Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Fracking wird sie im Zaum halten

Internationaler Markt

An den Ölbörsen wird plötzlich Knappheit gehandelt. Die Wortführer haben es geschafft, die bekannten Störungen der Ölinfrastruktur rund um den Globus als preisrelevantes Thema zu platzieren. Die wesentliche Argumentation bezieht sich dabei auf die Situation in den Krisenländern des Mittleren Ostens, in Libyen, im Südsudan und in der Nordsee.

Der Iran produziert und verkauft auf Grund der unter US-Führung erzwungenen Sanktionen 20 bis 25 Prozent weniger Öl als möglich wäre. Es handelt sich um einen langfristigen Ausfall von rund einem Prozent der Weltförderung. Dieser wurde längst durch andere Lieferungen kompensiert. Der Irak meldet immer wieder Teilausfälle als Folge von Anschlägen auf Pipelines. Aktuell werden Lieferungen wegen planmäßiger Wartungsarbeiten reduziert. Trotz der Störungen steigen Produktion und Lieferungen beeindruckend stark, 13 Prozent in 2011, 12 Prozent in 2012, Tendenz gleichbleibend. Kuwait hat ähnliche Zahlen zu bieten. Syrien und der Jemen, zwei Länder mit massiven Ausfällen, tragen jeweils 0,2 Prozent zur globalen Ölförderung bei. Sie sind für die Gesamtversorgung nicht bedeutend. Durch den Umsturz in Libyen wurde der Welt in 2011 rund ein Prozent seines Angebots entzogen. Die Mengen sind mittlerweile wieder da. Die Lieferungen sind auf Grund von Unruhen allerdings unsicher. Der Südsudan steht für weniger als 0,2 Prozent der Weltproduktion. Diese Menge ist relativ neu auf dem Markt. Mal gibt es sie, mal gibt es sie nicht. In der Nordsee muss die Produktion einer Plattform im Ekofisk-Feld gedrosselt werden. Unter Volllast werden dort 0,01 Prozent der globalen Ölmengen produziert. Die Zahl sagt alles über die Bedeutung der Drosselung.

Die genannten Störungen und Ausfälle werden mit Ausnahme des Irans durch die Steigerungen aus dem Kreis der genannten Länder kompensiert. Allein dieser Umstand lässt Sorgen zur aktuellen Ölversorgung blass aussehen. Pures Unverständnis kommt auf, wenn man die Zunahme der Ölproduktion Nordamerikas und Saudi Arabiens hinzuzieht. Allein die jährliche Steigerung machte in den letzten beiden Jahren zwei Prozent der Weltölproduktion aus. Dem steht eine globale Nachfragesteigerung von jeweils einem Prozent gegenüber.

In den USA geht die nachfragestarke Fahrsaison in Kürze zu Ende. Raffinerien fragen bereits weniger Rohöl nach. Die erhoffte Erholung des Ölkonsums blieb im dritten Jahr in Folge aus. Als Finanzjongleur würde ich mir vor diesem Hintergrund eher Sorgen über einen Einbruch der Ölpreise als Gedanken über fehlende Liefermengen machen. Letzte scheinen wirklich irreal zu sein. Aber die Finanzwelt ist allemal irreal genug, um daraus steigende Ölnotierungen zu generieren.

Heute Morgen sieht es so aus, als solle der bullische Lauf Fortsetzung finden. Die Tonne Gasöl kostet 924,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,49 Dollar und in London zu 109,26 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,14 Eurocent. Die kurzfristigen Ölpreistrends sind recht bullisch. Der Jahrestrend hat allerdings immer noch eine leichte Abwärtstendenz.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen weiter an. Die Vorgaben kommen hauptsächlich von den Ölbörsen. Der Dollar liefert einen kleinen Anteil hinzu. Der Binnenmarkt ist sommerlich ruhig. Er hat keinen Einfluss auf die Preisbildung. Die Trends sind trotz der gegenläufigen Preise noch abwärts gerichtet. Mit Blick auf den physischen Markt müssten sie das Programm für den weiteren Jahresverlauf sein. Die Finanz- und Börsenlage lässt allerdings eher einen Seitwärtsverlauf befürchten.

In Deutschland geht seit einiger Zeit die Sorge um, dass Öl und Gas im Fracking-Verfahren vor der Haustür gefördert werden. Dabei ist die Methode ein wichtiger Grund für das Ende der exzessiven Preissteigerungen des letzten Jahrzehnts. Sie wird für einige Zeit zur Preisstabilität beim Heizen beitragen. Die Last der Methode werden allerdings nicht deutsche, sondern amerikanische Bürger tragen. Hierzulande wird es nämlich keinen Fracking-Boom geben. Die erschließbaren Vorkommen sind vergleichsweise gering. Ein noch gewichtigerer Umstand für die dezidierte Aussage sind die Eigentumsstrukturen. In den USA gehört die Energie im Boden seinem Besitzer. Er darf sie unter Achtung lausiger Umweltstandards nach Belieben ausbeuten. In Europa gehört die Energie dem Staat, also allen Bürgern. Hier gibt es ein viel geringeres kommerzielles Interesse an den Vorkommen. An dieser Stelle sei auf einen weiteren Widerspruch im Umgang mit der Gewinnung fossiler Energie hingewiesen. Im Laufe der Untersuchungen zu den Wassergefährdungen durch Fracking mussten deutsche Wissenschaftler feststellen, dass das Abbauverfahren keineswegs gefährlicher ist als sogenannte konventionelle Fördermethoden. Die Umweltgefährdung geht nämlich weniger von den chemischen Anteilen im Bohrwasser als vom aufsteigenden Tiefenwasser aus. Dieses Tiefenwasser ist jahrtausende alt und häufig radioaktiv kontaminiert. Die Entdeckung dieser Tatsache führte zu nachträglichen Untersuchungen an konventionellen Förderumgebungen mit dem Ergebnis, dass dort ebenfalls aufsteigende Tiefenwasser zu finden sind. Um die hatte sich in der Vergangenheit niemand gekümmert. Wir wussten nichts von den Gefahren, also fürchteten wir sie nicht. Nun wissen wir um sie. Müssen wir jetzt jedwede Förderung beenden?

Die IEA (Internationale Energie Agentur) schließt einen Fracking-Boom hierzulande übrigens auch aus. Sie empfiehlt Deutschland in besonderer Weise auf Energiesparmaßnahmen als Zukunftstechnologie zu setzen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ein paar gute Konjunkturdaten aus China und USA
China braucht sehr viel Öl
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Spannungsbedingte (sozial, politisch) Ausfälle in wichtigen Ölstaaten
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Chinas Wirtschaft noch nicht bei alter Stärke
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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