Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: US-Produktion gibt nach

Internationaler Markt

Die Ölförderung in den USA bricht ein. Das ist die Zeile für die Medien. Der Rückgang beträgt gut ein Prozent. Er ist durch den bullischen Lauf der Ölpreise in den letzten Wochen längst eingepreist. Das ist die Zeile für nüchterne Marktbeobachter. Zu denen zählt, oh Wunder, derzeit sogar die Zunft der nervös agierenden Finanzjongleure. Sie zeigt weder auf den Produktionsrückgang noch auf den erneuten Rückgang der US-Bestände eine nennenswerte Reaktion. Die Bestandsdaten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), den beiden für die Erhebung zuständigen Institutionen, lauten wie folgt:

Rohöl: -2,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 6,0 (DOE) bzw. 6,2 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung stieg auf 92 Prozent. Das ist ein relativ hoher Wert, der den Rückgang in den Rohöllagern nahelegt. Die Gesamtbestände befinden sich auch nach dem zweiten Rückgang in Folge auf extrem hohem Niveau, wie diese Grafik zeigt.

Während die genannten Tagesdaten für rasant steigende Ölpreise sorgen könnten, sinnieren die Protagonisten der Preisbildung über die tatsächliche Überversorgung des Markts. Diese ist ein Mysterium. Schätzungen sehen sie zwischen 1,5 und 2,5 Mio. Barrel pro Tag. Über die globalen Bestände gibt es die Meinung, dass diese um 100 Mio. Barrel zu niedrig angegeben seien. Derartiges Gedankengut verhinderte gestern eine vehemente Aufwärtsreaktion der Ölpreise.

Ein wenig aufwärts ging es für den Dollar. Das ist bemerkenswert, da der Veröffentlichung des relevanten Sitzungsprotokolls der FED (US-Notenbank) gleichsam eine Absage an eine Zinserhöhung im Juni zu entnehmen ist. Über einen Dollarrückgang hätte man sich danach nicht wundern dürfen. Er geht üblicherweise mit einem Ölpreisanstieg einher. Dabei handelt es sich um reine Finanzmarkteffekte ohne realwirtschaftliche Basis.

Heute Morgen tendieren die Ölnotierungen leicht aufwärts. Der Dollar nimmt die andere Richtung. Für die Heizölpreise läuft das auf ein Patt hinaus. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 596,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 59,21 Dollar und in London zu 65,33 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9008 Euro . Damit kostet der Euro 1,1101 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise beginnen am Aufwärtstrend zu knabbern, wie sowohl die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz als auch die 12-Monats-Ansicht zeigen. Ihnen wird wohl in Kürze ein Seitwärtstrend zugeordnet werden dürfen. Das wäre in Deckung mit der Entwicklung der internationalen Ölpreise. Es wäre noch nicht in Deckung mit der Überversorgung am Ölmarkt. Um diese abzubilden, müssen die Finanzjongleure wieder einmal Angst um ihr Vermögen bekommen.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern behäbig herein. Nur die Hoffnung auf günstigeres Heizöl ist in vollem Gang. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf mittlerem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem prallen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreis-System steht im Westen Deutschlands auf Grün. Im Rest der Republik zeigt es keine Kaufsignale an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Wir sehen längerfristig wieder Preispotenzial nach unten.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen