Unseren neuen Kommentar für den 10.12.16 finden Sie hier.


Gewinn durch Verzicht

An den Börsen kommt Unruhe auf. Unter die gute Stimmung zur schöngeredeten Konjunktur mischen sich Misstöne über den Schuldenstand ausgewählter Volkswirtschaften und über die Höhe der Ölpreise. In Europa werden wechselweise einzelne Staaten als Pleitekandidaten auserwählt. Es folgen offizielle Dementis und inoffizielle Bestätigungen einer drohenden Pleite. Wem es nützt, irgendetwas zum Finanzdesaster zu verheimlichen, bleibt das Geheimnis einer zur Handlung verurteilten Politik, die jedwede Gestaltungsmöglichkeit über Bord geworfen hat. Sie handelt im kollektiven Zwang. Ihre Statements zur Lage sind vollkommen überflüssig, da sie nicht ansatzweise das vermitteln, was der interessierte Teil der Bevölkerung längst weiß. Das Finanzsystem ist unheilbar krank. Dabei sind die Erscheinungen in Europa vergleichsweise harmlos, weil sie an der Peripherie stattfinden. Der Kern des Problems sind die USA. Dort kommt die Finanzkrise den Vorgängen in einem steuerungslosen Atomreaktor gleich, bei dem jederzeit etwas Unerwartetes passieren kann, auch die Kernschmelze.

Die Ölpreise sind für viele Verbraucher ein Ärgernis. Für wenige Finanzjongleure und ein paar Ölkonzerne sind sie eine Freude. Die Distanz zwischen den Verärgerten und den Begünstigten ist mittlerweile so groß geworden, dass sie volkswirtschaftlich zu einem Problem wird. Auf Dauer können die Begünstigten nur reich werden, wenn sie die Verärgerten mitnehmen. Ohne die, die heute verärgert sind, fehlt den Begünstigten die Grundlage des Reichtums. Ob dieses Wissen hilft, um die pure Gier zu überwinden, darf bezweifelt werden. Die ohne Lernerfolg absolvierte jüngere Geschichte lässt erahnen, dass sich die Begünstigen wie Krebszellen im Finanzsystem verhalten. Diese sind im Gegensatz zu Parasiten nicht in der Lage, ihren Einfluss auf den befallenen Organismus so zu begrenzen, dass dieser ihnen als Wirt erhalten bleibt.

Parallel zum kaum diskutierten Komplex über die Zukunft der Finanzsysteme tobt in Deutschland eine vehement geführte Debatte über die Zukunft der Energieversorgung. Es geht um das Aus der Atomkraft und die Frage der Energiealternative. Folgt man den Diskutanten, drängt sich der Eindruck auf, dass die einen die Welt neu erschaffen wollen und die anderen ihr wirtschaftliches Ende befürchten. Ähnlich wie in der vernebelten Finanzdebatte werden wenig Fakten und viele Behauptungen in den Ring geworfen. Den gegenwärtigen Energiebedarf Deutschlands über kurz oder lang regenerativ decken zu können, ist eine solche Behauptung. Sie ist nur unter der Vorraussetzung erfüllbar, großtechnische Einrichtungen zu schaffen, deren Ausmaße und deren Rückwirkung auf die Menschen denen der Atomenergie nahe kommen. Wir müssten das Land mit vielen Großprojekten überziehen und solche in andere Länder tragen, um die nötigen Energiemengen beizubringen. Es ist kaum vorstellbar, dass das hierzulande konsensfähig ist.

Die aktuelle Energiedebatte hat einen fehlerhaften Ansatz. Sie geht davon aus, dass der Energiebedarf eine gesetzte Größe ist, der das Energieangebot zu folgen hat. Folgt man dem Gedanken der Verärgerten und der Begünstigten, in diesem Fall sind wir alle in Deutschland die Begünstigten, muss das Pro-Kopf-Angebot für gut 40 Prozent der Weltbevölkerung verdreifacht und für weitere knapp 40 Prozent verzehnfacht werden, um zu einem gerechten Ausgleich zu kommen. Mit fossilen Energieträgern ist das nicht möglich. Sie sind nicht ausreichend vorhanden. Zudem könnte die Erdatmosphäre die entstehenden Abgase nicht aufnehmen. Uran ist übrigens nicht ansatzweise in entsprechender Menge vorhanden, um daraus einen angemessen Anteil der Versorgung beistellen zu können. Seine Reichweite ist nicht größer als die von Öl. Dessen Beschränktheit ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Der skizzierte Energiebedarf kann zwar theoretisch durch regenerative Energieträger aufgebracht werden. Praktisch verlangt das allerdings so viel Material für die gigantischen Anlagen, dass dieses ähnlich wie heute Öl und Gas zu einer Mangelware wird. Es ist zweifelhaft, dass die Erde die entsprechenden Mengen bieten kann. Wir brauchen, wenn wir unsere Lebensweise zum nachahmenswerten Maßstab erklären, mehrere Welten. Die eine, die wir haben, reicht nicht als Lebensgrundlage aus. Diese Aussage ist keine Neuigkeit. Sie ist wissenschaftlich abgesichert.

Die aktuelle Debatte um die Atomenergie wird mit dreißig Jahre alten Argumenten geführt. Eine zeitgemäße Energiediskussion ist daraus bisher nicht geworden. Würde man diese führen, wären schnell andere Handlungsmuster auf dem Tisch. Dann ginge es nicht mehr um die Fragen nach neuen Hochspannungsleitungen, Windkraftanlagen auf der schwäbischen Alp und ob morgen die Lichter ausgehen. Es ginge um die Frage, wie wir weniger Energie verbrauchen. So kann das beispielsweise zuhause geschehen. Es ginge um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen und wie wir unsere Industriegesellschaft in eine moderne postindustrielle Gesellschaft überführen, die wieder dem Wohl der breiten Bevölkerung dient. Dabei darf nicht verschwiegen werden, dass die Transformation nicht ohne materiellen Verzicht zu haben ist. Für diesen Verzicht wird man aber den Gewinn von immaterieller Lebensqualität bekommen.

Heute Morgen verzichtet man an den Ölbörsen auf finanziellen Gewinn aus höheren Preisen. Die bullische Stimmung ist deutlich eingetrübt. Es sieht so aus, als wolle der Aufwärtstrend mit einer ordentlichen Gegenbewegung aufwarten. Die Tonne Gasöl kostet 1.011,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,15 und in London zu 120,60 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 70,13 Eurocent.

Unsere Heizölpreise bewegten sich gestern kaum. Aufgrund der geänderten Stimmung an den Ölbörsen erhöht sich nun allerdings die Chance auf einen Preisrückgang. Noch hält ein fester Dollar dagegen. Der dürfte aber bald wieder fallen. Nach wie vor sehen wir keinen großen Abgang der Ölpreise kommen, weil die Finanzmärkte nicht erkennbar auf einen bevorstehenden Kollaps zulaufen. Ein kleiner Abgang in Form einer Gegenbewegung zu den hohen Preisen ist aber durchaus drin. Es empfiehlt sich, in den kommenden Tagen nach den Ölpreisen zu schauen und einen günstigen Kaufmoment zu nutzen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Das beginnt mit dem Vermessen desselben. Hierzu empfehlen wir unseren elektronischen Peilstab..

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