Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizöllager leer

Öl wird teurer. Der Satz ist weniger dramatisch als er klingt. Auf internationalem Parkett befinden sich die Notierungen in guter Position im Abwärtstrend. Der aktuelle Preisanstieg stellt derzeit keine Gefahr dar. Die Lage am deutschen Heizölmarkt ist eine andere. Zum einen ist sie vom Dollar beeinflusst. Die Leitwährung des Öls steigt ebenfalls. Verbraucher zahlen mehr für das Öl und mehr für den Dollar, mit dem Öl für den Binnenmarkt eingekauft wird. Zum anderen gibt es hierzulande so gut wie kein Heizöl mehr. Der aktuelle Kaufrausch hat die meisten Lager leergefegt. Der Handel kommt nicht zeitnah an Nachschub heran und wenn er kleine Mengen ergattern kann, zahlt er einen hohen Preis dafür. Den verlangt er samt einem angemessenen Aufschlag für seine Leistung vom Käufer zurück.

Bevor nun erneut Anklage in unserem Forum gegen vermeintliche Machenschaften Ihrer Lieferanten erhoben wird, empfiehlt es sich, diesen Chart anzuschauen. Er zeigt die Abweichung von den erwarteten durchschnittlichen Heizölkäufen der letzten fünf Jahre (schwarze Linie) und die geschätzten Vorräte in den Verbrauchertanks (blaue Linie). Der letzte Kaufrausch im Herbst 2008 ist deutlich zu erkennen. Damals wurden die Tanks ordentlich aufgefüllt. Mittlerweile sind sie leer, weil seit drei Jahren sehr wenig Heizöl gekauft wird. Aus dem Chart geht nicht hervor, ob die Kaufzurückhaltung temporär ist oder ob sie strukturell durch einen deutlich gesunkenen Heizölverbrauch verursacht wird. Fakt ist, dass die Häuser effizienter als früher sind und dass die Effizienzsteigerung zunimmt. Vorlieferanten und Handel müssen basierend auf den vorliegenden Zahlen entscheiden, wie viel Ware sie auf Lager legen. Das geschieht nach bestem betriebs- und volkswirtschaftlichem Wissen. In diesem Monat erweist sich dieses Wissen als unzureichend. Verbraucher verhalten sich nicht statistikkonform. Das müssen sie selbstverständlich nicht. Den Markteffekt müssen sie allerdings ertragen. Er ist keine üble Machenschaft raffgieriger Marktteilnehmer, sondern eine ganz normale Verwerfung wie sie täglich in einer modernen Gesellschaft vorkommt. Sie ist mit börsenpsychologischen Effekten vergleichbar. Wer den Job besser machen kann als die Planer der Ölgesellschaften, sollte sich melden, denn er könnte alle Beteiligten, Verbraucher und Lieferanten, in eine bessere Lage versetzen.

Bemerkenswert ist, dass im Verlauf der letzten drei Jahre deutlich niedrigere Preise keinen Kaufrausch auslösten. Das zeigt, dass das Kaufverhalten auch im fallenden Markt von Hoffnungen auf noch tiefere Preise geprägt ist. Mit den hier angebotenen Informationen geben wir die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von der Marktlage zu entwerfen. Ein Entwurf im Stil des Jahres 2008 konnte dabei nicht herauskommen. Er konnte allenfalls erhofft werden. Hoffnung als Flucht vor der Realität ist wenig hilfreich. Empfehlenswert ist es, sich der Realität zu stellen und das Handeln daran anzupassen. Empfehlenswert ist auch, nicht mit der Masse zu laufen. Massenmedien greifen übrigens mangels eigener Recherchen gerne auf unsere Informationen zu, um damit Masseneffekte bei Heizölverbrauchern zu erzeugen.

Das Problem des Binnenmarkts wird sich über kurz oder lang auflösen, entweder weil in den kommenden Wochen und Monaten genug Heizöl herangeschafft wird oder weil die Kaufzurückhaltung bei steigenden Preisen zurückkehrt. Zeichen für eine allgemeine, über den internationalen Markt beigebrachte, Preissteigerung sehen wir derzeit nicht. Global ist das Angebot gut, die Konjunktur labil und das Geld- und Finanzsystem desolat. Aktuell bullische Einflüsse wie die streikbedingte Reduzierung der norwegischen Ölförderung und die Kriegsgefahr zwischen Syrien und der Türkei werden bald wieder aus den Tagesberichten verschwinden.

Die Situation auf dem immer noch dominanten US-Markt ist stabil freundlich. Das zeigen die jüngsten Lagerdaten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute). Die Veränderung zur Vorwoche lautet wie folgt:

Rohöl: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,0 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,3 (DOE) bzw. 0,1 (API) Mio. Barrel. Dieser geht einzig auf das Konto der Heizöl- und Dieselabgänge. Der starke Rückgang deutet auf ein hohes Exportaufkommen hin, denn naturgemäß decken sich Amerikaner nicht so früh für den Winter mit Heizöl ein. Vermutlich handelt es sich um das Heizöl, das bald in deutschen Verbrauchertanks landen wird. Die Raffinerieauslastung ist auf 93 Prozent gestiegen. Das ist ein sehr guter Wert für die USA.

Heute Morgen wird der gestrige Preisanstieg der Ölnotierungen zurückgenommen. Darin könnte durchaus eine Tendenz liegen. Gleiches gilt für den US-Dollar. Den sehen wir tendenziell allerdings eher in die andere Richtung laufen, da eine Lösung der Europroblematik nicht greifbar ist. Daran werden die pompösen Sitzungstage zum Thema kaum etwas ändern. Die Tonne Gasöl kostet 853,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 80,37 Dollar und in London zu 93,20 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 80,01 Eurocent.

Unsere Heizölpreise legen rasant zu. Sie kratzen an der Existenz ihres Abwärtstrends. Der wesentliche Grund hierfür liegt im Binnenmarkt. Die Nachfrage übersteigt das Angebot vielerorts deutlich. Kurzfristig ist keine Besserung in Sicht. Der Handel wartet auf die Juli-Kontingente aus Raffinerien und Importen. Die werden bei anhaltendem Kaufdruck leider nicht für eine Entspannung ausreichen. Spekulativ eingestellte Heizölkäufer sollten dem Markt fern bleiben und auf eine bessere Situation in zwei Monaten setzen. Wer sich durch die steigenden Heizölpreise nun über Gebühr beunruhigt sieht, ist besser beraten, seine Nerven durch einen Sofortkauf bei uns zu entspannen. Damit ist der Kaufpreis fixiert, egal wie lange man auf das Heizöl warten muss. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren elektronischen Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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