Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


IEA gießt Öl ins Preisfeuer

Die US-Bestände haben sich zur Vorwoche kaum verändert. Die Rohölbestände sind gesunken. Letzteres wirkt im aktuellen Börsengeschehen preistreibend. Es lässt aber Interpretationsspielraum für eine gegenteilige Reaktion. Denn nach wie vor ist nicht geklärt, ob die US-Rohölbestände niedrig sind, weil das Angebot zu gering ist oder weil die Nachfrage wegen der Rezessionssorgen nachgibt. An der Börse handelt man das zukünftige Angebot. Und das wird niedriger sein, als Verbrauchern lieb ist.

Darauf weist die IEA (Internationale Energie Agentur) seit geraumer Zeit hin. Sie sieht sich von der Politik in ihren Warnungen offensichtlich nicht ernst genommen. Daher verschärft sie nun die Kommunikation. Dabei hat sie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Einerseits sollte sie alles vermeiden, was Spekulanten einen Lustgewinn am Spekulieren auf höhere Preise verschafft. Andererseits müssen die Warnungen bei der Politik endlich Gehör finden. Die Verzweifelung über ignorante Politiker muss groß sein. Anders lässt sich nicht erklären, dass die IEA nun eine Sprachregelung wählt, die den Spekulationsaspekt außer Acht lässt. Es wird offen von Krise geredet. Ein Notfallplan zu den Reserven sei in Arbeit.

Während die IEA bisher von zu erwartenden Lieferengpässen ab 2012 sprach, sieht sie nun bereits Engpässe bei einer größeren Störung voraus. So eine Störung kann beispielsweise durch einen Hurrikan eintreten. Von der Politik der Verbraucherländer erwartet die Agentur wirkungsvolle Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs. Dazu gehören u.a. Tempolimits und restriktive Vorgaben zu Fahrzeugnutzung und Fahrzeugkonstruktion. Darüber hinaus wird mehr Transparenz an den Ölbörsen angemahnt. Die Förderländer fordert die IEA auf, ihre Investitionen in Ölanlagen zu erhöhen. Als wesentliche Ursache für die Krise sieht sie die Nachfrage Chinas und Indiens.

Die Äußerungen sind augenscheinlich politisch. Sie lassen eine verlässliche Einschätzung der Lage vermissen. Engpässe im Fall von Störungen gab es bereits zu Zeiten, als von Krise noch nicht die Rede war. Man denke nur an die Hurrikane Rita und Katrina. Damals wurden die Notreserven in Europa geöffnet. Genutzt wurden sie allerdings kaum. In ihren Reports senkte die IEA immer wieder die Nachfrageprognose. Die Verbrauchsseite entwickelt sich also geringer als erwartet. Wenn nun von einer Krise die Rede ist, müsste sie bereits heute auf der Angebotsseite liegen. Das steht zwar im Widerspruch zu Äußerungen von Lieferanten. Gleichwohl ist es möglich. Der Markt ist intransparent. Die Glaubwürdigkeit von Lieferantenaussagen ist nicht belegt. China und Indien wären in diesem Fall aber nicht der Grund für die ausgerufene Krise.

Man kann es wenden wie man will. Die Konsequenz der Fakten und Hypothesen läuft immer auf das selbe Ergebnis hinaus. Der Verbrauch muss gesenkt werden. Wer damit beginnt, wird nicht verlieren, sondern gewinnen, weil er über Fähigkeiten verfügt, die die ganze Welt braucht, auch wenn sie es heute noch nicht wahrhaben will. Die Erkenntnis ist für die IEA nicht neu. Die Erkenntnis wird seit geraumer Zeit kommuniziert. Sie führt bei den Adressaten aber nicht zu konsequentem Handeln. Das löst bei der IEA hohe Besorgnis aus. Da die Zeit zum Handeln immer knapper wird, beginnt sie nun eine undifferenzierte Kommunikationskeule zu schwingen.

Differenziert werden die Daten über die US-Vorräte an der Stelle bewertet, die so gar nicht für dieses Attribut steht, an der Börse. Der Preisanstieg verläuft den Umständen entsprechend moderat. Die wöchentlichen Daten von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) über die Veränderung in den Lagern lauten wie folgt:

Rohöl: -4,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 1,3 (DOE) bzw. 1,7 (API) Mio. Barrel. Die Importe sind höher als in der Vorwoche und geringer als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit liegt unverändert bei 90 Prozent. Das ist ein für US-Verhältnisse guter Wert. Die Gesamtbevorratung ist mit Blick auf einen Fünfjahrszeitraum mittlerweile nur noch unterdurchschnittlich. Insofern ist die Krisenfestigkeit der Vorräte durchaus am Rande der Kritikwürdigkeit, wenn man von einem unveränderten Bedarf ausgeht.

Heute Morgen sind die Notierungen leicht rückläufig. Die Tonne Gasöl kostet 1.269,00 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 134,95 Dollar. Der Aufwärtstrend ist intakt. Er lässt aber insbesondere bei Gasöl und Heizöl eine Seitwärtstendenz erkennen. Den Ruf des Preistreibers haben die Mitteldestillate momentan verloren.

Unsere Heizölpreise drehen wieder aufwärts. Alte Rekorde wurden eingestellt. Nun läuft auch der Dollar gegen den Verbraucherwunsch. Es gibt kaum einen Zweifel, dass der Heizölpreis die Marke von einem Euro pro Liter für eine Liefermenge von 2000 bis 3000 Liter in diesem Jahren überschreiten wird. Nennenswert sinken wird der Preis nicht. Nennenswert senken kann man nur den Verbrauch. Das gelingt aber nicht in einem Jahr. Dafür sollte man sich Zeit lassen. Schnellschüsse gehen oft nach hinten los. Erst Erkenntnisse über die Energieintensität des eigenen Hauses sammeln, dann handeln. Dazu gibt es esytrol. Es mehrt das Wissen, zeigt Effekte der Änderung des eigenen Verbrauchsverhaltens und erlaubt den Erfolg von Umbaumaßnahmen zu kontrollieren.

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