Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Einen Tod müssen wir sterben

Staatsschulden und Staatspleiten sind in diesen Tagen das beherrschende Thema der politischen Berichterstattung. An den Börsen sorgen sie für temporäre Panikattacken. Die favorisierte Kursentwicklung der Finanzszene, der Aufwärtstrend, erfährt erhebliche Störungen. Dennoch gelingt es immer wieder, die Bedrohung durch die davon galoppierenden Schulden auszublenden und die Kursentwicklung auf Wachstum zu trimmen. Das entspricht durchaus der Realität. Denn der größere Teil der industrialisierten Weltbevölkerung erlebt rasantes Wirtschaftswachstum. Da das zu einem nennenswerten Teil durch Außenhandel mit hochverschuldeten Staaten generiert wird, ist es ähnlich gefährdet wie die Schuldenstaaten selbst.

Wenn alles gut geht, steigen die Ölpreise. Dieser Satz wird Verbrauchern missfallen. Er bringt das Dilemma in aller Kürze auf den Punkt. Eine andere Formulierung wäre, einen Tod müssen wir sterben. Die preisgünstige Fortentwicklung der Wachstumsgesellschaften ist nicht möglich. Gleichwohl ist Wachstum das Ziel gängiger Politik. Das können Bürger hinnehmen, sie müssen es aber nicht.

In den Planzahlen für die Ölversorgung kommen die zu erwartenden Störungen nicht vor. OPEC, EIA (US-Energiebehörde) und IEA (Internationale Energie Agentur) gehen von stetigem Wachstum aus. Danach wird der globale Ölverbrauch in diesem und im nächsten Jahr jeweils um 1,6 Prozent steigen. Im letzten Jahr betrug der Anstieg 2,2 Prozent. Chinas Ölverbrauch soll in diesem Jahr um sieben und im kommenden Jahr um fünf Prozent steigen. Die Nachfrage nach OPEC-Öl soll moderat zunehmen. Nach eigenen Angaben kann das Kartell das entsprechende Angebot problemlos sicherstellen. Die IEA sieht das globale Angebot indes kritisch. Ihre Warnungen vor Knappheit werden vehementer.

Aktuell gibt es keine Ölknappheit. Es gibt aber eine Knappheit preisgünstigen Öls. Die Tatsache, dass Förderung und Aufbereitung komplizierter werden, weil das einfach erreichbare Öl zu Ende geht, spiegelt sich im Preis wider. In anderen Worten, die Höhe des Ölpreises ist keineswegs nur auf den ausgelassenen Spekulationstrieb der Finanzszene und die staatlich geförderte Inflation des Dollars zurückzuführen.

Aus den bei Finanzjongleure so beliebten US-Bestandszahlen lässt sich wenig Erhellendes zum Ölmarkt ableiten. In dieser Woche ist die Kakophonie der Lageberichte von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) besonders hoch. Das diskreditiert die Zahlen vollends. Sie lauten wie folgt:

Rohöl: -3,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +3,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,6 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,9 (DOE) bzw. ein Aufbau von 5,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt weiterhin schwache 81 Prozent.

Weder aus der längerfristigen noch aus der kurzfristigen Betrachtung lässt sich eine zwingende Preisentwicklung ableiten. Die Möglichkeit extremer Störungen auf den Märkten (Finanz- und Realwirtschaft) sind zu groß. Heute Morgen dümpeln die Preise in der Mitte der gestrigen Handelsspanne herum. Was daraus werden soll, ist nicht erkennbar. Die Tonne Gasöl kostet 999,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 98.08 und in London zu 118,33 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,40 Eurocent.

Unsere Heizölpreise steigen immer noch. Die Aufwärtsbewegung wird schwächer. Gestern konnte der Dollar wieder einmal seine Gegenfunktion zur Ölpreisentwicklung unter Beweis stellen. Das ist ein Zeichen für Normalisierung an den Börsen. Dass nun wieder eine Phase stetiger Preisentwicklung bevorsteht, halten wir aber für ausgeschlossen. Die Unsicherheit und das „Alles ist möglich“ wird in absehbarer Zeit kaum aus dem Preisgeschehen verschwinden. Dieser Kommentar endet ohne jedwede prognostische Preisaussage. Man sollte die Heizölpreise eng verfolgen, um freundliche Momente zum Kauf aufzuspüren. Dabei kann unser Preisalarm hilfreich sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab und www.esytrol.com.

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