Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Draghi tut ihnen nicht gut.

Internationaler Markt

Die Europäische und die Amerikanische Notenbank (EZB und Fed) sehen die Konjunkturen ihrer Hoheitsbereiche auf guten Wegen. Damit der der Eurozone noch besser wird, lässt Mario Draghi die Geldpumpe anwerfen. Zunächst sollen bis September 2016 insgesamt 1,14 Billionen frische Euro die Wirtschaft beflügeln. Das klingt so, als leide sie an Geldmangel. Merkwürdig, dabei ist das Finanzvermögen derzeit mindestens viermal höher als der Wert aller Waren und Leistungen. Wenn es genug Bedarf für all diese Waren und Leistungen gäbe, müssten ihre Preise gewaltig steigen. Das wäre dann Inflation. Da das nicht der Fall ist, gibt es den Bedarf nicht oder präziser formuliert wird der Bedarf verhindert, indem Menschen von der Teilhabe an Wohlstand ausgeschlossen werden. Das soll sich nun mit den Draghi-Billionen ändern. Die Griechen bekommen von diesen Billionen übrigens nichts. Notleidende Spanier, Portugiesen und Italiener werden auch nichts sehen. In anderen Worten, nur wer wohlständig ist, wird gesponsert. Von ihm wird dann erwartet, dass er zur Konjunkturaufhellung beiträgt. Und wenn diese Aufhellung am Ende des ersten Draghi-Programms noch keine Erleuchtung erbracht hat, wird ein zweites und dann ein drittes und immer fort ein weiteres aufgelegt werden. Das ist der Plan. Irgendwann wird das Finanzvermögen den Wert der Waren und Leistungen dann zehnmal übersteigen, die von der Teilhabe ausgeschlossenen werden nicht mehr haben, sondern nur mehr sein, Inflation wird man bei Mieten und Energiepreisen spüren, sie wird noch viel mehr Menschen ins Abseits stellen. Spätestens dann wird der IS mitten in Europa angekommen sein.

Irgendwie ist es keine gute Idee mehr, die Herrschaft über die Notenbanken Bankern zu überlassen. Sie zeigt uns, wie schädlich heute hoch bewertetes Fachwissen ist. Was im geschlossenen System von Geld und Finanzen zu funktionieren scheint, funktioniert in den komplexen Lebenswelten der Gesellschaften keineswegs. Die politische Aufgabe der Zeit besteht mehr denn je in der Auflösung von Komplexität, um Teilhabe in jeder Beziehung zurückzugewinnen, und nicht in der Steigerung von Komplexität. Diese ist undemokratisch, gesellschaftsschädlich und ausgrenzend. Wer mit Komplexität umgehen kann, hat die Macht. Wer das nicht kann, wird gelenkt. Komplexität ist eine Massenvernichtungswaffe im Krieg Reich gegen Arm.

Zum guten Weg, auf dem sich die Konjunkturen befinden sollen, kamen gestern übrigens anders lautende Daten heraus. Das heißt nichts, da diese Daten ohnehin nur Ergüsse überkommener Rechenmodelle sind. Morgen sind sie bestimmt wieder schöner. Im Ölmarkt, unserem Kernthema, sieht es nicht viel besser aus. Es herrscht Überversorgung in fast allen Regionen. Gehandelt werden indes Störungen. Nach den Gesetzen realer Märkte müssten die Ölpreise fallen. Die Spielregeln der Geld- und Finanzwelt verhindern dies. Das gilt auch für die Heizölpreise. Ihnen setzt Mario Draghis Euro-Entwertung zu.

Heute Morgen zeigen die Ölbörsen keine interpretierbare Regung. Der Dollar schon, er tendiert weiter aufwärts. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 580,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 50,97 Dollar und in London zu 60,87 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9078 Euro . Damit kostet der Euro 1,1015 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise pendeln mit relativ kleinen Ausschlägen auf und ab. Finanztechnisch befinden sie sich im Aufwärtstrend. Die letzten Tage zeigen hingegen einen Seitwärtstrend. In der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz sind beide Erscheinungen gut zu erkennen. Es spricht einiges dafür, dass sich die Seitwärtsrichtung festsetzen wird.

Der Binnenmarkt ist mittlerweile sehr ruhig. Bestellungen kommen mäßig. Hoffnungen auf tiefere Preise sind noch vorhanden. Das Markt- und Preisgeschehen zu verfolgen, ist aber kein Massenphänomen mehr unter Ölheizern. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf einem mittleren Wert für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Neben ein paar Spontankäufern sind noch Beobachter im Markt, die bei tieferen Preisen zu kaufen gedenken.

Diese Beobachter werden sich eventuell vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das gibt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung steckt weiterhin in einer 50/50 Situation.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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