Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


EZB katapultiert Heizölpreise aufwärts

Internationaler Markt

Um es vorwegzunehmen, der Schock des Tages war die von der EZB erzwungene Euroabwertung. Sie macht Öl spürbar teurer. In Deutschland kann man mit der Maßnahme nicht einverstanden sein. Und dass sie den schwachen Volkswirtschaften im Süden der Eurozone nützt, ist höchst zweifelhaft.

Ziel des geldpolitischen Wahnsinns ist es, die Wirtschaftskraft der Eurozone zu stärken. Hierzulande wird die Frage gestellt, warum? Im Süden fragt man sich, wie? Mittlerweile sind sich Volkswirte weitgehend einig, dass es auf keinen Fall mit dem Geldsystem geht. Darüber, dass dieses Geldsystem mit seiner ökonomischen Gleichmacherei einerseits und dem daraus erwachsenen politischen Zwang zur Umverteilung andererseits maßgeblichen Anteil an den wirtschaftlichen Disparitäten trägt, schweigen sie sich geflissentlich aus. Menschen unter dem Dach eines gemeinsamen Geldsystems wirtschaften zu lassen, setzt voraus, dass sie ein gemeinsames Verständnis über das Wirtschaften selbst haben. Liegt das gemeinsame Verständnis nicht vor, wofür es gute kulturelle Gründe gibt, die es zu respektieren gilt, werden unterschiedliche Währungssysteme benötigt. Die Freiheit der Wechselkurse dieser Systeme ist Grundvoraussetzung für die Freiheit der wirtschaftlichen Gestaltung zum Wohle aller Teilnehmer in einem spezifischen Kulturkreis.

Die EZB kämpft einen Kampf, den sie kaum gewinnen kann. Sie soll den Euro schützen, damit der politische Euroraum bestehen kann. Ein Tod wird über kurz oder lang gestorben werden. Mit dem Euro zerbrechen einige Gesellschaften im Euroraum und als Folge zerbricht der Euroraum selbst mit der Gefahr, dass die ganze EU scheitert. Ohne den Euro haben die Ökonomien des heutigen Euroraums bessere Chancen, dem Wohl ihrer Menschen zu dienen, und sie zu überzeugten Europäern werden zu lassen, wie das Beispiel Polen zeigt. Grundvoraussetzung ist in allen Fällen, dem Turbokapitalismus den Rücken zu kehren und an Ökonomien zu arbeiten, die ihre Menschen wieder mitnehmen.

Wer hätte gedacht, dass EZB-Chef Mario Draghi eine schon beendet geglaubte Debatte über Sein oder Nichtsein des Euros urplötzlich wiederbelebt. Ihm blieb angesichts des kritischen Zustands der Euroraum-Konjunktur keine andere Wahl.

Am kritischen Zustand dieser Konjunktur hat der Ost-West-Konflikt um die Ukraine, den sich die EU gar nicht leisten kann, einen nicht zu vernachlässigenden Anteil. Die immer wieder geäußerte Meinung, dass allen voran Russland harte Konsequenzen der politischen Handlungen spürt, mutet dabei wie das Pfeifen im Walde an. Man wird sehen, ob die Schocktherapie der EZB den aktuellen Bemühungen um Waffenruhe und Frieden in der Ukraine dienlich ist. Bei aller Kritik ist sie allemal besser als das, was die NATO gerade anlässlich ihres Gipfels in Wales vorführt. Dort inszeniert man die Wiedergeburt des kalten Krieges. Für die Ölpreise ist das aus Sicht der Verbraucher eventuell in Ordnung, weil es für ökonomische Schwäche und sinkende Ölnachfrage steht. Anders die Maßnahme der EZB. Sie steht tendenziell für eine Verbesserung der Wirtschaft und wachsende Ölnachfrage. Real wird das natürlich eher nicht eintreten.

An dieser Stelle sollen die wöchentlich vorgetragenen US-Bestandsdaten nicht fehlen, auch wenn sie aktuell ohne Bedeutung sind. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die US-Bestandsdaten zuständigen Institutionen, legten folgende Zahlen zur Veränderung der Bestände gegenüber der Vorwoche vor:

Rohöl: -0,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,6 (DOE) bzw. ein Aufbau von 0,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung sank auf immer noch beachtliche 93 Prozent. Preislich blieben die gemischt interpretierbaren Daten wirkungslos.

An den Ölbörsen ist nach den wilden Preisbewegungen der letzten Tage relative Ruhe eingekehrt. Dafür ist am Devisenmarkt der Teufel los. Der Dollar schoss ungewöhnlich stark in die Höhe. Heute Morgen wird so gut wie nichts von dem, was gestern geschah, zurückgenommen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 862,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,76 Dollar und in London zu 102,12 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7727 Euro . Damit kostet der Euro 1,2942 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise werden durch die Euroabwertung in die Höhe katapultiert. Dabei verlassen sie den schwachen Aufwärtstrends nach oben, wie der 3-Monats-Chart der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Das hat negative Konsequenzen für die weitere Preisentwicklung.

Im Binnenmarkt ist prompt eine spürbare Zurückhaltung der Kunden zu bemerken. Die zuletzt guten Auftragseingänge sorgen zwar noch für längere Lieferzeiten als üblich, sie werden aber in Kürze zur Normalität zurückkehren. Gemäß unserem Schwarm-O-Meter für Heizöl signalisieren die Kunden mit ihrem Kaufverhalten, dass sie die Heizölpreise nun nur noch für akzeptabel halten. Bisher wurden sie als gut oder sehr gut empfunden.

In der Entwicklung erwarten unsere Leser mehrheitlich sinkende Preise. Wer auf Abgang setzt, sollte sich des Risikos der Wette bewusst sein und das Geschehen eng verfolgen. Gegen den steigenden Dollar zu wetten, ist mutig bis übermütig. Zudem sollten die Kriege an verschiedenen ölrelevanten Orten der Welt trotz aller Beruhigungspillen, die hier verabreicht werden, nicht unterschätzt werden.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt kein Kaufsignal. Das deckt sich mit der Preiserwartung der Leser. Viele Kunden beurteilen die Preise sinnvollerweise im wirtschaftlichen und politischen Kontext und im Zusammenhang mit dem eigenen Heizölvorrat. Das kann unsere Mathematik nicht bieten. Sie leitet Signale einzig aus der Preisbewegung der Vergangenheit ab.

Der Preistrend weist nur im kurzfristigen Bereich schwach aufwärts. Der aktuelle Preis wird diesen Trend steiler stellen. In allen anderen Zeitstufen sind die Abwärtstrends noch intakt. Aus dem längerfristigen Trend wird allerdings deutlich, dass die Hoffnung auf günstigere Preise grenzwertig ist. Sie verliert ihr solides Fundament. Wie gesagt, darauf zu setzen, ist eine Risikowette. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise deutlich unter dem Niveau der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen