Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Die Rallye findet nicht statt

Nach der 100-Dollar-Euphorie kommt Katerstimmung auf. An der Börse macht sich die Erkenntnis breit, dass eine Bewertung für ein Barrel Rohöl im dreistelligen Dollarbereich realitätsfern ist. Der gewöhnliche Analyst verlässt seinen Tunnel und stellt fest, dass die Welt derzeit kein Versorgungsproblem hat. Wenn er sich in New York ein Lunchpaket holt, umgeben ihn milde Temperaturen von 12 Grad Celsius. Er spürt die Aura einer niedergehenden Konjunktur. Die Frage, wer all das Öl, was es seiner Analyse folgend gar nicht mehr gibt, kaufen soll, drängt sich auf. Die Heizung braucht es nicht. Die Autos werden es bald weniger schlucken, weil der Präsident es so will. Und die Bürger werden es in diesem Jahr auch weniger konsumieren, weil sie es sich nicht mehr in vollen Eimern leisten können. Eigentlich müsste unser Analyst zum Ausverkauf von Ölpapieren blasen. Aber es gibt zwei Gründe, die ihm Zurückhaltung auferlegen. Der eine Grund ist China. Dort will man das Öl, das die Amerikaner nicht benötigen. Die Chinesen machen sich in der Ölwelt breit wie einst seine Landsleute. Es gibt kaum noch einen ölhöffigen Fleck auf der Erde, an dem nicht bereits ein Chinese sitzt. Der Öldurst des bevölkerungsreichsten Landes der Erde ist unermesslich. Außerdem, und das ist Grund Nummer zwei, hat unser Analyst keine Idee, wohin er das von ihm geleitete Geld lenken soll. Nach Internethype und Immobilienblase sind Rohstoffe im Allgemeinen und Öl im Speziellen die einzig denkbare Möglichkeit für ein spekulatives Massenphänomen.

Masse statt Klasse oder viel Geld bewegt die Welt mehr als kluge Gedanken, war über 20 Jahre eine Erfolgsstory. Aber nun droht das Land, das solche Storys maßgeblich initiiert hat, an ihr zu ersticken. Das wäre immerhin eine Chance, die Bewertung von menschheitsdienlichen Fähigkeiten neu vorzunehmen. Die Wertschätzung für die Analystenzunft als Wegweiser großer Geldströme nimmt spürbar ab. Dagegen treibt das Ansehen von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren, die in Zeiten rauschender Börsenpartys in die Keller der Glaspaläste verwiesen wurden, neue Knospen. Es gibt ein veritables Menschheitsinteresse, dem Problemkreis Ressourcenverknappung und Klimawandel intelligent zu begegnen. Diejenigen, die sich hiermit Angstprämien verdienen, werden zur Lösung nichts beitragen. Es widerspricht ihrer Zielsetzung.

So unredlich das spekulative Treiben der Ölpreise auch sein mag, hat es doch eine notwendige Seite. Sie besteht in der Erhöhung des Preises selbst. Würde dieser nicht in astronomische Höhen schnellen, herrschte weiterhin Trägheit im Umgang mit den auf uns zurollenden Problemen. Nun haben wir die Chance zur Veränderung. Sie wird nur wahrgenommen werden, wenn die Preise dies diktieren. Nachlassende Preise werden neue Wege umgehend in Frage stellen. Dieser Zusammenhang ist trefflich im Verlauf der 1980er zu beobachten.

Aktuell ist ein Preisrückgang fällig. Er wird aber keine grundsätzliche Abkehr vom Aufwärtstrend bedeuten. Zur Umkehrung des Trends bedürfte es eines Wirtschaftskollaps Chinas. Dieser ist nicht in Sicht. Daher steht der intelligenten Alternative zum zügellosen Ressourcenverbrauch nichts im Wege.

Hier ist ein bizarrer Tipp zur Beruhigung der Sorgen vor einem kalten Haus wegen allzu hoher Ölpreise. Decken Sie Ihr Dach mit Sonnenkollektoren ein. Räumen Sie Ihren Keller aus und bestücken ihn komplett mit Wassertanks. Mit denen speichern Sie die Wärme der Sonne für die Heizperiode. Wenn Ihr Haus den Vorgaben der Energieeinsparverordnung entspricht, könnte diese Maßnahme bereits ausreichen, um Ihren Ölkonsum gegen Null zu drücken. Diesem Vorschlag fehlt natürlich der bedeutende Detailgehalt. Wäre dieser den preisbewegenden Menschen an der Ölbörse bekannt, verliefe ein Preisrückgang sicher nachhaltiger, als das derzeit zu erwarten ist.

Heute Morgen steht der Preisrückgang still. Charttechnisch hat er aber weiterhin gute Vorzeichen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 821,25$.

Unsere Heizölpreise haben sich spürbar abwärts bewegt. Die Chance für einen weiteren Rückgang ist gestiegen. Dennoch raten wir dazu, keine übertrieben großen Hoffnungen an den Zielpreis zu stellen. Nach unserer Ansicht wäre das Erreichen des Preisniveaus von Anfang Dezember bereits als Erfolg zu verbuchen.

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