Unseren neuen Kommentar für den 14.11.18 finden Sie hier.


Heizölpreise: Wunschkonzert ohne Zusage

Internationaler Markt

Nachdem Syrien als Impulsgeber für den Ölmarkt abgehakt werden kann, lohnt es sich, den Blick auf die anderen Sorgenstaaten der näheren und ferneren Nachbarschaft zu richten. Der Iran kann sein Potenzial von gut vier Mio. Barrel Öl pro Tag, das entspricht rund fünf Prozent des globalen Angebots, nicht vollständig zu Markte tragen, weil der Westen das Land mit Sanktionen belegt. Sie sollen eine Änderung der Atompolitik erzwingen, von der vermutet wird, den Bau einer Bombe zum Ziel zu haben. Der Iran besteht auf dem Recht einer eigenständigen Energiepolitik und weist die Behauptung der atomaren Aufrüstung zurück. Als Konsequenz der Sanktionen fehlen mindestens eine Mio. Barrel Öl pro Tag auf der Angebotsseite, die den Preis abwärts drücken können. Mehr als die Kunden leidet allerdings der Haushalt des Irans unter den gedrosselten Ölexporten. Mit dem neuen Präsidenten Hassan Rohani, der deutlich gemäßigter vor die Weltöffentlichkeit tritt als sein Hass predigender Vorgänger, gibt es Hoffnung auf Entspannung der Lage. Bisher zeigen Israel und die USA allerdings keine Gesprächsbereitschaft. Gleichwohl sind schwach bärische Einflüsse zu erahnen.

Die fehlenden Mengen des Irans werden durch die irakische Förder- und Exportsteigerung kompensiert. Prinzipiell reicht das Potenzial sogar zu einer deutlichen Überkompensierung. Die unsichere politische Lage, Bombenanschläge und Baustellen im gesamten Ölkomplex sorgen aber immer wieder für Ausfälle. Im August waren die Lieferungen zufriedenstellend. Gleichwohl blieben sie unter dem Durchschnitt des letzten Jahres. Im September erwartet man stärkere Fehlmengen. Die Situation ist nicht kritisch aber störend. Wirtschaft und Haushalt des Iraks sind extrem abhängig von Ölexporten.

In Ägypten, das weniger durch seine Ölproduktion als durch seine Öltransportwege von globaler Bedeutung ist, wurden die entmachteten Muslimbrüder aus allen Institutionen entfernt und weitgehend in die Illegalität verbannt. Dort wird es zu vereinzelter Radikalisierung kommen. Das regierende Militär wird alles daran setzen, Störungen im Ölkomplex zu vermeiden. Die Gefahr von terroristischen Angriffen wird aber zunehmen. Der Haushalt Ägyptens ist durch Subventionen für den Ölkonsum vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Aktuell schuldet der Staat ausländischen Öllieferanten fünf Mrd. Dollar.

Die Lage in Libyen sieht derzeit hoffnungslos aus. Durch die Auflösung der staatlichen Ordnung ist das Land quasi in autonome Lokalmächte zerfallen. Staatliche Autorität gibt es nur noch auf dem Papier. Die widerstrebenden Partikularinteressen haben die Ölproduktion und Lieferung fast vollständig zum Erliegen gebracht. Der Ausfall ist größer als zu Kriegszeiten. Dem Weltmarkt fehlt ein Angebot von 1,5 Mio. Barrel. Libyen fehlt das Geld, um ein Staatswesen zu etablieren. Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

Saudi Arabien verspricht die genannten Ausfälle auszugleichen. Nominell scheint das möglich zu sein. Zum einen werden dadurch aber die Reservekapazitäten belastet, die für eine Beruhigung der Preisbildung benötigt werden. Zum anderen ist das saudische Öl häufig kein Ersatz, weil es qualitativ nicht mit den Ausfallsorten ebenbürtig ist. Viele europäische Raffinerien können es gar nicht verarbeiten.

Zu dieser längerfristigen Lagebeschreibung gesellt sich die auf Wochenbasis betrachtete Situation in den US-Tanklagern. Sie ist so widersprüchlich wie die allgemeine Lage unsicher ist. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, gaben gestern folgende Dissonanzen zu Protokoll:

Rohöl: -0,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 4,1 (DOE) bzw. ein Abbau von 1,9 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf 93 Prozent. Dieser Umstand sorgt erneut für Verwunderung, da er im Widerspruch zur US-Kraftstoffnachfrage steht. Die sinkt mittlerweile deutlich. In der ersten Septemberwoche erreichte sie ein Zwölf-Jahres-Tief. Der gesamte öffentliche Ölvorrat der USA ist höher als vor einem Jahr.

Alles in allem bietet die Situation Argumente für Bären und für Bullen. Je nach Neigung können sich Finanzjongleure ihre Sicht der Dinge konstruieren. Damit wird viel Bewegung im Börsengeschehen bleiben. Das zeigt sich auch heute Morgen. Nach kurzem Anstieg fallen die Notierungen. Ein Trend steckt keineswegs darin. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 941,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 107,38 Dollar und in London zu 111,45 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,18 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben zum Abschluss der Syrien-Einlage noch ein wenig nach. Dabei geben nicht die Öl- sondern die Dollarnotierungen die Richtung vor. Der Binnenmarkt ist ruhig und ohne Preiseinfluss. Wir erwarten, dass sich das mit dem näher rückenden Herbst ändern wird. Sobald die Nachfrage anzieht, werden mehr oder weniger wahrnehmbare Preisaufschläge aus dem Binnenmarkt kommen. Das heißt nicht zwangsläufig, dass Heizöl teurer wird. Die Börsen können durchaus Preisnachlässe dagegen setzen. Einen klaren Trend können wir derzeit nicht ausmachen. Es ist eine Alles-ist-möglich-Situation. Immerhin, Heizöl ist wieder über sechs Prozent günstiger als vor zwölf Monaten. Basis für die Zahl ist eine Liefermenge von 3.000 Liter. Wenn Sie ganz eng an der Preisentwicklung bleiben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere Smartphone-App. Sie einfach schlau zu gestalten, war unser Ziel. Schauen Sie hier, ob es uns gelungen ist.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Sorge vor Totalausfall Libyens als Öllieferant
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Kritische Stimmen zur globalen Angebotssituation
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Militäreinsatz gegen Syrien so gut wie ausgeschlossen
US-Bestände
China fragt wieder weniger Öl nach
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion

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