Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Immer einen Schritt vor dem Staat

Bericht eines Schuhverkäufers aus Afrika: „Hier gibt es keinen Markt für Schuhe. Die Leute laufen barfuß.“ Bericht eines anderen Schuhverkäufers aus Afrika: „Hier gibt es einen riesigen Markt für Schuhe. Die Leute laufen bisher barfuß.“ Die unterschiedliche Wahrnehmung der Schuhverkäufer lässt sich trefflich auf den Ölmarkt und die erwartete Preisbildung übertragen. Spätestens seit Adam Smith gilt der Umstand, dass in freien Märkten Preise durch Angebot und Nachfrage gebildet werden, als universelle Weisheit. Verknappung des Angebots hebt den Preis bei konstanter Nachfrage und umgekehrt. Sinkende Nachfrage senkt den Preis bei konstantem Angebot und umgekehrt. Ob ein Angebot üppig oder knapp ist, zeigt sich in der Lagerhaltung. Ob die Nachfrage stark oder schwach ist, lässt sich aus Volkswirtschaftsdaten ablesen. Die gibt es üblicherweise mit Verzögerung. Ein früher Indikator ist der Preis selbst. Beim Öl kommt auf der Angebotsseite die Reservekapazität der Förderung hinzu. Das Wissen um die verfügbaren Ressourcen sollte weniger Bedeutung haben, da diese erst in ferner Zukunft marktrelevant werden. Ähnlich sieht es mit Nachfrageprognosen aus, die auf langfristigen Konjunkturszenarien basieren.

Dieser simplen Theorie folgend sollte der Ölpreis niedrig sein, da das Angebot hoch ist, was an randvollen Tanklagern und üppigen Reservekapazitäten zu erkennen ist. Weil das so ist, scheint der spekulative Handel mit Ölpapieren geringer zu werden. Die derzeit sinkende Zahl offener Ölkontrakte belegt das. Nun lässt sich darüber streiten, ob der Ölpreis aktuell niedrig ist oder nicht. Gefühlt ist er für Verbraucher hoch, weil zum einen aus der Geschichte tiefere Preise bekannt sind und zum anderen die Wertschätzung für Öl und Energieträger allgemein erheblich geringer ist als für andere Güter. Fakt ist, dass der Preis für das Barrel Rohöl in den letzten fünf Jahren von durchschnittlich 65 Dollar auf durchschnittlich 75 Dollar stieg. Diese Steigerung entspricht einer jährlichen Teuerung von knapp drei Prozent. Fakt ist aber auch, dass die aktuellen Marktgegebenheiten in naher Zukunft keine nennenswerte Preissteigerung zulassen sollten. Schließlich sind die Lager voll und die Reservekapazitäten hoch. Die weltweite Nachfrage wird trotz Chinas Wachstum nicht explodieren, da die alten Industrienationen zukünftig weniger Öl benötigen werden. Das klingt verbraucherfreundlich. Es ist aber nur eine von (mindestens) zwei möglichen Wahrnehmungen der Realität.

Die zweite Beschreibung der Lage sieht unfreundlich aus. Der Umstand, dass die Zahl offener Kontrakte in Öl sinkt, zeigt keineswegs, dass sich die Finanzindustrie aus dem Markt zurückzieht. Ihre Engagements sind seit langer Zeit mehr oder weniger konstant. Ursächlich für das Sinken ist der Rückzug der Ölhändler aus Shortpositionen. Das sind Papiere, mit denen zukünftige Verkäufe preislich abgesichert werden. Das bedeutet, dass die Händler entweder über geringere Mengen verfügen, die sie zukünftig verkaufen können oder dass sie mit steigenden Preisen rechnen und deshalb nicht mehr absichern. Alte Rohstofffüchse sehen in diesem Verhalten tatsächlich ein Indiz für einen bevorstehenden Aufwärtstrend. Noch unfreundlicher ist die Interpretation der vollen Tanklager. Diese zeigen nicht wie angenommen eine exorbitante Überversorgung des Marktes an, sondern das planmäßige Horten von Öl und das nicht etwa durch Ölgesellschaften, sondern durch die Finanzindustrie. Ihr Engagement in Öl ist in Wahrheit nämlich nicht konstant geblieben, wie das die Börsenzahlen nahelegen. Es ist Jahr für Jahr gestiegen und zwar in physische Ware. Banken wie Goldman & Sachs, Morgan Stanley, die Deutsche Bank und andere haben das Bestreben, den Öl- und Rohstoffmarkt zu beherrschen. Sie verfügen mittlerweile über eigene Lagermöglichkeiten, die es ihnen erlauben, durch Zwischenlagern der Ware, sichere Gewinne zu erzielen, Gewinne, die die Verbraucher bezahlen. Mit der Ausübung der Geschäfte steigt die Fähigkeit, diese Geschäfte zu vergrößern. Und sie wird eingesetzt. Dabei geht es nicht um die Versorgung des Markts wie sie von Ölgesellschafen betrieben wird. Es geht einzig um die Manipulation des Markts zum eigenen Vorteil. Gegen diese Art von Geschäft gibt es kein Finanzmarktregulierungsgesetz. Die öffentliche Kritik von Banken gegen die Anwendung eines solchen Gesetzes wie in den USA oder die Ausarbeitung wie in Europa ist lediglich eine Chimäre, die der Ablenkung dient. In Wirklichkeit müssen sie die Gesetze nicht fürchten, weil sie den Gesetzgebern wieder deutlich voraus sind.

Durch das Horten von Öl werden Preise manipuliert. Dies zeigt sich seit einiger Zeit in einem ungewöhnlichen Anstieg der Preise für Ware mit sofortiger Lieferung gegenüber den Preisen für Lieferungen in fernerer Zukunft. Seit gestern zeigt es sich auch durch den Ausbruch aus dem Seitwärtstrend der Preise. Es droht ein neuer Aufwärtstrend. Hilfreich für die Preisbildung im Sinne der Finanzjongleure ist nicht zuletzt der Umstand, dass die Heizöltanks in Deutschland inzwischen recht leer sind. Als weltweit zweitgrößter Heizölverbraucher sind wir für Preismanipulateure interessant. Mit dem Wissen, dass in Kürze eine Nachfragewelle kommen muss, lässt sich noch besser planen. Die Gefahr, dass dieser Bedarf schamlos ausgenutzt wird, steigt täglich. Sie wird verbraucherseitig durch nicht getätigte Käufe in der Hoffnung auf nennenswert tiefere Preise unterstützt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu eben diesen nennenswert tieferen Preisen kommt, war und ist indes gering.

Es gab mal eine Zeit, da kümmerte sich der Vorstandsprecher der Deutschen Bank um die Frage des finanziellen Ausgleichs in einer aus dem Gleichgewicht geratenen Welt. Er bemühte sich darum, die gesellschaftliche Bedeutung der Institution und die Notwendigkeit, gewinnbringend zu agieren, in eine gebührende Balance zu bringen. Dieser Vorstand wurde durch Terroristen ermordet. Einer solchen Gefahr sieht sich der heutige Vorstandssprecher sicher nicht ausgesetzt. Seine gegenüber der Gesellschaft und der Wirtschaft feindliche Gesinnung der rücksichtslosen Bereicherung findet, zwar kritisierte aber doch anerkannte, Akzeptanz. Geschichte ist offensichtlich nicht gerecht. Das heißt aber nicht, dass unser geschichtlicher Auftrag darin besteht, Ungerechtigkeit und Ungleichheit zu fördern.

Heute Morgen ist der gestrige Preisanstieg Geschichte. Die Finanzszene scheint ihn zu verdauen. Es herrscht Ruhe an der Preisfront, vermutlich Ruhe vor dem nächsten Sturm. Die Tonne Gasöl kostet 672,75 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 81,17 Dollar. Der US-Dollar wird zu 75,66 Eurocent gehandelt.

Unsere Heizölpreise legten deutlich zu. Der Preisanstieg ließ sich trotz des erneuten Dollarabgangs nicht vermeiden. Der Aufwärtsdruck von den Ölbörsen war dominanter. Die Aussichten für die Heizölpreise trüben sich ein. Unverändert sehen wir die Chance auf tiefere Preise begrenzt. Nach oben sehen wir hingegen Grenzen fallen. Damit ist die Gefahr höherer Preise größer als die Chance auf tiefere Preise. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es mehr denn je angebracht ist, sich mit der Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu beschäftigen. Dazu empfehlen wir www.esytrol.com.

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