Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizöl: Jenseits des Tellerrands

Internationaler Markt

Die jüngere Entwicklung der Ölpreise ist aus Verbrauchersicht unbefriedigend. Sie führt nicht zu dem Rückgang, den die gute Versorgungslage des Markts andeutet. Rohöl und Gasöl (Grundprodukt für Heizöl) sind teurer als vor einem Jahr. Das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf die ungeheure Geldproduktion der Notenbanken zurückzuführen. Ihr „Schmierstoff“ ölt nicht wie geplant die Wirtschaft, sondern schmiert die Zockerei an den Ölbörsen. Die Vorgänge werden uns in den kommenden Monaten in Atem halten. Dessen ungeachtet ist es lohnenswert, Ideen und Szenarien zur ferneren Entwicklung der Energiesituation zu kennen.

Solche Erkenntnisse werden heutzutage aus Modellrechnungen abgeleitet. Jüngst erschien ein beachtenswertes Werk zum Thema von Shell. Es entstand unter Mitwirkung hunderter Fachleute, sowohl Shellisten als auch externer Querdenker. Zwei wesentliche Szenearien wurden dabei untersucht, ein konservatives, bei dem die Regierungen auf ein Festhalten des Erreichten setzen und Veränderungen eher zu vermeiden suchen, sowie ein dynamisches, das das Primat des Wachstums über den sozialen Zusammenhalt stellt. Erstes dämpft die wirtschaftliche Entwicklung. Zweites facht sie an. Bedauernswerterweise wurde ein Szenario, das eine vollkommen neue Sozialordnung skizziert, nicht herausgestellt.

In beiden untersuchten Fällen gehen die bestimmenden wirtschaftlichen Impulse von den Schwellenländern aus. Am Beispiel Chinas stellt sich die Entwicklung wie folgt dar. Im Jahr 1985 befand sich das Land gemessen am BIP (Bruttoinlandsprodukt) auf dem Stand Deutschlands des Jahres 1856. 23 Jahre später, im Jahr 2008, hatte China den Stand Deutschlands des Jahres 1958 erreicht. Die Entwicklungsgeschwindigkeit war ungefähr zehnmal so hoch wie hierzulande. Selbst wenn sich diese Entwicklung zukünftig abschwächen sollte, wird die bestehende Dynamik für eine deutlich höhere Geschwindigkeit sorgen als in den alten Industrienationen. Dass damit ein zunehmend hoher Energiebedarf verbunden ist, versteht sich von selbst. Und China ist nicht das einzige Wachstumsland. Indien, Brasilien, Russland und einige arabische Länder sind weitere Beispiele.

Gemäß den beiden Szenarien wird die Welt in 50 Jahren rund doppelt soviel Energie brauchen wie heute. Die Unterschiede des konservativen und des dynamischen Modells sind gering. Bereits in 20 Jahren soll die Steigerung bei 50 Prozent liegen. Im konservativen Szenario entwickelt sich Erdgas zum wichtigsten Energieträger und Fracking zur bedeutendsten Fördertechnologie. Im dynamischen Modell wird Solarenergie bis 2060 den größten Teil zur Energieversorgung beisteuern. Das geschieht nicht, wie man erwarten könnte, aufgrund von Umweltschutzbedingungen, sondern weil fossile Energie zu teuer wird.

Für den Klimaschutz zeichnen beide Szenarien ein düsteres Bild. Das 2-Grad-Celsius-Ziel hinsichtlich der Erderwärmung wird gerissen. Auf das gesamte Jahrhundert bezogen ist das konservative Modell weniger klimaschädlich als das dynamische Modell. Das lässt den naheliegenden Schluss zu, dass nicht die Wahl des Energieträgers, sondern die Stärke des Wirtschaftswachstums über die Entwicklung unserer Umweltbedingungen entscheidet. Naheliegend ist der Schluss deshalb, weil jede Form von Wirtschaftswachstum, grünes wie fossiles, aus dem groß angelegten „Umpflügen“ der Erde generiert wird.

Die Shellstudie prognostiziert, dass Öl seine Bedeutung als wichtigster Energieträger verlieren wird. Im konservativen Modell wird dieser Umstand deutlicher eintreten als im dynamischen Modell. Die Veränderung des Energieaufkommens wird die Kohle in 20 Jahren gemäß beiden Modellen für eine Übergangszeit zur Nummer Eins machen. Daraus ergibt sich im Wesentlichen die erwartete schlechte Klimabilanz. Danach werden Erdgas im konservativen und Sonne im dynamischen Modell an die Spitzen streben. Der Ölbedarf wird in 50 Jahren im konservativen Modell deutlich geringer sein als heute, im dynamischen Modell wird er höher sein. Innerhalb der kommenden 20 Jahre wird die Ölnachfrage in beiden Szenarien steigen.

Diese Einschätzung ist ein Aphrodisiakum für bullische Begierden bei den Finanzjongleuren. Gestern waren sie gehemmt. Heute Morgen werden schon wieder Gelüste sichtbar. Die Tonne Gasöl kostet 911,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,20 Dollar und in London zu 107,27 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 77,60 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise drosseln ihren Anstieg. Der resultierte gestern nicht aus dem Börsengeschehen, sondern aus der Angebotslage im Binnenmarkt. Die Börsen gaben nach. Die Preise der Vorlieferanten für Öl stiegen gleichwohl an. Die Entwicklung der Heizölpreise kann mit Blick auf die globale Angebotslage nicht befriedigen. Immerhin ist der Brennstoff aber noch günstiger als vor einem Jahr. Dieser Umstand ist einzig auf den günstigeren Dollar zurückzuführen. Die neuen Schwierigkeiten um den Euro lassen nicht viel Grund zu der Annahme, dass über die Devisen eine erneute Vergünstigung der Heizölpreise einzufahren wäre. Insofern sind wir zunehmend skeptisch, dass in den kommenden Wochen günstiger eingekauft werden kann. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ägypten ist ein Problemfall
Unsicherheit in weiteren arabischen Staaten
New Yorker Notenbankchef dementiert Ende der lockeren Geldpolitik
Rohölbedarf soll deutlich steigen
Einige kleine Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
Produktenangebot soll deutlich steigen
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
OPEC, EIA und IEA Monatsberichte

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