Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Aus der Tiefe der Erkenntnis

Internationaler Markt

Das Thema der Stunde lautet „government shutdown“. Die USA haben keinen genehmigten Haushalt. Die staatliche Verwaltung kommt zum Stillstand. Fast eine Million Angestellte bekommen kein Gehalt. Die Frage der Stunde lautet: Hat das Einfluss auf Konjunktur und Ölkonsum? Antwort: Kurzfristig kaum. Im politischen Streit, der diese Lage herbeiführte, droht, sobald der Haushalt wieder flüssig ist, allerdings die nächste Eskalationsstufe, Stopp durch das Erreichen der Schuldengrenze. In Summe kann das Theater dann durchaus Konjunkturpünktchen und Ölkonsum kosten. Das würde den bärischen Markt noch bärischer stimmen.

Theater ist immer ein künstlicher Preisimpuls. Weitaus stiller, aber bedeutender ist die Entwicklung auf der Angebotsseite. Sie ist ein Markenkern der gültigen Marktperiode. Diese hat eine geschätzte Dauer von fünf bis zehn Jahren. Wir befinden uns im Jahr Drei. Der Marktcharakter ist schwach bärisch. Das heißt, Preise tendieren eher zum Nachgeben als zum Steigen. Dieser Umstand ist Folge einiger fundamentaler Veränderungen während der letzten Jahre. Sie betreffen die Ressourcen, die Reserven und die Produktion.

Im Jahr 2007 hatten wir nach wissenschaftlicher Erkenntnis der Association for the Study of Peak Oil & Gas (ASPO) rund die Hälfte des Öls dieser Erde verbraucht. Die Aussage war glaubhaft, allerdings nicht unumstritten. Sie ließ ernste Sorgen hinsichtlich unseres gewohnten Lebensstils ins Kraut schießen. Die Ölpreise wurden, begünstigt durch außer Rand und Band geratene Finanzmärkte, in die Höhe katapultiert. In 2008 kollabierten die Finanzmärkte und die Ölpreise. Beide wurden durch staatliche Geldspritzen künstlich hoch gehalten. Weil Öl teuer und knapp war, wurde in den Sektor investiert. Die Wirkung war und ist erstaunlich. Heute schätzt die Internationale Energie Agentur (IEA) den bisherigen Verbrauch von Öl auf ein Achtel des gesamten Erdbestands. Die Schätzung ist glaubhaft, aber nicht unumstritten. Es wurden neue, kompliziert zu bearbeitende Quellen in Betrieb genommen, aus denen unkonventionelles Öl gewonnen wird. Und es wurden alte, fast verloren geglaubte Felder mit modernster Technik in Schwung gebracht. Neben der beruhigenden IEA-Schätzung zu den verbleibenden Ressourcen hat sich ein Angebot entwickelt, das die Nachfrage übersteigt.

Zwischen den Ressourcen, die eine Schätzung des gesamten in der Erde lagernden Öls sind, und dem Angebot, das die heutigen Versorgungsströme speist, gibt es die Reserven. Es sind die Mengen, deren Förderung mit aktueller Technik gesichert ist und zu deren Kosten es eine konkrete Vorstellung gibt. Mit ihnen könnten wir, wenn wir den Verbrauch auf dem heutigen Stand einfrören, über 50 Jahre lang den Status quo unseres Lebensstils erhalten, wobei die ordentliche Funktion des Geld- und Finanzsystems unterstellt wird. Es ist die längste je angegebene Verfügbarkeitsperiode. Hinsichtlich der dauerhaften Funktion des Geld- und Finanzsystems sind berechtigte Zweifel angebracht.

Entgegen anders lautender Meinungen ist es gut um die Ölversorgung bestellt. Das heißt nicht, dass wir auf eine sorgenfreie Zeit blicken können. Zum einen verursachen die gewaltigen verfeuerten Ölmengen, wie die von Kohle und Gas auch, bedrohliche Veränderungen in unserer Atmosphäre. Diese Aussage ist glaubhaft, aber nicht unumstritten. Zum anderen fordert die zunehmend komplizierte Technik immer höhere Preise für den Rohstoff Öl. Die Idee der sozialen Marktwirtschaft, Öl für uns alle, ist infrage gestellt. Eine natürliche Rückkehr zu sozialer Ausgewogenheit gibt es nicht. An der müssen wir aktiv arbeiten. Hier ist mehr soziales als technisches Engineering gefragt.

Heute Morgen verhält sich die Ölpreisbildung an den Börsen einigermaßen plausibel. Sie gibt schwach nach. Plausibilität kann man auch für die Dollarentwicklung konstatieren. Die Währung fällt angesichts des US-amerikanischen Haushaltsdesasters deutlich. Die Tonne Gasöl kostet 911,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,13 Dollar und in London zu 107,85 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,69 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben wieder nach. Sie werden im Wesentlichen vom Dollar gedrückt. Die Ölnotierungen sind eher neutral. Der Binnenmarkt zeigt leichte Margen- und Preisanstiege aufgrund einiger Engpässe, die allesamt keine ernsthafte Störung darstellen. Von der normalen Börsenaktivität werden die Binnenmarkteffekte in den Schatten gestellt. Die weiteren Preisaussichten halten wir für gut, aber begrenzt. Den Spielraum schätzen wir für eine 3.000 Liter Bestellung auf maximal vier Prozent ein. An neue Ziele denken wir erst, wenn im Bundesdurchschnitt 80 Cent pro Liter unterschritten werden. Die Situation ist im positiven Sinn spannend. Es macht Sinn, den Markt eng zu verfolgen. Neben dieser Internetseite steht Ihnen dazu unsere Smartphone-App zur Verfügung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik bestätigt
Einige kleinere Infrastrukturstörungen
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Iran will über sein Atomprogramm reden
Libyen wird Teile der üblichen Lieferungen wieder aufnehmen
Irak hat neues Ölfeld in Betrieb genommen
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion
USA: government shutdown
Schwache Konjunkturdaten aus China
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken

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