Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Im Spannungsfeld der Widersprüche

Internationaler Markt

Die globale Konjunktur wird in diesem Jahr brummen. Sie könnte aber auch abstürzen. In der EU werden die Wachstumsraten besser ausfallen als in Deutschland. Die Geschäftserwartung ist hierzulande allerdings so gut wie selten und die EU hat die Krise noch lange nicht überwunden. Man kann die widersprüchlichen Formulierungen ohne Ende fortsetzen. Sie geben wieder, was Politik, Wissenschaft und Wirtschaft alltäglich in hoher Taktrate ausstoßen. Durchhalteparolen, Zufriedenheitsbekundungen, Ermunterungen, Geschwätz oder Propaganda. Im Zweifel ist es ein Potpourri von allem. Es ist offensichtlich, dass niemand weiß, was die Zukunft bringt, schon gar nicht diejenigen, die es uns sagen.

Orakeln ist keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal der Konjunkturauguren. Orakelt wird auch um Öl und andere Ressourcen, deren Nutzung die Menschen erst reich und dann abhängig macht. Vor wenigen Jahren sahen wir das Ende des Ölzeitalters auf uns zurasen. Jetzt ist wieder reichlich Stoff vorhanden. Das jedenfalls sagt Christoph Rühl, Chefvolkswirt der BP. Er ist mit seiner Meinung nicht allein. Die IEA (Energieagentur der OECD) und die EIA (Behörde des US-Energieministeriums) und die OPEC (ölabhängige Lieferstaaten) sehen das ähnlich. Letzte blicken sogar einer unbefriedigenden Zukunft entgegen, weil sie nicht soviel Öl verkaufen, wie sie fördern können. Nordamerika macht ihnen das Geschäft mit seinem Ölboom streitig. Gefracktes, aus Sand gewaschenes und aus bisher unerreichten Tiefen gehobenes Öl soll die abnehmende Förderung aus alten Quellen ersetzen und übertreffen. Was heute in Amerika geht, könnte morgen auch andernorts auf der Welt angewendet werden. Es sei reichlich in der Erde vorhanden, um den energetischen Mehrbedarf der wachsenden Weltökonomie zu speisen.

Mit Wundern der Technik können wir nicht nur mehr fossile Ressourcen bergen. Wir werden unseren Mehrbedarf sogar reduzieren. Effizienz senkt das Verbrauchswachstum. Leider senkt sie nicht den Verbrauch, jedenfalls nicht global, allenfalls lokal, wo man langsam genug von "immer mehr" hat. Das Klima, sagen alle, wird natürlich nicht mehr das sein, was es heute ist. Die CO2-Minderungsziele und die Begrenzung auf eine zwei Grad Erderwärmung können wir vergessen. Immerhin, die Erde wird langsamer wärmer. Kaum, weil Effizienz oder gar die Besinnung auf ein menschliches Maß greifen. Hauptsächlich, weil sich der Energiemix verändert. Öl und Kohle werden ihre heutige Dominanz verlieren. In 20 Jahren werden Öl, Gas und Kohle jeweils zu 27 Prozent am Gesamtaufkommen beteiligt sein. Den Rest werden Atomenergie und Regenerative übernehmen.

Alles Unsinn, meinen andersgläubige Wissenschafter. Die Erde ist gar nicht so ergiebig, wie sie heute im Überschank der Ereignisse dargestellt wird. Deborah Rogers, US-Wirtschaftswissenschaftlerin, und andere rechneten nach. Ihr Urteil, die angegebenen Fracking-Reserven sind geschönt, die Förderraten sinken rasant, die Förderkosten sind höher als die Erlöse. Geld können die Protagonisten nur über gutgläubige Kreditfinanzierungen herausziehen. Dafür ist die Zeit mit ihrer kaum zu bewältigenden Geldflut wie gemacht. Solange ein Mengenwachstum funktioniert, fällt nicht auf, dass das Geschäft ein Flop ist. Es wird funktionieren, wenn weiter mit wachsenden Geldmengen investiert wird. Das ist derzeit noch der Fall. Abtrünnig könnten Investoren allerdings werden, wenn der Ölpreis sinkt. Dann wird ihnen dämmern, dass ihr Geld nicht sicher ist und die Blase wird, viel schneller als sie wuchs, zerplatzen.

Welche der Ansichten zutrifft, wissen wir nicht, so wie wir nicht wissen, ob die Konjunktur in 2014 brummen oder abstürzen wird. Niemand wird das wissen, niemand kann das wissen. Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von Überraschungen scheint allerdings hoch zu sein. In so einer Lage macht es Sinn, nicht nach Optimum, sondern nach Widerstandsfähigkeit zu suchen, sich nicht an technischer Höchstleistung, sondern an Robustheit zu orientieren und soziale statt technische Lösungen in Betracht zu ziehen. Das Wort zum Begegnen dieser Lage heißt Resilienz.

Resilienz ist nicht Sache der Finanzszene. An ihrem Metier geht es um Gewinn aus Risiko. An den Aktienbörsen ist das definitiv hoch, wie die letzten Tage zeigten. Im Ölmarkt geht es derzeit etwas gemächlicher zu. Das kann sich aber auch jederzeit ändern. Aktuell tendieren die Notierungen abwärts. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 915,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 96,06 Dollar und in London zu 107,08 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,22 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Die Börsen gaben Abgang vor. Die Preise trotzten den Vorgaben und korrigierten die zuvor gewährten Rabatte im Binnenmarkt. Der läuft so träge, dass die Ölgesellschaften alles daran setzen, Verbrauchern wenigstens Preiserhöhungen zu ersparen. Die würden sie vollends verschrecken. Dabei übertreiben die Preismacher bisweilen. Sinkende Öl- oder Dollarnotierungen helfen ihnen, die zu hohen Rabatte wieder zu normalisieren. Das ist auch eine Form, Ruhe in den Markt zu bringen. Die Aussichten sind ungestüm freundlich. Der Winter und die US-Notenbank stellen in dieser Woche den ungestümen Part dar. Die gute Versorgungslage gibt die längerfristige freundliche Komponente. Wer auf sie spekulieren will, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer nicht spekulieren kann oder will, soll wissen, dass die Preise zum Kauf gut sind. Heizöl ist deutlich günstiger als in den letzten beiden Jahren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Kältewelle in den USA
US-Bestandsdaten
Winter kommt nach Deutschland
Libyen liefert weiterhin kaum Öl
US-Notenbank pumpt weiterhin viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Konjunkturdaten aus den USA und China schwach
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
Angekündigte Liefermengen aus der Nordsee
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet
Saudi Arabien befürchtet erhebliches Überangebot

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