenen Fortentwicklung unserer Gesellschaft ist. Die Idee, Schuldenabbau über aggressives Wirtschaftswachstum zu betreiben, das im Wesentlichen auf Exporten basiert, ist absurd. Damit treibt man das ohnehin viel zu hoch verschuldete Ausland in tiefere Verschuldung. Es wird weitere Griechenlands geben. Der Weg aus dem Dilemma kann nur über Umverteilung der Vermögen erfolgen. Umverteilung ist übrigens keine rein sozialistische Handlungsweise. Sie fand auch im Mutterland des Kapitalismus, den USA, in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg im großen Stil statt. Und sie war erfolgreich für viele Menschen und für die Gesellschaft als Ganzes.

An Umverteilung denkt an den Börsen derzeit niemand, jedenfalls nicht laut und nicht öffentlich. Die Ölpreise setzen ihren stabilen Seitwärtstrend fort. Gestern zogen sie unerwartet deutlich an, ohne dabei am Trend zu rütteln. Heute Morgen herrscht Preisruhe. Die Tonne Gasöl kostet 707,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 83,20 Dollar. Der US-Dollar wird zu 71,65 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise halten den Seitwärtstrend bemerkenswert stabil. Im Süden der Republik zogen sie in den letzten Tagen an. Teilweise geht das auf die Verknappung in Frankreich zurück. Dort ist der Streik mittlerweile beendet. Die Wirtschaft kehrt zur Normalität zurück. Das dürfte in Kürze auch für die Normalisierung der Preise in den betroffenen deutschen Regionen sorgen. Aus preislicher Sicht gibt es nach wie vor keine triftigen Kauf- oder Nichtkaufargumente. Der Impuls sollte vom Tank und seinem Füllstand kommen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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