Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Finanzszene trotzt dem Ölmarkt

Warum versuchen Sie eigentlich nicht, mit Öl Geld zu verdienen? Die Finanzindustrie macht es Ihnen mittlerweile sehr leicht, am Spiel teilzunehmen, und sie macht es Ihnen vor. Der Eigenhandel auf Ölpapiere blüht. Zugegeben, vor der Krise war er höher. Aber damals war die Welt aus Anlegersicht ohnehin eine bessere. In Relation zum Abgang der Preise ist der Rückgang des Handels- oder besser des Spielinteresses gering. Seit eineinhalb Jahren steigt es wieder kontinuierlich. An Einladungen an den Spieltisch mangelt es nicht. Falls Sie nun anführen wollten, dass Sie nichts von dem Geschäft verstünden, kann ich Sie beruhigen. Die meisten Anleger verstehen davon nichts. Es interessiert sie auch gar nicht. Schließlich wollen sie kein Ölgeschäft betreiben, sondern nur Geld verdienen. Und dafür wird ein ganz einfaches Geschäftsverständnis als ausreichend erachtet: Die Menschen werden immer mehr, die Rohstoffe, namentlich das Öl, werden knapper. Knappes Gut, hoher Preis. Das muss Sie doch überzeugen.

Falls Sie noch nicht überzeugt sein sollten, zeigen Sie eine vernünftige Skepsis oder moralisches Handeln. Beides ist begrüßenswert. Skepsis ist in der Tat angebracht. Denn langfristig betrachtet war die Spekulation auf Gewinne aus Ölinvestments unerfolgreich. In der 150-jährigen Geschichte des intensiven Ölgebrauchs liefen die Preise inflationsbereinigt seitwärts. Es kam zwar immer wieder zu Preisspitzen. Diese wurden aber bald nach ihrem Auftreten geschliffen. Seit 1945 stieg der Ölpreis real um 2,5 Prozent. Dieser Wertzuwachs hält gerade mal dem Vergleich mit Staatsanleihen stand. Dass die Gleichung „knappes Gut = hoher Preis“ nicht aufgeht, ist dem technischen Fortschritt zu verdanken. Der hat Knappheit bisher nicht zu einem Problem werden lassen. Das kann sich selbstverständlich ändern. Die Peak Oil Debatte (Überschreiten des Fördermaximums) ist kein Scheingefecht. Sie hat eine vollkommen reale Grundlage. Simplifizierung hilft hier allerdings allenfalls der monokausal denkenden Finanzbranche bei Anlageentscheidungen. Das Thema ist dermaßen komplex, dass ein rationales Urteil kaum möglich ist. Es hängt von außerordentlich vielen Parametern ab und es steht in Wechselbeziehung zum menschlichen Verhalten selbst. Die Menschheit ist Beobachter und Akteur des Geschehens. Sie ist deshalb nicht zu einer objektiven Einschätzung der Situation im Stande. Es scheint evident zu sein, dass wir uns der Zeit nähern, in der das Öl zu Ende gehen muss. Ähnliches wurde Mitte des 19. Jahrhunderts über die britische Kohle gesagt. Weiter zurück in der Geschichte gab es gleich lautende Äußerungen über Holz. Tatsächlich wären die Rohstoffe zumindest lokal verbraucht worden, wenn nicht unerwartet neue Energieträger auf den Plan getreten wären. Neues wird auftreten und die intensive Ölnutzung relativieren. Menschliche Intelligenz ist in der Lage wünschenswerte Lebensformen hervorzubringen, die weniger Raubbau an endlichen Ressourcen verursachen. Die reale Knappheit des Gutes muss nicht zu einer gefühlten und einer preisrelevanten Knappheit führen.

Indem Sie nicht auf den Gewinn mit Öl setzen, wollen Sie vielleicht gar nicht der skizzierten Skepsis folgen. Eventuell halten Sie es eher mit der Moral. Es mag sein, dass es Ihnen einfach zuwider ist, Geld damit zu verdienen, dass irgendwo auf der Erde menschenunwürdiger Mangel herrscht. Die Idee des Finanzsystems ist es, der Menschheit zu Wohlstand zu verhelfen. Wenn das Finanzsystem dazu nicht in der Lage ist, hat es versagt. Wie wir alle wissen, hat es versagt. Niederschmetternd ist, dass sich die Finanzindustrie dennoch feiert und immer weiter bereichert. Insofern ist das moralische Argument gegen ein Ölinvestment ein wertvolles. Es ist Anerkennung und Würdigung des Kantschen Imperativs.

Sollten Sie sich etwas mehr mit dem Ölmarkt beschäftigen, wird Ihnen nicht entgangen sein, dass es aktuell ohnehin kein fundamentales Argument gibt, auf höhere Preise zu setzen. Der Markt ist mit Öl nahezu überschwemmt. Ausdruck findet die Situation beispielsweise in den US-Bestandsdaten. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) lieferten dazu in dieser Woche zwar widersprüchliche Zahlen. Aber selbst gemittelt zeigen diese einen weiteren Bestandsaufbau.

Rohöl: +4,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,0 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,5 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und im Vorjahr. Die Raffinerieauslastung stieg auf 82 Prozent. Import- und Raffineriezahlen unterstützen also im Gegensatz zu den reinen Bestandsdaten die Hoffnung von Spekulanten, dass die Wirtschaft nun anziehen möge.

Diese Hoffnung ist das, was die Börsen und den Ölpreis derzeit überhaupt trägt. Die Entwicklung nähert sich der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Es ist ein Hoffnungs- und Wunschtrend der Finanzszene, für den sie viel Geld auf den Spieltisch wirft. Eine sichere Sache ist dieser Trend keineswegs. Heute Morgen werden die letzten Gewinne bereits wieder abgegeben. Die Tonne Gasöl kostet 641,25 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 80,38 Dollar. Der US-Dollar wird zu 73,24 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise müssen hoch. Einer ist derzeit immer da, der für Auftrieb sorgt, entweder die Ölbörse oder der Devisenmarkt. Hinter beiden steht die Finanzindustrie. Sie setzt auf Mangel und Kollaps, zu wenig Öl oder Staatspleite einiger EU-Länder. Dass der Mangel beim Öl in absehbarer Zeit irreal ist, ändert die Spekulationspolitik nicht. Sie schaukelt den Heizölpreis weiter auf. Nun ist sogar der Seitwärtstrend in Gefahr. Das Schöne am Schaukeln ist immerhin, dass es bald wieder ein Zwischentief zu Tage bringen sollte. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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