Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Die Medizin wirkt nicht

Das Preisfieber steigt weiter. Die aktuell gute Versorgungslage kann es nicht stoppen. Als Erreger werden die unsichere Lage in Nigeria und der Atomstreit mit dem Iran angesehen. Für die Marktkonstitution sind beide aber von geringer Bedeutung, denn es ist nicht zu erwarten, dass sie ernsthafte Versorgungslücken verursachen. Der Ölmarkt leidet derzeit eher am Rausch. Gefeiert wird, dass die Ölparty in einer unbestimmten Zukunft vorbei sein wird. Die rauschverursachende Droge ist die gierige Gewinnerwartung vieler Marktteilnehmer. Zu ihnen zählen Banken, Fonds und vor allen Dingen die Ölgesellschaften selber, die ein Teil der Spekulationsgemeinde sind. In den letzten Monaten wurde der fallende Dollar als wesentlicher Grund für steigende Ölpreise genannt. Es wurde die Idee verbreitet, dass Ölversorger zur Kompensation der Währungsverluste die Ölpreise anhoben. Nun steigt der Dollar wieder, weil man der US-Konjunktur Vertrauen zurückgibt. Die Ölpreise steigen dennoch. Es trifft eben nicht zu, dass Endverbraucherpreise von Vertragspreisen mit staatlichen Öllieferanten abhängen. Sie werden durch die Börsen bestimmt.

Die gestern veröffentlichten Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die wöchentliche Veränderung der US-Vorräte fielen erneut positiv aus. Der Trend zum Aufbau von Rohölbeständen setzt sich fort. Die Zahlen im Einzelnen:

Rohöl: +5,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,4 (DOE) bzw. 0,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe liegen in etwa auf gleichem Niveau wie in der Vorwoche. Im Vorjahr waren sie etwas höher. Die Raffinerieverfügbarkeit beträgt weiterhin 85 Prozent. Der Wert ist schwach. Er zeugt von dem schlechten technischen Zustand vieler US-Raffinerien. Daneben mehren sich die Anzeichen, dass Gesellschaften ihre Kapazitäten brach liegen lassen, weil die nachgefragten Mengen als Folge der enorm hohen Preise sinken.

Im langjährigen Vergleich zeigt sich eine sichere mittlere Bevorratungslage. Sie ist fast identisch wie vor drei Jahren und deutlich höher als vor fünf Jahren. Die Preise sind hingegen mehr als doppelt so hoch wie vor drei Jahren und viermal so hoch wie vor fünf Jahren.

Hier stellt sich die Frage nach dem Wert der Ware Öl und dem spekulativen Preisexzess. Nach aktueller ungesicherter Erkenntnislage wird Öl in einigen Jahren knapp werden. Ungesichert ist das Wissen hierüber deshalb, weil es weder belastbare Daten über die wahre Verfügbarkeit gibt noch über die langfristige Verbrauchsentwicklung. Sicher ist nur, dass Öl als Ressource endlich ist und dass die Nachfragesteigerung der letzten Jahre nicht mit den Möglichkeiten der Förderentwicklung vereinbar ist. Weiterhin kann festgestellt werden, dass der Marktpreis für Öl nie seinem Nutzwert entsprach. Das wird deutlich, wenn man den Preis einer Tasse Kaffee und einer identischen Menge eines Ölprodukts vergleicht. Umgerechnet auf einen Liter kostet Kaffee in einem Selbstbedienungslokal mindestens 7,50 Euro. Der Liter Heizöl kostet 0,87 Euro. Vergleicht man den Nutzen beider Produkte, kommt man zu dem Schluss, dass das Ölprodukt spottbillig ist. Anders verhält es sich mit dem gefühlten Wert für Öl. Weil es in der Vergangenheit immer sehr billig war, wird es nach dem exorbitanten Preisanstieg der letzten Jahre nun als zu teuer empfunden. In Bezug auf den Nutzwert ist die Teuerung angebracht. In Bezug auf den Gewohnheitswert ist sie unangebracht. Und vor allen Dingen ist sie nicht gerechtfertigt, weil die Versorgungslage die Gewohnheit bisher nicht in Frage stellt.

Dass sie sie in Frage stellen wird, ist eine durchaus nahe liegende Vermutung. Auf einem reinen Warenmarkt würde diese Vermutung nicht ausreichen, um derartige Preissteigerungen hervorzurufen, wie sie Öl erlebt hat. Hierzu bedarf es eines papiergetriebenen Markts, eben einer Börse. Sie öffnet der Spekulation einen Raum, der größer ist als der Raum für die Ware selbst. Sie erhebt den spekulativen Wert eines Titels in einen höheren Rang als ihren realistischen Wert. So wird schließlich aus dem Spekulationswert ein Marktwert.

Was kann man aus den Gedanken über spekulative, gewohnheitsmäßige und nützliche Preisbildung nun schließen? Wahrscheinlich wird sich der hohe, durch Spekulation getriebene Preis als gerechtfertigt erweisen, wenn wir unsere Verbrauchsgewohnheiten nicht drastisch ändern. Durch einen Fortgang der Nachfragesteigerung wird dieser Preis im Nachhinein legitimiert. Im Umkehrschluss kann das bedeuten, dass deutliche Verbrauchssenkungen nicht nur Kosten aus sinkendem Bedarf sondern auch aus einem eventuell wieder sinkenden Preis bewirken. Dazu müssen unsere Verbrauchskunststücke, wenn sie denn endlich kommen, natürlich in die Welt exportiert werden.

Heute Morgen geben die Preise wieder allen Grund, sich um eben diese Verbrauchssenkungen zu kümmern. Die gestrigen Rekordniveaus werden gehalten. Die Tonne Gasöl kostet 1.140,00 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 123,93 Dollar.

Unsere Heizölpreise fliegen auf und davon. Zum Vorjahr haben sie durchschnittlich 37 Prozent bezogen auf 3.000 Liter zugelegt. Da die meisten Verbraucher mittlerweile kleinere Mengen ordern, ist die reale Steigerung noch größer. Eine Wende der Preisbewegung ist nicht in Sicht. Eigentlich müsste in dieser Lage ein wahrer Run auf alles, was Effizienz steigert, herrschen. Noch ist das aber nicht der Fall. Dennoch weisen wir hier wieder auf unsere Hilfe zum Wärmethema hin. esytrol.

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