Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Die Geschichte im Chart

Öl wurde gestern teurer. Das ist die schlechte Nachricht. Heizöl ist billiger als vor einem Jahr. Das ist die gute Nachricht. Nach den Erfahrungen der jüngeren Geschichte hat sie etwas Außergewöhnliches. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Ressource Öl Jahr für Jahr teurer wird. Da sie in der Erde nur begrenzt zur Verfügung steht und immer mehr Menschen auf sie zugreifen, ist die Teuerung sogar logisch. Aber die Logik ist durchbrochen, wie diese Langzeitgrafik der Rohölnotierungen für Brent (Nordseeöl) und WTI (Texasöl) zeigt. Die dargestellte Preisgeschichte kann in drei Phasen eingeteilt werden. Zwischen Anfang 2003 und Ende 2007 lag ein klarer Aufwärtstrend vor. Er gibt das globale Wirtschaftswachstum der Zeit wieder. Im Jahr 2008 kam es zum Fastkollaps des Geld- und Finanzsystems. Dieser deutete sich durch die exorbitante Steigerung der Ölnotierungen an und wurde mit ihrem Verfall quittiert. Mit dem Beginn der vermeintlichen Reparatur der kranken Finanzindustrie kehrte die Preisentwicklung auf den ursprünglichen Wachstumspfad zurück. Er endete, so wie die zweite Phase in der Grafik, in der ersten Jahreshälfte 2011. Seitdem bewegen sich die Notierungen mit großen Ausschlägen seitwärts.

Öl und seine Preisentwicklung eignet sich hervorragend für die Wachstumsdebatte. Das kann Wirtschaftswachstum, Wachstum von Ressourcenverbrauch oder Wohlstandswachstum sein. Durch Wachstum des Ressourcenverbrauchs lässt sich üblicherweise Wirtschaftswachstum erzeugen. Die Ressource Öl steht dabei für eine Vervielfachung der menschlichen Arbeitskraft. Bei dieser Betrachtung ist Wirtschaftswachstum als Folge steigender Produktivität quasi unvermeidlich. Öl wird aber nicht nur produktiv eingesetzt. In zeitgemäßen Formen der Automobilität oder des großzügiges Wohnens wird Öl ohne produktiven Effekt verbraucht. Diese Formen des Verbrauchswachstums können nur temporär Wirtschaftswachstum hervorbringen. Früher oder später kommt es zur Konkurrenz von Ressourcenverbrauch, der die Produktivität steigert und der sie nicht betrifft bzw. ihr die Ressourcengrundlage entzieht. Man kann die Typen auch als investierenden und konsumierenden Verbrauch bezeichnen. Diese Entwicklung gelangte in 2007 an die Grenze ihres Wachstumsvermögens. Über die fundamentale Ursächlichkeit der dann folgenden Ereignisse gibt es bis heute keine endgültige Klarheit. Ohne Zweifel sind Exzesse der Finanzwirtschaft daran wesentlich beteiligt. Beteiligt ist aber auch die Ressource Öl und der Umgang mit ihr. Das zeigen die extreme Preisbewegung in der Zeit und die damals einsetzende Peak Oil Debatte.

Seit der Beruhigung nach dem großen Knalleffekt, also ab der ersten Jahreshälfte 2011, ringen die alten Industrienationen um Wachstum. Nun wird deutlich, dass ihnen das richtige Maß zwischen investivem und konsumtivem Einsatz der Ressourcen in der jüngeren Geschichte abhanden gekommen ist. Die Störung im Geld- und Finanzsystem ist nicht zuletzt Ausdruck mangelnder Investitionsbereitschaft in zukunftsfähige Bereiche, die Produktivität steigern ohne Ressourcenverbrauch für Konsum zu steigern oder besser noch, diesen sogar zu senken. Denn letzter entzieht dem System, wie oben angedeutet, die Arbeitsgrundlage. Mangelndes Wachstum einerseits und eine Art zweite Luft der Ölgewinnung (unkonventionelles Öl) andererseits führen gegenwärtig zu einer Entspannungsphase im Ölmarkt, der ein vorläufiges Ende der Preissteigerung zu verdanken ist. Sie wird nicht ewig andauern. Spätestens in fünf Jahres sollte sie beendet sein, wenn wir bis dahin nicht die notwendige Neugewichtung der beiden Verbrauchstypen auf den Weg gebracht haben.

In einem einfachen Bild lässt sich die Aufgabe so formulieren: Mit dem zukünftigen Ressourcenverbrauch müssen Techniken hervorgebracht werden, die den menschlichen Konsum komplett auf die Nutzung regenerativer Energien und die Wiederverwendung in Umlauf befindlicher Ressourcen überführen. Die Verhinderung dieser Entwicklung beispielsweise durch Kostenrechnungen, die endliche Ressourcen billig und regenerative Energien teuer darstellen, zeugt von mangelhafter Zukunftsfähigkeit. Eine derartige Kostenrechung wird durch die Entwicklung des Geld- und Finanzsystems gegenwärtig widerlegt. In diesem System wird mangels realwirtschaftlicher Aktivitäten Preissteigerung durch Inflation zwangsweise erzeugt. Stabiles Wirtschaftswachstum kann in ferner Zukunft nicht auf Wachstum des Ressourcenverbrauchs, sondern nur auf Wachstum menschlicher Aktivität und einer akzeptablen Inflation beruhen.

Wenn sich die Menschheit auf den Weg dorthin begibt, sollte die Ölpreissteigerung der letzten Jahre Geschichte sein. Das menschliche Beharrungsvermögen wird wohl einen anderen Weg erzwingen. Deshalb sollte die gegenwärtige Ölpreisentwicklung gewürdigt werden. Heute Morgen setzt sich die übergeordnete Tendenz zum Seitwärtsgang der Preise fort. Die Tonne Gasöl kostet 938,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,12 Dollar und in London zu 111,28 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,20 Eurocent.

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Gegenüber dem letzten Preistief stehen sie gut ein Prozent höher. Gegenüber dem Vorjahr stehen sie drei Prozent tiefer. Der Ölmarkt gibt ihnen Grund, das Verhältnis zum Vorjahr eher zu verbessern als zu verschlechtern. Der Finanzmarkt hält dagegen. Er ist eine fortwährende Preissteigerungsgefahr. Es gibt keinen Grund, derzeit kein Heizöl zu kaufen. Möglicherweise gibt es aber in ein paar Wochen einen besseren Grund Heizöl zu kaufen. Der Markt bietet keine Verlässlichkeit in seiner Entwicklung. Er bietet aber immer wieder Möglichkeiten. Die sollte man nutzen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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