Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Die Ruhe vor dem Sturm

An den Märkten herrscht Gelassenheit. Das ist eine seltene Erscheinung und deutet auf die Ruhe vor dem Sturm hin. Dass der Sturm in Form von Hurrikanen demnächst daher kommt, gilt als ziemlich sicher. Dass die Märkte im Augenblick gut versorgt sind, ist ein Fakt. Die Einflussfaktoren sind also ausgeglichen. Daher ist das nachlassende Gezerre an den Preisen für den Moment naheliegend. Das gilt auch für die Dollarentwicklung. US-Konjunkturdaten sind etwas besser als die zuletzt kursdrückenden Erwartungen.

Für Entspannung sorgen auch reduzierte Nachfrageprognosen insbesondere für die alten Industrieländer. Dort ist in den kommenden Jahren mit einer spürbaren Steigerung der Energieeffizienz und mit einer Aufwertung alternativer Energieträger an der Energiebilanz zu rechnen. Das wird den Bedarf an fossilen Rohstoffen dämpfen. Wirklich entlasten wird es ihn nicht, denn die Weltwirtschaft soll weiter wachsen. Die Länder mit den größten Wachstumsraten haben längst die Führerschaft in der Nachfragesteigerung für Öl und Gas übernommen.

Auf Grund der geopolitischen Spannungen ist es ruhig um China geworden. Dennoch bleibt China in den kommenden Jahren einer der wichtigen Einflussfaktoren für die Ölpreisentwicklung. China ist heute der zweitgrößte Energieverbraucher der Welt und der drittgrößte Ölimporteur. Im Gegensatz zu den reifen Industrieländern wird China seinen Bedarf und sein Importvolumen auch zukünftig deutlich steigern. Die laufende Entwicklungsphase der chinesischen Wirtschaft basiert auf überproportional hohem Energieeinsatz. Sie ist vergleichbar mit der deutschen Entwicklung in den 1950er und 1960er Jahren. Die Energieeffizienz ist mit 33,4 Prozent sehr schlecht. In den entwickelten Industrienationen ist sie bereits heute annährend 10 Prozent höher.

Für das laufende Jahr erwartet man für China einen Ölbedarf von 5,5 Mio. Barrel pro Tag. Der Importbedarf liegt bei 1,6 Mio. Barrel pro Tag. Die USA benötigen z.Z. rund 21 Mio. Barrel pro Tag und importieren etwa zweidrittel dieser Menge. Im Jahr 2020 wird China etwa 12 Mio. Barrel pro Tag benötigen wovon 5 Mio. Barrel importiert werden müssen. Der CO2-Ausstoß wird bis dahin den Ausstoß der USA, die heute der größte Umweltverschmutzer sind, übertroffen haben. Nicht zuletzt deswegen ist die chinesische Regierung bereits heute bemüht, sowohl die Energieeffizienz zu steigern als auch den Einsatz erneuerbarer Energien voranzutreiben.

Die Entwicklung Chinas ist beispielhaft für andere Länder. Indien, Brasilien, Russland und viele kleinere Staaten gehen einen ähnlichen Weg. Sie werden als Energieverbraucher immer bedeutender. Auf der Nachfrageseite ist daher nicht mit einer Beruhigung zu rechnen. Die in letzter Zeit häufiger genannten Herabstufungen des Nachfrageanstiegs sind eher als eine Beruhigung für die Börse zu verstehen. Eine Entwarnung für den weltweiten Energiehaushalt sind sie nicht.

Für die Ölpreisentwicklung ist das Import-Eigenproduktions-Verhältnis der USA eine weitere relevante Größe. Es wird von heute zweidrittel auf dreiviertel ansteigen. Die stark US-dominierte Börsenstimmung wird durch diese Zahl belastet sein, die das klassische Selbstverständnis der Nation von Autarkie vollkommen konterkariert.

Unabhängig von den durch Börsenstimmungen zu Übertreibung neigenden Preisentwicklungen muss man davon ausgehen, dass Energie langfristig teurer wird. Die Art des Energieträgers ist dabei nicht erheblich. Je höher die Relevanz eines heute noch unbedeutenden und billigen Brennmaterials für den gesamten Energiehaushalt sein wird, um so schneller wird sich sein Preis an allgemeine Marktverhältnisse anpassen. Die Aufnahme von regenerativen Stoffen in den Kanon der Energieträger läuft bereits. Zukünftig wird man kaum noch zwischen alten und neuen Energieformen unterscheiden. Man braucht sie alle. Und sie werden sich gegenseitig stärken und ergänzen. Heizöl wird beispielsweise eine evolutionäre Entwicklung zu einem Mischprodukt aus mineralischem und biogenen Bestandteilen nehmen.

Heute Morgen sucht der Gasölpreis nach einer längeren Handelspause wegen des gestrigen Feiertags sein passendes Niveau. Eine richtungsgebende Preisentwicklung ist nicht zu erkennen. Die Tonne kostet 629 $.

Unsere Heizölpreise zeigten in den letzten Tagen wenig Bewegung. Der Grund ist nicht zuletzt die verlängerte Handelspause wegen einiger Feiertage. Tendenziell erwarten wir bis zum Eintritt des ersten ernsten Hurrikans im Golf von Mexiko eine seitwärtsgerichtete Entwicklung. Die Tiefstpreise des Frühjahrs sind wahrscheinlich gerade vorüber.

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